Zerbst l Es gab eine Zeit, in der gehörte Aberglaube selbstverständlich zum Alltag. Und als eine Frau einem Mann einst erzählte, er könne unsichtbar werden, da sprach für den Mann nichts dafür, dies nicht zu glauben. Ganz im Gegenteil. War er doch höchst interessiert, wie er das erreichen könne. Und die Frau verriet es ihm: „Du musst nur dein Gemächt in das Weihwasser halten.“ Nicht schwer also, dachte wohl der Mann. „Und wenn ich unsichtbar werde, wird mir auch niemand was können.“ So begab es sich, dass der Mann wohl in St. Nicolai versuchte, auf ihm beschriebene Weise unsichtbar zu werden. Die Tat an sich gelang, doch der Effekt blieb aus. Seinen Frevel musste er dann mit dem Tode bezahlen.

Das ist keine Erzählung und auch keine Sage, es steht schwarz auf weiß im Fembuch der Stadt Zerbst. Ein Buch, in dem die Urteile des städtischen Femgerichtes, das erstmalig 1381 erwähnt wird, notiert sind. Das Gericht befasste sich mit todeswürdigen Vergehen wie Mord, Raub, Kirchenraub, Notzucht und anderen Delikten. Besagtes Buch ist derzeit im Museum Zerbst ausgestellt. Die Ausstellung „Frieden und Recht“ ist gestern, am internationalen Museumstag, eröffnet worden. Mit einer übersichtlichen Anzahl an Besuchern, doch dafür sehr interessierten. „Klasse satt Masse“, wie es Bürgermeister Andreas Dittmann nannte.

Die kleine Gruppe nutzte Museumsleiterin Agnes-Almuth Griesbach aber als Chance und statt im Kreuzgang thematisch eine Eröffnungsrede zu halten, ging es direkt in die Ausstellung.

„Frieden und Recht – ein Thema, das sozusagen punktgenau platziert ist in diesen Tagen“, sagte Bürgermeister Andreas Dittmann weiter. Und Zerbst ist da mittendrin – zumindest geschichtlich, wie die Ausstellung zeigt.

Das Thema ist so vielseitig, dass natürlich „Aufhänger“, geschichtliche Auszüge, gesucht werden mussten. Jubiläen oder Jährungen sind da natürlich sehr willkommen. Was das angeht, kann das Jahr 2018 ganz groß aufwarten, beispielsweise stehen da 100 Jahre Kriegsende, 100 Jahre Frauenwahlrecht und 80 Jahre Pogrom, 455 Jahre Heidelberger Katechismus (in Zerbst und Anhalt seit 1606) oder 370 Jahre Frieden von Münster und Osnabrück.

Exponat

Ein Exponat, das leider nur als Faksimile aushängt, ist das Tagebuch des Söldners Peter Hagendorf. Er, Soldat im 30-jährigen Krieg, schrieb Tagebuch. Seine Familie immer mit dabei, das war damals üblich. Während der Mann auf dem Schlachtfeld kämpfte, rückte die Familie danach aus, um zu plündern, um Verletzte zu versorgen, um Nahrung und Kleidung zu finden. Das Besondere: Diese Familie, deren Leben während des 30-jährigen Krieges durch das Tagebuch dokumentiert ist, hat Wurzeln in Zerbst.

Wer jetzt denkt, dass es dröge wäre, Geschichten von Frieden, Krieg und Recht zu erkunden, der soll sich irren. Ja, es ist eine Ausstellung in Zerbst, in der man viel lesen kann, doch ein Rundgang mit Agnes-Almuth Griesbach bringt neben den Texten und Ausstellungsstücken eben noch allerhand Geschichten zum Vorschein.

Und nicht nur Inhalt kann da erzählt werden, auch manche Story, wie Exponate ins Museums fanden, wie die Schleife der anhaltischen Bauschule Zerbst oder was konkret das nun mit Zerbst zu tun hat.

Auch optisch holt die Ausstellung die Besucher ab. So prangt gleich zu Beginn eine überdimensionale historische Postkarte des ehemaligen Rathauses an der Wand. Ein Bild, das man einmal gesehen haben kann und auch mal länger auf sich wirken lassen sollte.