Barleben l Wenn die Jugendlichen am Wochenende feiern, hinterlassen sie meist eine Schneise der Verwüstung. Was vor Monaten am Anger in Barleben begann, hat sich inzwischen in die Ortsmitte verlegt. Glasscherben rund um das Rathaus, beschädigte Geländer, brennende Mülltonnen – vom Lärm ganz zu schweigen. Nun hat sich die Verwaltung mit den Jugendlichen zum zweiten Krisengespräch getroffen, um der Situation Herr zu werden.

Etwa 70 bis 100 Jugendliche aus Barleben, Wolmirstedt und Magdeburg sind am Wochenende vorm Rathaus zu finden. In der vergangenen Woche rückte Frank Nase mitsamt Polizei und Ordnungsamt an, um die Jugendlichen zu kontrollieren und ins Gespräch zu kommen. Dort wurden mehrere Verstöße gegen das Jugendschutzgesetz festgestellt und laut Nase starke Alkoholika konfisziert. Zwei Jugendliche wurden mit der Polizei nach Hause gefahren. „Wir können nicht zulassen, dass der Staat hier eine Ohnmacht zeigt“, sagt Frank Nase. Solche Kontrollen sollen nun häufiger passieren.

Anwohner werden handgreiflich

Am Rathaus wurde das Geländer in Mitleidenschaft gezogen. Mehrere Streben wurden gewaltsam herausgebrochen. Um dem Problem Herr zu werden, will die Verwaltung das Gelände zwischen Rathaus, Heimatstube und dem Edeka-Parkplatz künftig per Video überwachen. „Die Videoüberwachung ist der letzte Weg und eigentlich eine Bankrotterklärung, aber es geht wahrscheinlich nicht anders“, sagt Jörg Meseberg, Leiter des Eigenbetriebes Wohnungswirtschaft der Gemeinde.

Es seien rote Linien überschritten worden. „Man kann verstehen, dass die Anwohner die Schnauze voll haben“, so Meseberg. Doch die Jugendlichen konterten: Sie haben das Gespräch mit den Nachbarn mehrfach gesucht – und seien tätlich angegriffen worden. „Ich finde es beschämend, dass wir von den Nachbarn angegriffen werden“, sagt Alicia Friese, eine der fünf Jugendlichen, die am Gespräch teilnehmen. Dies sei bereits einige Wochen her, trotzdem wollen sich die Jugendlichen nicht beleidigen lassen. „Wir sind nirgendwo erwünscht, egal wo wir hingehen“, sagt die 16-Jährige. Der Bürgermeister verurteilte das Verhalten der Anwohner scharf: „Eine solche Art von Selbstjustiz ist nicht zu tolerieren.“ Anzeige haben die Jugendlichen nicht erstattet.

Frank Nase appellierte an die Jugendlichen, aus ihrer Gruppe heraus zu agieren. „Es hat niemand etwas dagegen, dass ihr dort zusammen seid“, sagte er. Die Jugendlichen sollen nun bei Aufräumaktionen helfen sowie beim Umzug der Kita Ebendorf und in der Grundschule Barleben tatkräftig mit anpacken. Sie zeigten sich bereit dazu. Ebenfalls ermutigte die Verwaltung die Jugendlichen, einen Jugendbeirat zu gründen.