Zerbst l Nach 1568 datiert das für Fürst Wolfgang von Anhalt in der Werkstatt von Lucas Cranach dem Jüngeren entstandene Epitaph. Das eindrucksvolle Gemälde zeigt den Verstorbenen selbst kniend am Ufer der Elbe, während er die Taufe von Jesus Christus beobachtet. Angebracht im Chorbereich von St. Bartholomäi wandern die Sonnenstrahlen bei wolkenlosem Himmel ungehindert über die Leinwand – ein Umstand, der sich nachteilig auf das wertvolle Bild auswirkt.

Technik und Gestaltung

Der Einbau von Industriemilchgläsern wäre eine mögliche – profane – Lösung gewesen, um das Kunstwerk zu schützen. Der Gemeindekirchenrat entschied sich stattdessen, den international renommierten Glasmaler Jochem Poensgen zu beauftragen, ein Gesamtkonzept für die fünf Fenster im Altarraum des Gotteshauses zu erstellen. Die Herausforderung bestand darin, den technischen Aspekt mit dem gestalterischen zu verbinden. „Jede Aufgabe ist anders. Das ist unglaublich spannend“, kommentiert der gebürtige Düsseldorfer den Auftrag für die einstige Hof- und Stiftskirche. Vor gut zwei Monaten präsentierte er dem Kirchenratsmitgliedern seine Ideen.

Probefenster eingebaut

Um eine bessere Vorstellung von den Entwürfen und zugleich ihrer praktischen Wirkung zu erhalten, wurden Probefelder eingebaut und zwar zunächst im östlichsten Südfassadenfenster. Um der Annahme entgegenzutreten, dass St. Bartholomäi nur blau-türkise Fenster erhält, kamen weitere für das südliche Ostfenster hinzu: „Hier dominiert ein gold-gelber Farbton“, erklärt Jochem Poensgen und schaut zu den Blei eingefassten Scheiben hinauf. „Das Glas ist lichtdurchscheinend, aber nicht transparent“, bemerkt der bekannte Künstler. Er erzählt von der Glashütte Lamberts in Waldsassen (Oberpfalz), die als einzige in Deutschland noch mundgeblasenes Echtanktikglas herstellt, wie es im Mittelalter produziert wurde. Die Umsetzung dessen, „was ich mir ausdenke, übernimmt eine Werkstatt, erläutert Jochem Poensgen. In dem Fall handelt es sich um die Glasmalerei Peters aus Paderborn. Diese präsentiert übrigens noch bis Januar in der Winterkirche 16 Weihnachtsfenster verschiedener Künstler.

Doch zurück zu den Probefeldern im Chorraum. „Das Grün will ich später nicht neben Cranach haben“, betrachtet Jochem Poensgen kritisch den farbigen Sonnenstrahl. Für ihn stellt das noch keine ideale Lösung dar. Ist diese gefunden, soll aus den Entwürfen Realität werden. Zwei Förderanträge sind inzwischen gestellt, um die Aufgabe zu bewältigen.