Wolmirstedt l Schon lange liegt das Stadion des Friedens brach. Die Stadt hat diese Sportstätte aufgegeben, investiert lediglich ins Küchenhorn-Stadion oder in einen Neubau. Im Stadion des Friedens weideten zuletzt Schafe, doch auch die wurden inzwischen umgesiedelt. Nun wächst dort nur noch das Gras. Das soll sich ändern.

Noch vor vier Jahren war klar, dass auf diesem Gelände sowohl Eigenheime, als auch eine Art Spielplatz für alle Generationen entstehen soll. Doch seither wird ein Bauboom beobachtet, freie Flächen sind kaum noch zu haben. Ein Grund sind die niedrigen Zinsen.

Baugebiete, wie in Elbeu, die lange im Dornröschenschlaf lagen, sind inzwischen bebaut und werden bald in Richtung Umgehungsstraße erweitert. An der Kegelhalle stehen längst Häuser. Der fünfte und letzte Bauabschnitt des Lindhorster Weges biegt in die Zielgerade, auch dort ist die Nachfrage groß. Glindenberg-West zeigt sich als große Baustelle, stimmt der Stadtrat zu, werden die Häuser dort in der Straße wohnen, die „Kirchblick“ heißt.

Häuser in Baulücken

Selbst in kleineren Baulücken werden Häuser errichtet. In der Schwimmbadstraße gegenüber dem DRK-Stützpunkt, sind erste Neubauten zu sehen, in Elbeu kurz vor dem Bootshaus ist ebenfalls Platz für Häuser geschaffen. Und noch immer ist die Nachfrage ungebrochen.

Deshalb will Wolmirstedt nun auf den Generationenspielplatz verzichten und das Stadion des Friedens komplett aus Bauland ausweisen. Lediglich ein Bolzplatz soll als Puffer zwischen dem Wohngebiet und der Gaststätte „Kicker“ bleiben. Doch nicht alle Stadträte wollen sich mit dieser Idee anfreunden.

Soll Stadion lieber ein Park werden?

„Wir sollten erst einmal eine Übersicht schaffen, wo es noch Splitterflächen für einzelne Häuser gibt“, sagte Bauausschussvorsitzender Dirk Hummelt (CDU). Er würde Bauwilligen erst einmal Lücken anbieten, bevor das gesamte Stadion des Friedens bebaut wird. „Das fehlt uns dann als grüne Enklave, vielleicht wollen wir dort noch einmal einen Park anlegen?“

Diese Idee stieß im Bauausschuss jedoch auf wenig Gegenliebe. „Wir sollten froh sein, wenn sich junge Familien ansiedeln wollen“, konterte Nico Henning (SPD), „ich halte das Baugebiet für sinnvoll.“ Rudolf Giersch (FUWG) sah keine Notwendigkeit, das Stadion des Friedens als Grünanlage oder Park anzulegen. „Einen grünen Faktor haben wir dort bereits nebenan mit dem Friedhof.“

Auf welchen Flächen in Wolmirstedt noch gebaut werden kann, wurde bereits 2017 im Flächennutzungsplan aufgeführt. Dazu zählen das Gelände der ehemaligen Lederfabrik in der Angerstraße sowie das Gebiet des Birkenweges zwischen Bauernweg und Lindhorster Weg. Beide gehören jedoch nicht der Stadt und solange die Eigentümer dieser Flächen nicht aktiv werden, kann sich dort niemand ansiedeln.

Lärmschutzwall könnte für Häuser weichen

Im Flächennutzungsplan sind auch zwei Kleingartenanlagen aufgeführt, in denen künftig Häuser gebaut werden dürfen. In der Kleingartensparte „1947“, ist ein Streifen entlang des Bauernweges sowie eine Fläche nördlich der Feuerwehr als Bauland für etwa 20 Grundstücke ausgewiesen. In der Elbeuer Kleingartensparte entlang der Magdeburger Straße soll straßenbegleitend Platz für 15 Baugrundstücke geschaffen werden. Diese Gartenanlagen sollen allerdings erst perspektivisch umgeplant werden. Es gilt: Kein Kleingärtner wird von seiner Scholle vertrieben.

Außerdem könnte nördlich der Schachtstraße eines Tages Bauland für 10 Häuser entstehen, doch auch das ist noch Zukunftsmusik. Konkreter hingegen wird auf die Bebauung des ehemaligen Krankenhausgeländes hingearbeitet. Dafür wird gerade ein Bebauungsplan entworfen.

Inzwischen ist noch ein weiteres Filetstück ins Blickfeld geraten. Würde der Lärmschutzwall in der Colbitzer Straße abgetragen werden, könnten dort etwa zehn Einfamilienhäuser entstehen. Der Wall stammt noch aus der Zeit, als die B189 an diesem Wohngebiet vorbeiführte. Diese Bundesstraße führt inzwischen als Umgehung an Wolmirstedt vorbei. Doris Bunk, die im Rathaus für Bauangelegenheiten zuständig ist, verriet: „Darüber wollen wir demnächst intensiv sprechen.“

Junge Familien entdecken Wolmirstedt

Eigentlich haben Verwaltung und Stadtrat lange gehofft, dass junge Familien Wolmirstedt als Wohnort entdecken. Alle Schulformen sind vorhanden, es gibt Kitas, Vereine, die Nähe zu Magdeburg und Verkehrsanbindungen für Bahn- und Autofahrer. Im Integrierten Stadtentwicklungskonzept wurde der Stadt dringend empfohlen, die Bindewirkung auf junge Einwohner zu verstärken und Anreize zum Zuzug zu schaffen.

Anreize sind offenbar die günstigeren Grundstückspreise im Verhältnis zu Magdeburg. Doch eine Garantie ist das nicht, denn auch die Nachbargemeinden schlafen nicht. In Barleben beispielsweise wächst deutlich sichtbar in der Nähe des Hotels Sachsen-Anhalt das Wohngebiet Schinderwuhne I, auch in Barlebens Norden Am Lütgenfeld ist die Nachfrage groß. In der Niederen Börde wird das gerade fertiggestellte Wohngebiet östlich der Kanalstraße schon wieder erweitert, auch in Groß Ammensleben wird ein Baugebiet entwickelt.

Sollte sich der Wolmirstedter Stadtrat entscheiden, das Stadion des Friedens zum Baugebiet zu erklären, könnten dort etwa 20 bis 26 Eigenheime, Doppel- oder Reihenhäuser entstehen. Jürgen Bednorz (CDU) wünscht sich vor allem: „Es soll kein langweiliges Wohngebiet werden.“