Wolmirstedt l Jens Eckhardt schnürt seine Laufschuhe manchmal schon morgens, wenn die Familie noch schläft und der Dienstbeginn noch auf sich warten lässt. Dann zieht er seine Bahn früh, in seinem Heimatdorf Farsleben, das von Wald umsäumt ist, von Feldern mit Laufwegen. Der 38-Jährige läuft aus Spaß am Ausdauersport und weil immer ein Marathon wartet. Nach dem Feuerwehr-Marathon folgt der Magdeburg-Marathon.

Nächstes Ziel: Magdeburg-Marathon

Der Polizist lebt mit seiner Familie in einem hübschen Häuschen und muss auch als Familienvater keine sportlichen Abstriche machen. „Die Laufveranstaltungen nutzen wir immer für einen gemeinsamen Städte-Trip.“ Seine Frau sowie die Kinder Joana und Jano haben ihn schon in Rotterdam oder Berlin angefeuert, nachdem sie sich im Vorfeld des Marathonlaufs die Metropolen gemeinsam ausgiebig angeschaut haben. Nun also Gelsenkirchen.

Dort gingen etwa 9.000 Läufer an den Start, darunter gut einhundert Feuerwehrleute. Deren Zeiten wurden für die deutsche Feuerwehrmeisterschaft extra gewertet, die wurde zum siebten Mal ausgetragen. Jens Eckhardt wurde Zweiter, lief nach 42,195 Kilometern, drei Stunden und elf Minuten ins Ziel. Seine Familie sei mindestens so stolz gewesen wie er, strahlt die elfjährige Joana.

Bilder

Überraschung für die Kameraden

Seine Kameraden der Farsleber Ortswehr haben im Vorfeld von diesem Marathon nichts gewusst, waren einigermaßen überrascht. „Er hat es nicht so erzählt“, sagt Ortswehrleiter Matthias Fischer. Als sie davon erfahren haben, waren sie jedenfalls sehr stolz, haben ihn gebeten, den Pokal zu zeigen. Das hat Jens Eckhardt gerne getan, damit haben ihn die Kameraden kräftig hochleben lassen. „Hätten wir vorher von diesem Feuerwehr-Marathon gewusst“, sagt Matthias Fischer, „wären sicher viele von uns mit nach Gelsenkirchen gefahren und hätten ihn angefeuert.“

Künftig wird Jens Eckhardt also wohl einen größeren Fanclub an der Marathonstrecke erleben. Schließlich sagt die Farsleber Feuerwehrtruppe über ihn: „Jens, der passt in die Welt.“

Der Welt gibt Jens Eckhardt gerne ab, von seiner Energie, seiner Lebenslust. „Die Feuerwehr ist ein gute Sache, da kann man helfen.“ Er ist einer der Atemschutzgeräteträger und kann somit bei Bedarf nah an den Brandherd heranrücken. Außerdem gefällt es Jens Eckhardt, ein Teil der Gemeinschaft zu sein, die im Dorfleben aktiv ist. „Wir sind beim Adventsmarkt dabei, gestalten jeden Sommer ein Sport- und Familienfest.“

Seit fünf Jahren Feuerwehrmann

Seit fünf Jahren gehört er zu den Kameraden und meint, der Zeitaufwand wäre nicht groß. Einmal in der Woche treffen sie sich zum Dienstabend, außerdem fahren sie Einsätze. Braucht es nicht doch viel Freizeit? „Das passt schon“, lächelt der dynamische Mann.

Obwohl es manche Einsätze in sich haben, große Brände die Feuerwehrleute bis früh um drei Uhr fordern, bis der reguläre Dienstbeginn schon in Sicht ist. Auch Sommerstürme, die Bäume umknicken, lassen die Feuerwehren mitunter sehr oft ausrücken.

Mit dem Rad nach Magdeburg

Jens Eckhardt ficht eine solche Aufzählung nicht an, er zuckt mit den Schultern, lächelt und sagt: „Das geht.“ Einzige Einschränkung: Nach solchen Einsätzen fährt er nicht mit dem Fahrrad zur Arbeit. Das macht er sonst gerne, radelt von Farsleben nach Magdeburg, eine Strecke beträgt 30  Kilometer.

Außerdem hilft er, die kleinen Fußballer der Ohrekicker zu trainieren, zu denen gehört Sohn Jano. „Das macht wirklich Spaß.“ Wenn sich Jens Eckhardt beim Training nicht um die kleinen Kicker kümmert, ist er trotzdem in Janos Nähe, läuft seine Runden auf der Bahn des Küchenhornstadions.

Seit 16 Jahren Marathons

Seit 16 Jahren läuft Jens Eckhardt Marathons, er mag das Gefühl, mit anderen unterwegs zu sein, die lange Strecke zu meistern. Das ist nicht immer leicht, besonders, wenn es heiß ist und der Weg über Berg und Tal führt. Aufgeben kommt trotzdem nicht in Frage, niemals. „Zur Not gehe ich bis zum Ziel.“ Allermeistens läuft er jedoch bis zum Schluss.

Längst ist Töchterchen Joana mit dem Lauf-Virus infiziert. Sie geht ebenfalls an den Start, wagt sich auf die Fünf-Kilometer-Strecke, erzählt der Papa sichtlich stolz. Er wird demnächst in Wolmirstedt starten, beim Kanal-Ultra-Lauf die 30-Kilometer-Strecke zurücklegen. Als Trainingseinheit für einen Marathon.