Wolmirstedt l Die große Hebebühne schwebt überm Dach der Katharinenkirche. Die Dachdecker Frank und Fabian Kreutzmann nehmen sich die Schieferschindeln vor. Manche sind gerissen, manche fehlen ganz, vermutlich hat sie der Sturm vom Dach gefegt. Die Dachschäden haben Kirchenmitarbeiter bereits vor dem Kantoreikonzert am 17. März gespürt. „Es hat in den Kirchsaal hineingeregnet“, erzählt Pfarrerin Ina Lambert, „wir mussten sogar Eimer aufstellen.“

Auch ein Besuch im Inneren des Kirchendachs zeigt deutlich, dass dringender Handlungsbedarf besteht. Auf dem Dachboden haben sich große feuchte Flecken ausgebreitet, Licht scheint durch undichte Stellen in der Dachhaut in den Innenraum.

Eine Notsicherung war unumgänglich. Inzwischen sind die Schäden an der Südseite beseitigt, die Reparatur der Nordseite folgt in den nächsten Tagen.

Bilder

Handwerk ist gefragt

Fabian und Frank Kreutzmann sind Dachdecker aus Leidenschaft. „Schiefer ist in der Region etwas Besonderes“, sagt Frank Kreutzmann, „dafür muss man ein besonderes Auge haben.“ Das gesteht er vor allem Fabian, dem Sohn, zu. Allein mit industriell gefertigten Platten sei das Dach nicht zu decken, es bedarf der Nachbearbeitung per Hand. Die Platten werden schuppenförmig auf das Dach gelegt. „Sie werden mit dem Schieferhammer in Form gebracht“, erklärt Frank Kreutzmann. Nur durch diese Handarbeit bekommen sie die Schuppenform, und zwar genau in der Größe, wie sie an der jeweiligen Stelle auf dem Dach erforderlich ist. „Wir haben es hier mit einem Satteldach zu tun, das mit der altdeutschen Deckung gedeckt ist“, erklärt Fabian Kreutzmann. In Fachkreisen wird diese Art „Königin der Deckung“ genannt.

Doch auch die Königin der Deckung hält nicht ewig. Die beiden Fachleute zeigen eine der alten Schieferplatten, die sie vom Dach genommen haben. „Mürbe wie ein Keks“, sagt Fabian Kreutzmann und bröckelt ein paar Stückchen von der Platte ab. Feuchtigkeit und Frost dringen in feine Risse und zerstören die Platte von innen heraus.

Versicherung begleicht Schaden

Die aktuelle Reparatur sei wegen des Sturms ein Versicherungsschaden, sagt Pfarrerin Ina Lambert. Aber eigentlich müsste das ganze Kirchendach erneuert werden. Die Kosten für die bautechnische Sicherung, die Dacheindeckung, die Sanierung der Dachkonstruktion des Kirchenschiffs und der Seitendächer sind ermittelt, die Summe liegt bei 420.000 Euro.

So viel Geld kann die Kirchengemeinde nicht allein aufbringen, Anträge auf Fördermittel sind unter anderem bei Stadt, Land, der Landeskirche, Lotto-Toto gestellt. Ina Lambert hofft, dass bald gute Nachrichten kommen.