Wolmirstedt l Juliane Finke ist zum Vor-Ort-Termin mit der Volksstimme gekommen. Sie ist mit den beiden französischen Bulldoggen Hugo und Pepe unterwegs und geht mit ihnen im Bereich Wiesengrund und Bauernweg Gassi. Mit dabei hat sie immer gut 30 Plastikbeutel, um eventuelle Hinterlassenschaften zu beseitigen. Die landen dann meist im Abfallkorb, der sich gegenüber einem Spielplatz befindet. Es ist übrigens der einzige im gesamten Gebiet. Am Spielplatz treffen sich der Wiesengrund und der Bauernweg. Von hier sind die Menschen quasi nur noch einen Steinwurf vom Kreisverkehr entfernt, der auch in die Innenstadt abzweigt.

Schon seit mehreren Jahren tauchen ganz in der Nähe des derzeit gesperrten Spielplatzes immer wieder Giftköder auf. Sie finden sich sogar entlang des Bauernwegs. Das weiß die Wolmirstedterin sehr genau, denn sie hat schon eine ganze Menge davon aufgesammelt und entsorgt. Dieses Mal, es war am Montag, hat es ihr aber gereicht, sie hat zusätzlich Meldung beim Ordnungsamt gemacht.

Hinter der Bank entdeckt

„Ich habe die Köder gleich hinter der hier befindlichen Bank entdeckt“, schildert sie. „Es waren gut 15 Stücke Salami, auf denen ein weißliches Pulver zu entdecken war.“ Die beiden neugierigen Bulldoggen hatten ihr Frauchen darauf aufmerksam gemacht und wollten die vermuteten Leckerlies gleich einmal kosten. Das hat die Halterin aber verhindert. „Das ist mir auch schon einmal im Wiesengrund an der Straße passiert“, sagt die Hundeliebhaberin. „Da waren es Bratwurststücke mit einer ähnlichen Substanz.“ Auch diese Köder hat Juliane Finke sofort entfernt.

Persönlich hat sie in gut einem Jahr zwei solcher Fälle entdeckt. „Mein Nachbar hat mit seinem Dackel aber auch schon diese Köder gesehen“, erzählt sie. „Das liegt sogar schon drei Jahre zurück.“ Überhaupt scheint etlichen Anwohnern das Problem bekannt. Einige von ihnen bestätigen auf Volksstimme-Nachfrage, dass sie schon von der Sache mit den Giftködern gehört haben.

Köder rings um Spielplatz

Andere wiederum sind nicht von den Hinterlassenschaften einiger Hundebesitzer und ihrer Lieblinge begeistert. Juliane Finke kennt das auch. „Ich habe immer etliche Beutel dabei und beräume so etwas sofort“, sagt sie. „Allerdings ist der einzige Mülleimer in dem Wohngebiet oft hoffnungslos überfüllt.“

Die Ablagerungsorte der Giftköder finden sich meist um den dortigen Spielplatz herum – und das macht die Sache noch um einiges brisanter. „Der Platz ist zwar gerade gesperrt“, sagt Juliane Werner. „Aber wenn er erst wieder geöffnet ist, dann sind hier Kinder aktiv, die sind neugierig und fassen gern alles an.“

Der Regionalbereichsbeamte Jens Kaulfuß sagt dazu: „Von Giftködern in dem Bereich der Stadt höre ich jetzt zum ersten Mal.“ Allerdings stelle der Fall wohl einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz dar, denn Gift sowie spitze oder scharfe Gegenstände in präparierten Ködern verursachen besondere Qualen bei Tieren. „Da sind wir dann unter Umständen sogar im Straftatbereich.“

Otfried Müller, der Vorsitzende des Wolmirstedter Tierschutzvereins, ist nicht sehr überrascht von der Nachricht. „Vor zwei Jahren hatten wir im Wiesengrund schon einmal eine Katze, die dort mit Schaum vor dem Mund aufgefunden worden war“, sagt er. „Das sind offensichtliche Vergiftungssymptome. Seither hatten wir aber in dem Bereich der Stadt keine weiteren Meldungen.“ Die von der Hundehalterin geschilderten Funde erstaunen ihn allerdings - allein schon wegen ihrer Menge.

Probleme bei Notfällen

„Da muss es jemanden geben, der Hunde oder auch Katzen enorm hasst“, schätzt er ein. „Aber anstatt mit uns darüber zu reden, greift er zu solchen Mitteln.“ Der Tierschutzverein Wolmirstedt sei bestrebt, mit Bürgern und auch der Stadt Lösungen zu finden. „Bei Giftködern hört aber auch jedes Verständnis auf“, formuliert der Vorsitzende. „Das macht unsere Mitstreiter wirklich zornig. So etwas geschieht doch nicht im luftleeren Raum, da muss es doch Leute geben, die so etwas beobachten.“ Das Treiben ziehe sich offensichtlich schon über mehrere Jahre hin. Jeder Tierbesitzer müsse damit rechnen, dass es seinen Liebling erwischen kann.

„Gerade in Notfällen kann dann der Weg quer durch den Landkreis sehr lang werden“, erzählt der Tierschützer. „Das haben wir selber erlebt.“ Neben der weiten Anfahrt sei auch zu berücksichtigen, wie der jeweilige Arzt ausgestattet ist. „Das ist völlig normal, weil sich Mediziner eben auch spezialisieren“, fügt er hinzu. „Daher empfehlen wir bei Vergiftungen als ersten Anlaufpunkt das Tiermedizinische Versorgungszentrum in Magdeburg – ganz einfach wegen der umfangreichen Möglichkeiten.“ Bei dringenden Fällen werde es am Tage ab 17 Uhr sowieso recht schwer, spontan einen Arzt zu erreichen.