Wolmirstedt l Exakte Pegelstände sind wichtig. Schiffer müssen wissen, wie tief die Fahrrinne ist. Nur so können sie einschätzen, ob sie ihre Fahrt fortsetzen oder Gefahr laufen, im Flussbett aufzusetzen. Die Höhe des Wasserstandes ist außerdem erheblich, damit Bootsführer erkennen, wenn zu viel Wasser fließt und ihre Schiffe nicht mehr unter die Brücken passen. Damit Experten zuverlässige Pegelstände überhaupt nennen können, muss das Höhennetz erfasst sein. Derzeit werden alle Höhenmesspunkte entlang der Elbe und des Mittellandkanals überprüft.

Als Bezugspunkte dienen Hektometersteine. Die waren ursprünglich alle hundert Meter entlang von Wasserstraßen aufgestellt. „Immer einen Meter vor den Kilometerangaben entlang der Flüsse“, weiß Ralf Koslosky, der Leiter der Vermessungsabteilung im Magdeburger Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt. Dieses Amt hat die Messungen beauftragt, weil seit 2016 ein neues System im Haupthöhennetz gilt. Daran werden alle Höhenpunkte angepasst.

Neben den Hektometersteinen, die entlang der Elbe inzwischen nur noch etwa alle 500 Meter auftauchen, gibt es auch Pegelfestpunkte, die unter anderem an Brückenwiderlagern angebracht sind.

Höhenfestpunkte können alleine stehen

Die dritte Art der Messbezugspunkte sind Höhenfestpunkte. Die können sogar ein Stück weg von den Flüssen liegen, beispielsweise an Kirchen angebracht sein, wie an der Wolmirstedter Katharinenkirche. Höhenfestpunkte können aber auch ebenso alleine stehen, ragen dabei mindestens 1,50 Meter tief in die Erde hinein, sind in Beton gegründet. Höhenfestpunkte dürfen sich kein bisschen bewegen.

Die Messungen an jedem dieser Punkte ergeben zusammen ein exaktes Höhennetz. „Millimetergenau“, sagt Ralf Koslosky. Die Daten werden zu einem Landeshöhennetz geknüpft, und schließlich an ein deutschlandweites Netz gefügt.

Wichtig beim Schleusenbau

Die Daten dieses Höhennetzes werden unter anderem beim Bau von Schleusen genutzt, aber auch zu Rate gezogen, wenn Buhnen instandgesetzt werden müssen. „Buhnen benötigen eine spezifische Neigung und Höhe, damit das Wasser in der richtigen Geschwindigkeit abfließen kann“, erklärt der Chef-Vermesser.

Ist dieser Abfluss nicht gewährleistet, können sich Sedimente ablagern, Teile des Flusses verlanden. Solche Verlandungen machen dann wiederum der Schifffahrt das Leben schwer.

Ist in Zeiten von GPS-Messungen so ein Höhennetz überhaupt erforderlich? „Ja“, macht Ralf Koslosky unmissverständlich klar, „auch wenn in über 90 bis 95 Prozent der Fälle die GPS-Messdaten ausreichen - sie sind nie so genau, wie die am Boden gemessenen.“

Die gemessenen Höhen dienen einerseits zur Kontrolle der GPS-Daten, außerdem stehen sie bei einem Ausfall des Satellitennetzes noch immer zur Verfügung.

Vier Messtrupps sind unterwegs und nehmen gut 250 Kilometer Elbe und zehn Kilometer Mittellandkanal unter die Lupe. Neben dem Abstecher nach Wolmirstedt werden sie auch Messpunkte in Stendal erfassen. Noch in diesem Jahr sollen die Daten erfasst und im nächsten Jahr ausgewertet sein.