Wolmirstedt l Die Besucherstühle des Ratssaales waren am Donnerstagabend fast alle besetzt. Das bedeutet, dass Bürgern etwas schwer auf der Seele liegt, diesmal den Schulleitern und Eltern der Gutenberg-Schule. Sie wünschen sich, dass die Kinder in Grundschule und Gemeinschaftsschule endlich ausreichend Platz bekommen. Bis es soweit ist, müssen sie sich weiter in Geduld üben. Die geht ihnen langsam aus.

„Wir brauchen endlich eine Lösung“, fordert Schulelternratsvorsitzende Andrea Schwerdtfeger. Sie bemängelt, dass ein Schultausch bereits vor vier Jahren diskutiert wurde und immer noch kein Ergebnis vorliegt. „Ich bitte Sie, die Sache ernst zu nehmen“, legte sie den Stadträten ans Herz.

Die haben sich zu diesem Thema bisher kaum hörbar geäußert, wollen jedoch von der Verwaltung regelmäßig über den Stand der Dinge informiert werden. Diesen Part übernahm die stellvertretende Bürgermeisterin Marlies Cassuhn und folgte damit vorerst der Bitte der Schulelternratsvorsitzenden. Marlies Cassuhn wollte nichts beschönigen und so gerieten die Nachrichten wenig ermutigend. Es sei nicht einmal klar, ob es überhaupt einen Schultausch geben wird.

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Gäbe es ihn, würden Landkreis und Stadt Schulhäuser tauschen. Nach dem Willen der Schulen würde die Gemeinschaftsschule im Haus der jetzigen Gutenberg-Schule bleiben, unter anderem, weil dort bereits die berufsbildenden Werkstätten eingerichtet sind. Die Grundschule möchte komplett in die ehemalige Harnisch-Schule ziehen. Doch vor die Erfüllung dieses Wunsches ist der Schultausch gestellt. Das Gebäude der ehemaligen Harnisch-Schule gehört dem Landkreis, das Haus der Gutenberg-Schule der Stadt. Die Gemeinschaftsschule ist derzeit also lediglich Mieter im städtischen Schulhaus. Doch Tauschen ist leichter gesagt als getan. Beide Häuser sind unterschiedlich viel wert.

Die städtische Gutenberg-Schule ist hochwertiger als die dringend sanierungsbedürftige Harnisch-Schule des Landkreises. Der Landkreis müsste der Stadt also einen Ausgleich bezahlen und beim Landkreis bewegte sich in diese Richtung lange Zeit nichts. Die Gespräche darüber wurden erst vor wenigen Tagen wieder aufgenommen. Ergebnisse gibt es noch nicht, aber ein Ziel. In die 2019er-Haushalte von Kreis und Stadt könnten Gelder für Schultausch und Schulsanierung bereitgestellt werden. Noch liegt alles im Konjunktiv.

Ein Traum ist hingegen schon ausgeträumt: Die Stadt wird derzeit keine Fördermittel aus dem Stark-III-Programm beantragen. Mit diesen Geldern sollte nach einem ursprünglichen Plan die Harnisch-Schule für die Erst- bis Viertklässler saniert werden. Die Frist für die Fördermittelbeantragung läuft am 4. Mai ab. Bis dahin ist es unmöglich, einen Schultausch zu manifestieren und solange die Harnisch-Schule der Stadt nicht gehört, kann sie dafür kein Geld beantragen. Abgesehen davon, dass es noch gar keine verbindlichen Sanierungspläne gibt.

Vier Jahre sind seit den ersten Gesprächen ins Land gegangen, warum wird erst jetzt ernsthaft am Konzept weitergearbeitet? „Die Stadt hat inzwischen den Demografie-Check bestanden“, erläutert Marlies Cassuhn. Erst damit ist amtlich, dass künftig ausreichend Kinder diese Schule besuchen.

Diese Erklärungen helfen den Lehrern und Schülern kurzfristig wenig. Marlies Cassuhn beharrt jedoch auf sorgfältig durchdachten Lösungen, die auch künftig tragfähig sind. Das erfordert Zeit und die läuft den Schulen davon.

An der Gutenberg-Gemeinschaftsschule können Schüler künftig bis zum Abitur lernen. Im Hinblick auf diese lange erkämpfte Entwicklung konstatierte Gemeinschaftsschulleiter Helmut Thiel: „Auf Verwaltungsebene klappt nichts mehr. Wir erwarten, dass man Schule ernst nimmt. Solche Zustände kann man Kindern nicht zumuten.“