Wolmirstedt l Das gab es in Wolmirstedt noch nie. Ein Zirkuszelt wird aufgebaut und das gesamte Zirkusteam besteht aus Kindern. Die Mädchen und Jungen der Grundschule „Adolph Diesterweg“ werden im Ersten Ostdeutschen Projektzirkus eine Woche lang für das Programm trainieren. Vier Mal werden sie in der Manege zeigen, welches Talent in ihnen steckt. Zu den Vorstellungen sind Eltern, Großeltern und Freunde eingeladen, doch auch alle anderen Bürger können an der Tageskasse Eintrittskarten kaufen.

Schulleiterin Ines Vogler kennt den Projektzirkus bereits. Die Kinder ihrer „alten“ Schule seien stets mit Feuereifer bei der Sache gewesen, sagt sie. Sie entdecken manchmal ganz neue Talente bei sich selbst, sammeln Erfahrungen, für die es im Alltag oft nur wenig Gelegenheiten gibt. Doch auch die Lehrerinnen und Lehrer können Überraschungen erleben. Ines Vogler hat beobachtet: „Wir lernen unsere Kinder dabei oft von einer ganz anderen Seite kennen.“

Wünsche werden berücksichtigt

Schon jetzt haben sich die Kinder ausgesucht, ob sie jonglieren oder als Clown Späße machen, auf einem Seil tanzen oder mit Zirkustauben eine Nummer einstudieren, sich um die Beleuchtung kümmern oder Feuer spucken möchten. Fast immer konnten die Wünsche der Kinder berücksichtigt werden. Nur bei einem zu großen Zulauf auf eine Zirkusnummer mussten Lehrer nachjustieren.

Nach Ostern geht es los. Dann steht ein großes Zirkuszelt auf dem Platz zwischen der Schule und der Arbeitsagentur. Das wird bereits am Ostermontag aufgebaut. „Über 30 Väter haben sich bereit erklärt zu helfen.“ Ines Vogler strahlt ob des großen Zuspruchs.

"Zirkus-Unterricht" im April

Ab Dienstag, 3. April, heißt es dann „Manege frei“. Der gewöhnliche Schulunterricht macht eine Woche Pause, die Kinder werden in zwei Gruppen eingeteilt. Während eine Gruppe in der Manege trainiert, bleibt die andere in der Schule. Anschließend wird getauscht. Doch auch beim Lesen, Schreiben, Rechnen und Basteln in der Schule dreht sich alles um die die Zirkuswelt.

Den Ersten Ostdeutschen Projektzirkus gibt es bereits seit 13 Jahren, seit drei Jahren kooperiert er mit dem Projektzirkus Probst. Allein im Jahr 2018 schnuppern etwa 25.000 Kinder in 150 Projekten Zirkusluft. Zirkusfachleute arbeiten als Trainer, es gibt Lichteffekte, einen Titelsong, viele bunte Kostüme und Requisiten.

Andre Sperlich ist der Macher des Projektzirkusʼ. Er ist überzeugt, dass jedes Kind seine Rolle finden kann. „Die Sportlichen werden Akrobaten oder arbeiten am Trapez, die Eleganten tanzen auf dem Seil, beim Jonglieren leben sich die motorisch Begabten aus und bei den Clowns trifft man manchmal erstaunlicherweise schüchterne Kinder, die sich in dieser Rolle ausprobieren“, sagt er. Zirkusprofi Andre Sperlich weiß, jeder findet sein Ding und sei es als Requisiteur oder Vorhangsteher.“

Vier öffentliche Aufführungen

In der Diesterweg-Grundschule lernen derzeit 228 Kinder. Sie alle werden die Zirkuswelt ein Stückchen mitgestalten, jeweils in ihrer Gruppe. Jede Gruppe bekommt am Ende ihre eigene Aufführung. Am Donnerstag, 5. April, um 17 Uhr hebt sich der Vorhang für die Gruppe B. Einen Tag später, am Freitag, 6. April, erobert die Gruppe A die Manege. Zwei weitere Vorstellungen werden am Sonnabend, 7. April, um 10 Uhr und um 14 Uhr gezeigt.

Nach der letzten Vorstellung verschwindet das Zirkuszelt aus Wolmirstedt. Auch beim Abbau werden Eltern helfen, jede Hand ist dabei willkommen. Ines Vogler ist sich sicher: „Die Kinder erleben eine tolle Woche.“