Zoff um Viertelmeile-Rennen

300 Personen: Trotz Corona-Notbremse treffen sich Motorsportler auf Zerbster Flugplatz

Bußgeldverfahren sollen nun eingeleitet werden. Die Veranstaltung am 1. und 2. Mai war nach Angaben der Behörden gar nicht angemeldet gewesen.

Von Thomas Kirchner
Insgesamt etwa 300 Personen haben sich am 1. und 2. Mai zum Viertelmeile-Rennen auf dem Zerbster Flugplatz getroffen
Insgesamt etwa 300 Personen haben sich am 1. und 2. Mai zum Viertelmeile-Rennen auf dem Zerbster Flugplatz getroffen Foto: Thomas Kirchner

Zerbst. Am 1. und 2. Mai hat es bei vielen Zerbstern einen Sturm der Entrüstung gegeben – unter anderem auch bei Gewerbetreibenden. Es geht um das Viertelmeile-Rennen, das am vergangenen Wochenende auf dem Zerbster Flugplatz stattgefunden hat – zwar offiziell ohne Zuschauer, dennoch viele Leute, kaum Abstand, die Maskenpflicht nicht konsequent umgesetzt.

Zerbster verärgert über das Ignorieren der Kontaktbeschränkungen

"Die Zerbster Gastronomen, die alle tolle und gemütliche Biergärten oder Terrassen haben, dürfen keine Tische vor die Tür stellen, wo die Familien ein Eis im Freien essen oder einen Kaffee trinken dürfen. In Geschäften und beim Friseurbesuch ist man verpflichtet, einen negativen Test vorzulegen, nicht älter als 24 Stunden. Oder viele Läden sind ganz geschlossen“, sagt Gastronom Tom Hebäcker. Die Menschen dürften mit ihren Wohnmobilen keinen Individual-Urlaub machen, aber dort stehen zig Wohnmobile dicht an dicht, dort werden alle Regeln außer Kraft gesetzt?", lässt Hebäcker seinem Ärger freien Lauf.

Und Hebäcker ist nicht allein mit seinem Ärger. Marco und Jana Handrich sowie Daniel und Silke Hoffmann pflichten dem Gastronomen bei. „Alle müssen zurückstecken und zum Teil drastische Einschnitte hinnehmen. Da geht solch ein Event gar nicht“, sind sich alle einig.

Ordnungsbehörden und Gesundheitsamt hatten keine Informationen

„Das verstehe einer – im Privaten darf man sich nicht treffen, ab 22 Uhr gilt eine Ausgangssperre, aber auf dem Flugplatz gelten keine Kontaktbeschränkungen? Geschlossene Geschäfte, kein Vereinssport, aber auf dem Flugplatz Zerbst war an zwei Wochenenden in Folge Rambazamba. Wie ist das möglich?“, fragt sich eine Anruferin aus Straguth, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Und sie sei bei Weitem nicht die einzige im Dorf, die diese Frage gerne beantwortet hätte, denn der Ärger am vergangenen Wochenende sei groß gewesen, nicht nur in Straguth.

Diese Frage ist ziemlich leicht zu beantworten – niemand wusste davon. Dem Ordnungsamt der Stadt Zerbst lagen weder Informationen und Anträge für das Viertelmeile-Rennen vor, noch habe es dieses genehmigt, heißt es aus der Stadtverwaltung. Auch dem Landkreis lagen keine Anzeige und kein Hygienekonzept zum Viertelmeile-Rennen vor, wie Landkreissprecherin Marina Jank auf Nachfrage sagte. „Es sollte lediglich ein Trainingsbetrieb im Rahmen des Infektionsschutzgesetzes stattfinden. Das wahre Ausmaß der als Training deklarierten Veranstaltung wurde erst nach dem Wochenende bekannt“, erklärte Jank.

Verein rechtfertigt Treffen mit Individualsport

Solch ein Verhalten in diesen Zeiten sei vollkommen inakzeptabel. „Der Sachverhalt muss in jedem Fall bewertet werden. Eine Anhörung wird der erste Schritt eines Bußgeldverfahrens sein“, betonte die Landkreissprecherin. Die Veranstaltung wurde also schlicht und einfach nicht angemeldet.

„Müssen wir auch nicht, da es sich um Individualsport handelt und der ist erlaubt“, sagt Harry Herzau, erster Vorsitzender des veranstaltenden AMC. Nach eigenen Angaben des Vereins seien etwa 120 Fahrer am Wochenende auf dem Flugplatz gewesen, zuzüglich jeweils einer vom AMC erlaubten Begleitperson, Sanitätern und Helfern – insgesamt etwa 300 Personen. Der eingetragene Verein habe eine Permanentgenehmigung für 20 Renntage auf der Landebahn des Zerbster Flugplatzes. „Und da es sich, wie gesagt, um Individualsport handelt, brauchen wir niemanden zu fragen und auch keine Genehmigung. Wir bewegen uns im Rahmen des Gesetzes“, argumentiert der Vereinsvorsitzende. 

Bürgermeister Andreas Dittmann droht mit juristischen Konsequenzen

Das sieht Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) ganz anders und reagierte entsetzt auf die Geschehnisse am vergangenen Wochenende auf dem Flugplatz. Er findet deutliche Worte: „Die Veranstaltung wurde in der Form nicht bei der Stadt Zerbst/Anhalt angemeldet. Angesichts der Bilder bin ich einigermaßen sprachlos. In einem Telefonat mit dem Veranstalter habe ich auf die Unmöglichkeit des Treibens auf dem Gelände hingewiesen“, sagte Dittmann. Dass sich der Veranstalter auf die Regelung zum Individualsport beziehe, sei in seinen Augen purer Hohn.

„Hier werden nicht nur die Regelungen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie missachtet, sondern Leben und Gesundheit aufs Spiel gesetzt. Wir befinden uns hierzu in Abstimmung mit dem Landkreis und der Polizei“, so Dittmann. Sollte es zu keinem Einsehen von Vermieter und Veranstalter kommen, werde das Ganze ein erhebliches juristisches Nachspiel haben. „Ich bin nicht gewillt, das in dieser Form zu akzeptieren, wenn wir gleichzeitig darauf achten sollen, dass sich nicht mehr als zwei Haushalte treffen dürfen – ganz zu schweigen von der geltenden Ausgangssperre“, erklärte der Rathauschef.

Der Sprecher des Innenministeriums in Magdeburg, auch zuständig für den Sport, wollte sich zu dem Vorfall nicht äußern und verwies an den Landkreis, ebenso wie die Sprecherinnen im Magdeburger Gesundheitsministerium und der Polizei in Dessau.

Viele der Teilnehmer und Helfer sind zur Veranstaltung  in Wohnmobilen oder mit Wohnwagen angereist.
Viele der Teilnehmer und Helfer sind zur Veranstaltung in Wohnmobilen oder mit Wohnwagen angereist.
Foto: Thomas Kirchner