Zerbst l Niemand meldet sich, als gefragt wird, wer dafür ist. Dafür gehen alle Arme bei der Dagegen-Frage hoch. Der Bauauschuss hat während seiner Sitzung einstimmig das Bauvorhaben eines Solarparks auf dem ehemaligen Gelände der Panzerkaserne an der Mozartstraße abgelehnt.

Vor allem betroffene Anwohner waren zu der öffentlichen Sitzung gekommen, um diesen Moment zu sehen. Allen voran Ramona Schondorf, die nicht einmal 100 Meter vom geplanten Park entfernt wohnt. „Als wir die einstimmige Entscheidung dagegen sahen, waren wir erleichtert und voller Freude“, sagt sie nach der Sitzung. Diese Entscheidung habe gezeigt, dass der Ausschuss hier die Bürgereinwände wahr- und ernst genommen hat.

„Wir waren dagegen, weil es sinnvoll war“, fasst Bauausschussvorsitzender Sebastian Siebert (SPD) zusammen und nennt mehrere Punkte, die den Ausschuss einstimmig zu dem Ergebnis führten.

Planobjekt nicht durchsichtig

Das Planobjekt sei trotz großer Vorstellung seitens des Planers nicht ganz durchsichtig gewesen. Immer noch waren Fragen bei den Ausschussmitgliedern offen, die auch in der Sitzung nicht abschließend geklärt werden konnten. Beispielsweise wie der mit der Anlage erzeugte Strom eigentlich in das Stromnetz gelangen soll. „Eine so große Trasse zu bauen, die dafür nötig wäre, erscheint uns nicht wirtschaftlich, der Planer wusste auch nichts näheres, wie der Investor zu dem Thema stehen würde“, so Siebert. Apropos Investor: Auch hier konnte nicht festgestellt werden, wo etwa dieser sich ansiedeln würde – denn ein Sitz in Zerbst wäre die Voraussetzung, damit Zerbst überhaupt einen steuerlichen Vorteil aus dem Bau der Anlage ziehen könnte.

„Außerdem haben wir auch einen Bürgerauftrag. Wir sollen ihre Interesse vertreten. Und es gab im Verfahren einige Eingaben von Bürgern und auch bei den Ausschuss und Stadtratssitzungen zuvor war sehr viel Bürgerbeteiligung“, sagt Siebert. Allein, dass schon zu einem Zeitpunkt 600 Unterschriften gegen das Vorhaben gesammelt wurden, zu dem es noch gar nicht möglich war, diese wirksam einzureichen, sei bemerkenswert gewesen. Das Bauverfahren wurde aus diesem Grund überhaupt erst eröffnet, damit sich Bürger offiziell einbringen konnten, und weil baurechtlich gesehen auch alles in Ordnung war.

Aber baurechtlich Okay reicht eben nicht aus. Auch Wilfried Bustro (CDU), Bauauschuss-mitglied, stimmte dagegen.

„Das Gelände ist ein schönes Biotop geworden. Ich sehe keinen Vorteil, wenn man das zerstören würde.“

Auch das Blendgutachten irritierte ihn. „Hier hätte an bestimmten nahen Wohnbebauungen drei Meter hohe Blendwende gebaut werden sollen“, sagt er. „Das halte ich definitiv für völlig überzogen.“

Kein Nutzen für die Stadt ersichtlich

Auch Ausschussmitglied Ralf Müller (CDU) war eindeutig dagegen. „Bei so einer großen Investition und so einem großen Eingriff in das Stadtbild, kommt für Zerbst hinten wenig bei raus“, sagt er. „Es wird kein Arbeitsplatz geschaffen, die Mozartstraße, die in bedauerlichem Zustand ist, wird in dem Zuge nicht hergestellt, es wäre ein großer Einschnitt ins Stadtbild und das Gelände gehört dem Bund, Zerbst würde also noch nicht einmal dabei Geld gewinnen, das es in etwas anderes investieren könnte“, zählt er auf und konstatiert: „Der Nutzen für die Stadt ist einfach nicht da.“

Endgültig ist die Entscheidung noch nicht. Erst muss noch der Stadtrat darüber befinden. Doch Bürgermeister Andreas Dittmann, der selbst sagt, dass er die Entscheidung des Ausschusses voll mit trägt, ist sich sicher, dass ein einstimmiges Ergebnis wegweisend für den Stadtrat sein wird.