Nordgermersleben.  Die Sensation: beides stammt aus der Bronzezeit, ist etwa 3000 Jahre alt, wie auch Archäologen nach weiteren Funden an der Stelle bestätigen. Familie Rochlitzer aus Nordgermersleben träumt von Badefreuden im eigenen Swimmingpool im Garten. Um den Traum wahr werden zu lassen, griff Familienvater Sascha Rochlitzer vor ein paar Wochen zum Spaten, um eine Grube auszuheben. Doch weit kam er zunächst nicht: Etwa 30 Zentimeter unter der Grasnarbe stieß er auf eine grünlich schimmernde Klinge und in der Folge auf weitere Klingenbruchstücke und einen brüchigen Schädel.

Fund war keine abgebrochene Zaunsspitze

Auch wenn seine Frau Dörte den Fund zunächst als abgebrochene Spitze vom Gartenzaun deutete, blieb Sascha Rochlitzer bei seiner Vermutung, dass die Klinge viel, viel, viel älter ist. „Ich bin Installationshandwerksmeister und mit Kupferleitungen und Grünspan kenne ich mich aus. Ich dachte gleich an Bronzezeit“, erzählt er auf Volksstimme-Nachfrage. Da konnte auch sein ehemaliger Geschichtslehrer Dieter Müller, ebenfalls in Nordgermersleben zu Hause, beim späteren näheren Betrachten mitgehen. „Ich habe ihn angerufen und gefragt, ob er mal etwas Spannendes sehen möchte“, so Sascha Rochlitzer. Und der Magnet-Test bewies: Magnetisches Eisen war nicht im Spiel.

Sascha Rochlitzer selbst hatte da bereits eine Baupause eingelegt und, nachdem der poröse Schädel vor dem Spaten lag, auch über die 110 die Polizei informiert. Die Beamten gingen schnell davon aus, dass es sich wohl nicht um einen Todesfall aus der jüngeren Vergangenheit handelte und vermittelten den Kontakt zu den Fachleuten vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Halle. Dr. Götz Alper, Gebietsreferent des Landesamtes, sowie die Grabungstechniker Olaf Schröder und Heiko Heilmann machten sich auf dem Rochlitzerschen Grundstück mit Spachtel, Pinsel und Kelle ans Werk, um das Grab des Kriegers aus der Bronzezeit fachmännisch freizulegen.

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Details der Funde lassen bereits Schlüsse zu

Drei Jahrtausende schlummerten in der Erde des früheren Ackers ein Schwert, ein Rasiermesser und die Spitze einer Lanze. Jedes Detail wurde dokumentiert und zu weiteren Untersuchungen in die Werkstätten und Labore nach Halle gebracht. Noch sind die Untersuchungen nicht komplett abgeschlossen, aber Götz Alper zufolge sind manche Details zu dem Fund naheliegend: So handelt es sich wahrscheinlich um die Reste eines Hügelgrabs eines Kriegers der Oberschicht. Die Vermutung liegt nahe, dass eine oder mehrere Siedlungsgruppen in der Nordischen Bronzezeit über mehrere Generationen entlang des Sell-stedtbaches gelebt haben. Dass es sich um ein Mitglied der Oberschicht jener Zeit handelt, lässt sich aus den Grabbeigaben schließen. Ein vor Jahren in Höhe der heutigen Sonnenuhr an der Nordgermersleber Hauptstraße entdecktes Grab einer Frau mit Bronzering stammt aus derselben Epoche.

Mit der mittleren bis späten Bronzezeit, insbesondere der nordischen Bronzezeit, sind etwa die Jahre zwischen 1300 bis 1100 vor Christus gemeint. In etwa der gleichen Zeit prägten Troja und der ägyptische Pharao Tutanchamun die Weltgeschichte. Die bekannte „Himmelsscheibe von Nebra“ ist nur einige hundert Jahre älter als der aktuelle Nordgermersleber Fund.

Funde aus der Bronzezeit-Ära

Aufgrund einiger Besonderheiten lassen sich die einzelnen Funde dieser Bronzezeit-Ära zuordnen. Unter anderem zeigt die 32 Zentimeter lange Schwertklinge Rillenverzierungen und im gut erhaltenen Knauf sind Kreisaugen-Verzierungen zu finden, die durch Birkenpech eingefasst wurden. „Solche Waffen haben nur Männer einer Oberschicht getragen“, erklärt Götz Alper.

Nach seiner Aussage gab es zwar auch in der Region Haldensleben Einzelfunde ähnlicher Schwerter, genaue Fundzusammenhänge sind dazu aber nicht überliefert. Der Nordgermersleber Grabfund lasse wiederum wichtige Rückschlüsse auf die Siedlungsgeschichte zu. Bedeutend ist er auch deshalb, weil dazu das bisher in Ostdeutschland am südlichsten gefundene Schwert der Nordischen Bronzezeit gehört. „Auch europaweit gibt es nur wenige südlichere Schwertfunde dieser Kulturgruppe“, so Alper. Er lobt genau wie seine Chefin Dr. Susanne Friederich die Information über den Fund, denn oft gehen durch nicht ordnungsgemäß gemeldete Baustellenfunde und durch illegal von Metallsondengängern ausgegrabene Funde wichtige kulturgeschichtliche Information unwiderbringlich verloren.

Keine Folgen für das Grundstück

„Die Bauunterbrechung dauerte nur eine Woche“, berichtet der Nordgermersleber weiter und weiß inzwischen auch, dass durch den Fund der Badefreuden-Traum nicht platzen muss. Ebenso sind für das Grundstück keine Folgen zu befürchten. Ihren „Krieger aus dem Swimmingpool“ werden er und seine Familie sicher später auch noch einmal im Landesmuseum besuchen.