Zerbst l „Wir wollen das digitale Klassenzimmer haben, am liebsten morgen“, brachte es Helgard Kuhrig im Sozial-, Schul-, Kultur- und Sportausschuss Dienstagabend auf den Punkt. Die Leiterin der Zerbster Grundschule An der Stadtmauer sprach damit ihren ebenfalls anwesenden Amtskolleginnen der weiteren kommunalen Grundschulen der Einheitsgemeinde aus dem Herzen. „Wir haben viel Positives durch Hörensagen erfahren“, erklärte Anke Lenke (Grundschule Steutz). „Für uns wäre es eine Erleichterung und für die Kinder eine Motivation“, bemerkte sie hinsichtlich der vielfältigen Möglichkeiten, die eine interaktive Tafel bietet.

„Es wäre wichtig, dass jede Schule modern ausgestattet wird. Die Eltern orientieren sich bei der Anmeldung ihrer Kinder an der Ausstattung der Schulen“, gab Margitta Sens (Grundschule Lindau) zu bedenken. „Wir haben uns schon überlegt, wo die interaktive Tafel hin könnte“, ergänzte sie. Grundschulen würden nicht nur Grundlagen im Schreiben, Rechnen und Lesen sowie soziale Kompetenzen vermitteln, auch die Medienkompetenz spiele heutzutage eine wichtige Rolle, erklärte Heike Bengner (Astrid-Lindgren-Grundschule Zerbst). Einige Lehrer seien bereits 2012 zu Schulungen gewesen, berichtete Helgard Kuhrig. Auch Anke Lenke erzählte von schon erfolgten Fortbildungen.

Förderung notwendig

Elke Meyer vom Landesschulamt warb ebenfalls eindringlich für die Ausstattung mit digitalen Klassenzimmern. Es gehe darum, die Kinder frühzeitig an diese modernen Medien heranzuführen. „Ich mag mir diese nicht mehr wegdenken“, erklärte die schulfachliche Referentin.

Dass die sechs kommunalen Grundschulen der Einheitsgemeinde Zerbst digital aufgerüstet werden, steht seit Ende Januar fest. Da beschloss der Stadtrat nach vorangegangener Diskussion, 309 000 Euro in den Investitionsplan 2016 bis 2019 für die Ausstattung der Schulen mit interaktiven Whiteboards und Laptops beziehungsweise Tablets für die Schüler einzustellen. „Inzwischen sind wir beim ,Wie‘“, ergriff Bürgermeister Andreas Dittmann das Wort. „Für uns stellt sich die Frage nach der technischen Ausrüstung, um in die detaillierte Planung zu gehen“, erläuterte Nico Ruhmer. Die Kosten für ein interaktives Klassenzimmer inklusive der Schaffung der notwendigen technischen Voraussetzungen hatte der Amtsleiter für Zentrale Dienste auf 50 000 bis 60 000 Euro beziffert, wobei es sich um eine grobe Schätzung handele. Über das Stark-III-Programm wäre eine Förderung möglich gewesen, die Richtlinie inzwischen allerdings ausgelaufen. Wie er weiter ausführte, soll es eine erneute Förderung durch das Land geben – die genauen Konditionen sind bislang jedoch unklar.

Modernste Ausführung

Fakt ist, „wir brauchen die Förderung vom Land“, so Dittmann. Vor dem Hintergrund rechnete es frühestens 2017, aber wohl eher 2018 mit der digitalen Erschließung der Schulen. Gewählt werden sollte seiner Ansicht nach das aktuell modernste Medium. Wie das aussehen könnte, stellte IT-Techniker Uwe Schreiber im Ausschuss vor. Und das wäre eine interaktive Tafel mit LED-Display und Touchscreen, einer Tafel, bei der durch Berührung Inhalte beispielsweise hin- und hergeschoben werden können.

„Grundsätzlich sollte man sich auf ein System verständigen“, so Dittmann hinsichtlich der Wartung der Hardware, aber auch des kollegialen Austauschs untereinander. Zudem würde vielleicht ein finanzieller Vorteil herausspringen, wenn man bei einer Firma gleich für sechs Schulen Aufträge auslöst, merkte Nicole Ifferth (UWZ) an.

„Es kostet alles Geld, aber das ist gut investiert“, meinte Mario Rudolf (FFZ). „Wir haben die moralische Verantwortung, hier mehr zu tun“, meinte Helmut Seidler (FFZ). Und dabei sollte man auch den Kontakt zum Ministerium nicht scheuen, verwies er auf die Zeitschiene, um das Vorhaben anzukurbeln. Einigkeit herrschte, dass die Lehrer bei der Entscheidung über die Ausführung des digitalen Klassenzimmers einbezogen werden. Auch mit dem Kompetenzlabor „Klassenzimmer der Zukunft“ der Uni Magdeburg soll Kontakt aufgenommen werden, um spezifische Lösungen für die Schulen zu finden.