Dahlenwarsleben l Noch steht die große Frage nicht im Vordergrund der Überlegungen der Mitglieder des Dahlenwarsleber Vereins. Heute zählt erst einmal der Gesangsauftritt mit den Kindern zum heiligen Abend. „Im Januar sind bei uns Neuwahlen und dann sprechen wir auch über die Vorhaben in 2020“, sagt Grit Gehrmann, Mitglied und Autorin vieler Stücke, die zur Weihnachtszeit in der Kirche gezeigt wurden. „Vielleicht haben sich aber auch schon einige Gedanken gemacht, wir werden sehen.“

Die Abschiedsvorstellung mit dem Märchen „Wo bleibt der Weihnachtszauber?“ hat die Gäste jedenfalls sehr bewegt. Der Applaus war gewaltig und die Glückwünsche summierten sich. Selbst im Nachgang hat Grit Gehrmann viele Reaktionen bekommen. Aus ihrer Feder stammen übrigens zehn der 14 aufgeführten Stücke – und auch an den anderen hat sie einen großen Anteil. „Die sehr persönliche Karte von einer Oma ist mir sehr zu Herzen gegangen“, berichtet die Autorin. „Außerdem haben schon einige Eltern gefragt, wie es nun weitergehen soll.“

Die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten lobt Grit Gehrmann sehr. Insgesamt haben mit den Mitgliedern des Heimatvereins – über die Jahre gesehen – mehrere hundert Akteure auf der Bühne gestanden. „Etliche Mitwirkende haben klein angefangen und sind jetzt schon erwachsen“, sagt die Dahlenwarsleberin. „Die Aufführungen sind somit ein Teil ihres Lebens geworden.“ Das Hobby-Theater hat also auch noch eine starke soziale Komponente.

Bilder

„Der Hort hat ganz gewiss einen großen Anteil an der Sache“, schätzt die Autorin ein. „Im Jahr 2005 haben die Kinder eine erste Geschichte aufgeführt, ein Jahr später folgte der ,Verliebte Weihnachtsmann‘ nach.“ Erzieher Dirk Schöneck war auch in den Stücken selber mit auf der Bühne aktiv. In diesem Jahr musste er krankheitsbedingt passen.

2009 in die Vollen gegangen

„2009 sind wir dann in die Vollen gegangen“, erinnert sich Grit Gehrmann. „Es hat uns einfach kein Stück gefallen, daher habe ich kurzentschlossen den ,dicken Engel‘ geschrieben.“ Der wurde zur Strafe auf die Erde geschickt und sollte Schneewittchen retten. Kein einfaches Unterfangen, wenn alle Kinder nur mit Handys und Computern beschäftigt sind.

Diese Anspielungen auf Lebensituationen oder aktuelle Geschehnisse gehören übrigens immer zu den Stücken der Autorin. „Der Stoff soll auch ein wenig lehrreich sein, sodass die Zuschauer noch etwas zum Nachdenken mit nach Hause nehmen können“, erzählt sie. „Ich finde den pädagogischen Touch ganz wichtig.“ Seit 2007 standen auch schon Groß und Klein gemeinsam auf der Bühne im Gotteshaus und das Interesse der Dahlenwarsleber wuchs enorm an. Da übernahm Grit Gehrmann auch erstmals Regie. Sie schrieb das Drehbuch für eine wahrhaft teuflische Weihnachtsgeschichte um.

„Wir haben dann schon recht professionelle Strukturen aufgebaut“, sagt die Autorin. „Das war auch notwendig.“ Die Kirche füllte sich zu Weihnachten fast immer bis auf den letzten Platz, sodass es durchaus schon einmal kleine Reibereien um die begehrten Plätze geben konnte.

„Grandios war gewiss das Musical ,Sammy‘, für das ich das Drehbuch geschrieben habe“, berichtet die Dahlenwarsleberin weiter. Die Lieder hat sie auch noch persönlich eingesungen und mit allen Beteiligten geprobt.

„Ja, die Generalproben“, sagt sie und lacht dabei. „Die sind eigentlich sehr oft misslungen und es ist manchmal chaotisch zugegangen. Das war aber immer ein gutes Omen – um so besser lief der Auftritt.“

Professionelle Bühnendekoration

Im Jahr 2014 wurde die Aufführung gar international, denn da machte die australische Austauschschülerin Hannah aus Sidney mit.

In Sachen Bühnendekoration und Vertonung sind die Dahlenwarsleber inzwischen absolut professionell geworden. Die Kulisse wurde immer beizeiten aufgebaut – so auch in diesem Jahr – und nach und nach kamen weitere Details dazu. „Das konnten wir schon bei den Proben sehen“, sagt die Autorin. „Am Tag der Aufführung durften sich die Besucher über den Einfallsreichtum von Cornell Schwalbe und Udo Genz freuen, 2019 kam noch Sophie Klette dazu.“ Für farbenfrohen Kostüme zeichnete Annette Pötke verantwortlich und die Tontechnik hat An- dreas Rose seit 2011 fest in seinen Händen.

Die Auswirkungen gingen auch an der Familie von Grit Gehrmann nicht vorbei. Sohn und Tochter spielten bei den Aufführungen mit, Mann Carsten zeigte großes Verständnis und gab so manche Ratschläge. „Ich habe mich oft schon beizeiten mit möglichen Themen beschäftigt“, erzählt die Dahlenwarsleberin weiter. „In diesem Jahr sollten es unbedingt Elfen sein und ich habe ewig über das Ende nachgegrübelt, bis von meinem Mann der entscheidende Tipp kam.“

Das Entwickeln und Zuteilen der Rollen, die persönlichen Entwicklungen der Hobbyschauspieler, all das hat die Autorin über die Jahre zudem begeistert. „Jetzt ist mit der letzten Vorstellung und den gezeigten Emotionen auch erst einmal der Druck abgefallen“, resümiert Grit Gehrmann. „Ich bin mir aber sicher, dass es irgendwann wieder zu Kribbeln beginnt.“

Das hat auch noch einen weiteren Grund: Die Kirche können die Vereinsmitglieder voraussichtlich nicht weiter nutzen. Allerdings hat der Verein die Bühne von der Gemeinde abgekauft. „Wir haben leider keinen entsprechenden Saal bei uns im Ort“, sagt die Autorin. „Da sind schon gute Ideen gefragt.“