Ronney l Das Umweltzentrum Ronney liegt zwar im Flutbereich der dicht vor dem Haus fließenden Elbe. Allerdings liegt das Gebäude-Ensemble auf einem kleinen Hügel. Die kleine Erhebung war in den zurückliegenden Jahrzehnten immer hoch genug, um das Wasser von den Gebäuden fern zu halten. Bis zum Jahr 2013. Bei dem Rekordhochwasser von Saale und Elbe erwischte es diesmal ebenso das Umweltzentrum, blickt Hartmut Kühnel, der Vorsitzende des Vereins, zurück.

„So etwas hatte es zuvor nicht gegeben“, sagte er. Saale und Elbe waren in jenem Jahr randvoll. Nur unweit des Umweltzentrums befindet sich das Saalehorn, der Zusammenfluss von Elbe und Saale. Das Wasser fand diesmal seinen Weg in das Gebäude. Gut eine Woche stand die braune Brühe mehr als knöcheltief in der Einrichtung.

Spenden, organisiert von friesischen Tageszeitungen, sei es zu verdanken gewesen, dass die Sanierung des Umweltzentrums zeitnah nach dem Abschwellen der Flut starten konnte. „Wir hatten schnell rund 60 000 Euro Spenden auf dem Konto“, schilderte er. Ohne die schnelle und unkomplizierte Hilfe wäre das Umweltzentrum womöglich in den Fluten unter gegangen.

Gestern erhielt der Trägerverein der Einrichtung eine weitere Spende. 76 236,24 Euro brachten die Johanniter mit. Damit entsprach die Hilfsorganisation einem Antrag des Trägervereins auf weitere Unterstützung, um zukünftig besser gegen neue Hochwasser geschützt zu sein. Landtagsabgeordneter Holger Hövelmann (SPD), der im Spenden-Beirat der Johanniter sitzt, hatte den Antrag mit unterstützt, sagte Marion Brettschneider vom Regionalverband Dessau der Hilfsorganisation. Das Geld hatten zuvor Bürger der Organisation überwiesen, um die Schäden des Hochwassers zu mildern, erläuterte Markus Bergforth, Projektleiter Hochwasserhilfe bei den Johannitern.

Mit dem stattlichen Betrag will das Umweltzentrum mobile Hochwasserschutzmatten für die Fenster und Türen des Hauses anschaffen, erklärte Hartmut Kühnel. Die aus Leichtmetall gefertigten Elemente werden in die Hausöffnungen bei einem drohenden Hochwasser gesetzt. Ein Dichtungsring, der mit einem Gas aufgepumpt werden kann, soll eine dauerhafte Abdichtung herstellen. Bis zu zwei Wochen soll die Dichtung nach Angaben des Herstellers halten, schilderte er. Außerdem plant das Umweltzentrum die Anschaffung eines großen Notstromaggregates. Die Stromerzeuger soll mit den Öltanks der Heizung gekoppelt werden, kündigte er an. Wochenlang könnten das Gebäude und auch die Nachbarschaft so mit Energie versorgt werden. Der Strom wird vor allem für den Betrieb von Pumpen benötigt, die im Hochwasserfall den Keller trocken halten sollen. Auch hier will das Umweltzentrum in neue Pumpen investieren. Besonders hob er hervor, dass das Umweltzentrum mit der Spende erstmals in einen verbesserten Hochwasserschutz investieren könne. Das sei das Besondere an der Spende.

Bei einem Rundgang anschließend durch das Objekt, konnten sich die Helfer von der Einrichtung überzeugen. Vom Hochwasser 2013 ist heute nichts mehr zu erkennen. Schnell hatte die Einrichtung, die auch für den Landkreis tätig ist, den Schaden beseitigt.

Für Schüler geeignet

Als einzigartige Anlaufstelle in der Umweltbildung ist die Einrichtung allerdings nicht nur im eigenen Landkreis aktiv, sondern zieht auch viele Schulklassen jenseits der Elbe an, erzählten die Vereinsmitglieder. Zu den unterschiedlichsten Themenbereichen in der Umweltbildung gibt es jährlich Angebote in Ronney.

Daneben ist das Haus auch Treffpunkt für die Familien an den Wochenenden. Denn regelmäßig finden Workshops und Kurse statt. Immer wieder ermöglicht die Einrichtung dabei den Bürgern, hinter die Kulissen zu schauen oder Einblicke in bestimmte Teilbereiche der Natur zu bekommen. Er sei froh, dass das Umweltbildungszentrum eine Unterstützung erhalten hat, meldete sich auch Holger Hövelmann zu Wort. Es sei ein guter Ansatz, das Geld auch in die Prävention zu stecken.

Rückblickend müsse er sagen, dass die Einrichtung nach jedem großen Hochwasser etwas besser geworden sei. Daher sei es gut, das Geld in das Umweltbildungszentrum zu geben. Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) begrüßte die Entscheidung ebenfalls und machte sich ein Bild der Angebote bei dem Rundgang durch das Haus.

Auch innerhalb der Stadtgrenzen ist die Einrichtung eine wertvolle Bereicherung der Angebote. Etwas Probleme hatte das Haus in der jüngeren Vergangenheit mit dem benachbarten Salzlandkreis, erklärte Hartmut Kühnel. Dort wollte die Kreisverwaltung Schulklassen bei einem Besuch nicht mehr den vollen Fahrpreis erstatten. Das Problem habe sich aber lösen lassen bei einem Gespräch direkt vor Ort in der Kreisverwaltung in Bernburg, beschrieb er.

Mit der Finanzhilfe könne der Verein mehr zum Schutz für das Zentrum tun. Die Mitglieder hätten nun auch etwas mehr Sicherheit, dass ihre Einrichtung einem neuen Hochwasser weitaus besser standhalten werde. Das sei für die Vereinsmitglieder und Mitarbeiter sehr beruhigend, freute sich der Vereinschef über den Spendenbetrag außerordentlich. Nun könnten die Projekte in der nahen Zukunft umgesetzt werden.