Groß Ammensleben l Die Groß Ammensleber erwartet am Sonntag, 15. November, bereits zum zweiten Mal ein nicht alltäglicher Volkstrauertag. „Wir werden in der Kirche ein ganz besonderes Programm erleben“, versichert Musikwissenschaftler Dr. Rüdiger Pfeiffer, der auch gleichzeitig Ortsbürgermeister ist. „Der Volkstrauertag ist eigentlich eine weltliche Veranstaltung, daher ist auch jeder Bürger dazu eingeladen.“

Das musikalisch-literarische Event unter Federführung von Michael Löderbusch kann mit einer ganzen Reihe von besonderen Teilnehmern aufwarten. So wird der Historiker Dr. Wilfried Lübeck über das Ende des Zweiten Weltkrieges in Groß Ammensleben referieren. Eine stetige Erinnerung daran haben die Einwohner praktisch jeden Tag vor ihren Augen. Jedenfalls, wenn sie den Giebel des Hauses in der Magdeburger Straße 1 betrachten würden. Dort steckt noch ein Bombensplitter in einem Feldstein. „Der Splitter ist im Februar 1945 dort stecken geblieben“, verrät der Historiker. „Seinerzeit schossen Hitlerjungen mit der Flak von einem im Bahnhof stehenden Zug aus auf alliierte Flugzeuge. Die wackelten mit den Flügeln und warfen ein paar Bomben ab.“ Die wiederum beschädigten Häuser in dem Dorf und der Splitter landete im Stein. Lübecks Vortrag wird sich allerdings mit dem Eintreffen amerikanischer Soldaten in der Niederen Börde beschäftigen. „Anlässlich des 75. Tags der Befreiung“, erklärt er.

Klagegesang für Sopran

Im musikalischen Teil wird ein Klagegesang für Sopran, Violoncello und Klavier zu hören sein. Den Gesang übernimmt die bekannte Musikschullehrerin und Sopranistin Nadine Duwe. Sie tritt dabei nicht zum ersten Mal in Groß Ammensleben auf. „Wir sind schon zusammen aufgetreten“, sagt Rüdiger Pfeiffer. „Ich freue mich schon jetzt auf die Darbietung.“ Unterstützt werden die Musiker nämlich vom kleinen Chor des ökumenischen Chors Groß Ammensleben. Der Chor begeht in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen. Eine entsprechende Veranstaltung gab es allerdings nicht. „Sie ist ausgefallen, wie so viele andere Events bei uns in Groß Ammensleben“, sagt Pfeiffer. „Schuld waren auch hier die Corona-Beschränkungen.“ Für die Chormitglieder sei es eine gute Gelegenheit, sich dem Publikum zu präsentieren.

Den literarischen Teil präsentieren Eva Isensee von der Kulturhistorischen Gesellschaft und Evelyn Kasper vom Förderverein historische Kirche. Da sich der Gedenkstein für die „Opfer von Gewalt und staatlicher Willkür“ genau gegenüber der Klosterkirche befindet, ist der nachfolgende Weg zur traditionellen Kranzniederlegung ein kurzer. Kameraden der freiwilligen Feuerwehr und Mitglieder der DRK-Jugendgruppe werden diesen feierlichen Akt dann vornehmen.

„Die besondere Veranstaltung dürfte etliche Einwohner aus Groß Ammensleben und der Umgebung anlocken“, ist sich Rüdiger Pfeiffer sicher. „Es handelt sich um eine nicht alltägliche Form, den Volkstrauertag zu begehen. Der genaue Beginn wird im Vorfeld noch bekannt gegeben.“