Winderenergie Widerstand gegen noch höhere Windräder in Irxleben
Irxleber melden ihre Bedenken gegen das Repowering vor der eigenen Haustür an
Irxleben. Windräder mit einer Höhe von 250 Meter und das auch noch in Sichtweite vor der eigenen Haustür. Die Pläne eines Betreibers von Windkraftanlagen haben etwa 100 Irxleber auf die Palme gebracht und mobilisiert. Mit einer lautstarken Protestaktion vor dem Rathaus der Gemeinde Hohe Börde machten sie unmittelbar vor der Sitzung des Bauausschusses am Montagabend auf ihre Befürchtungen aufmerksam. Der Bauausschuss sollte laut Tagesordnung in seiner Sitzung den Vorhabenbezogenen Bebauungsplanes „Windenergieanlagen Hohe Börde Mitte" in den Gemarkungen Hermsdorf, Groß Santersleben und Irxleben thematisieren.
Kleinere Anlagen gelten als akzeptiert
Demnach ist für den bestehenden Windpark ein so genanntes Repowering vorgesehen. Das heißt, vorhandene Windräder werden durch leistungsstärkere Anlagen ersetzt. Diese sind 250 Meter hoch. Mit dem Bau von fünf neuen Anlagen sollen zehn alte Windräder zurückgebaut werden, die jedoch „nur“ 83 bis 134,5 Meter messen und in Irxleben derzeit weitestgehend akzeptiert werden.
Der Diskussion im Bauausschuss gingen Beschlussfassungen der Ortschaftsräte der betroffenen Ortschaften Irxleben, Groß Santersleben und Hermsdorf voraus. Während der Hermsdorfer Ortschaftsrat ablehnte, gab es in Groß Santersleben und Irxleben einen positiven Beschluss. Und Irxleben setzte sich daraufhin eine Protestwelle in Gang, denn die Bürger fühlten sich nicht mitgenommen und nicht ordentlich vertreten. Kann die Lebens- und Wohnqualität der Irxleber leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden?
Ruf nach Lebensqualität zählte für Ortsrat wenig
Als betroffener Einwohner hatte Nils Funke die Einwohnerfragestunde genutzt, um seine Bedenken gegenüber dem Bau der 250 Meter hohen Windräder nur knapp einen Kilometer vor der Ortsgrenze zu erklären. Der Einwand, dass beispielsweise durch vermehrten Schlagschatten und den Lärm der Rotorblätter die Lebensqualität der Irxleber Einwohner eingeschränkt wird, wog für die Ortschaftsräte an diesem Abend jedoch zu wenig. Andererseits ist mit der Modernisierung der Anlagen eine finanzielle Beteiligung der Gemeinde in nicht unerheblichem Maße verbunden.
Auf Initiative von Jaqueline Funke formierte sich nach der Entscheidung der Widerstand gegen diese Entscheidung und den Bau der großen Windenergieanlagen. Unterschriften wurden gesammelt, Einwände an die Gemeinde geschickt, Fragen für die Einwohnerfragestunde in der Bauausschusssitzung formuliert und eben auch jene lautstarke Protestaktion vor der Ausschusssitzung inszeniert.
Mit Erfolg, denn die Bauausschussmitglieder sind nicht nur einfach den vorliegenden Meinungen der Ortschaftsräte gefolgt. Nach den vorgetragenen Argumenten sowohl von den Gegnern, als auch den Investoren – wollten die meisten Ausschussmitglieder und auch Gemeindebürgermeisterin Steffi Trittel mehr rund um die baulichen Veränderung in dem Windenergiegebiet wissen und erwarten eine rechtliche Prüfung. Die Beschlussfassung wurde vertagt und die Gründung einer Arbeitsgruppe, möglichst unter Einbeziehung des Fachamtes des Landkreises, angeregt. Diese Arbeitsgruppe soll klären, ob und inwieweit die Lebensqualität der nicht zuletzt bereits durch Verkehrslärm gebeutelten Bürger der Ortschaften Groß Santersleben, Hermsdorf und Irxleben durch Lärm und Schlagschatten im Verhältnis zu den jetzt vorhandenen Windenergieanlagen beeinträchtigt wird. Zudem sollen Lösungen aufgezeigt werden, wie der Schutz der Bürger und die Förderung der Windenergie in Übereinstimmung gebracht werden kann.
Die Meinungen der Ausschussmitglieder gingen nicht nur in eine Richtung. So sagte Albrecht von Bodenhausen: „Wir haben gewusst, was auf uns zukommt, auch von der Höhe her.“ Jürgen Kebernik hielt dagegen und sah in der Lebensqualität der Menschen die oberste Priorität. „Wir müssen deutlich machen, dass uns die Umwelt wichtig ist, aber auch das Umweltbewusstsein anders als in immer höheren Windenergieanlagen umgesetzt werden kann“, erläuterte Dieter Dähnhardt den Hintergrund.
„Historische Entscheidung für die nächsten 20 Jahre“
Burkhard Judenberg unterstrich unterdessen die Komplexität des Themas und erklärte, dass das Vorhandene gut laufe. „Wir sollten sauber aufgeklärt werden und einen gesunden Mix an Kompromissen finden, mit denen alle leben können“, brachte es der Bauausschussvorsitzende Heinz Ehrecke auf den Punkt, während Steffi Trittel in dem Beschluss eine „historische Entscheidung für die nächsten 20 Jahre“ sah.
Die mehrheitliche Entscheidung des Bauausschusses, die Beschlussfassung zu vertagen, hat aber nicht automatisch die Streichung des Punktes auf der Tagesordnung der Gemeinderatssitzung am kommenden Dienstag, 20. April, zur Folge. Für dessen Mitglieder besteht allerdings die Möglichkeit, die Absetzung des Tagesordnungspunktes am Beginn der Sitzung zu beantragen. Der Gemeinderat muss dem dann mehrheitlich zustimmen.