Zerbst/Schönebeck l Die Wiederinbetriebnahme der Bahnstrecke zwischen Schönebeck, Barby über Güterglück und weiter nach Zerbst hat die erste Hürde genommen. „Der finale Gutachterentwurf des Zielfahrplans Deutschlandtakt 2030 wurde am 30. Juni veröffentlicht. Aufgrund des vom Land Sachsen-Anhalt gemeldeten Angebotskonzepts ist im Zielfahrplan Deutschlandtakt auch die von Ihnen angesprochene Reaktivierung des Streckenabschnitts „Abzw. Tornitz Seehof – Güterglück“ aufgenommen worden“, so ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums auf eine aktuelle Anfrage.

Die Strecke diene insbesondere dem Schienenpersonennahverkehr (SPNV) und soll nach Vorstellung des Landes elektrisch befahren werden. „Die Zuständigkeit für Planung, Organisation und Finanzierung des SPNV liegt bei den Ländern. Daher kann der Bund keine Aussagen zu einem etwaigen Planungs- beziehungsweise Baubeginn machen“, erläutert der Ministeriumssprecher.

Beschleunigte Züge fahren vielleicht

Der Abschnitt zwischen Barby und Güterglück, einem Teil der ehemaligen sogenannten Kanonenbahn, wurde erst Ende 2004 stillgelegt. Vor wenigen Jahren wurden sogar die Gleise zurückgebaut. Bis 2030 könnten hier nun wieder im beschleunigten Regionalverkehr Züge rollen – im Stundentakt von (Uelzen-Salzwedel-Stendal-)Magdeburg über Schönebeck-Barby-Zerbst und Dessau nach Leipzig.

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Die Strecke Güterglück-Barby (-Schönebeck) ist im aktuell veröffentlichten Gutachtervorschlag zum Deutschlantakt – endgültiger Zielfahrplan – enthalten. Sie wurde auch seitens der DB Netz AG in einer Überprüfung, einem abgeschlossenes Vorauswahlverfahren mit deutschlandweit etwa 80 bis 100 als näher zu betrachtende Strecke identifiziert“, schreibt Wolfgang Ball, Sprecher des Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH (Nasa).

Keine konkreten Planungsschritte

Die volkswirtschaftliche Bewertung, ob eine Reaktivierung sinnvoll ist, sei erfahrungsgemäß ein mehrjähriger Prozess. Bisher sei nur die Vorauswahl getroffen worden. „Bislang sind keine konkreten Planungsschritte eingeleitet. Sofern im Ergebnis letztlich eine Empfehlung zur Reaktivierung steht und die Finanzierung abgesichert ist, wird sich ein mehrjähriger Zeitraum für Bauplanung, Planfeststellung und Bauausführung anschließen. Insofern wäre eine eventuelle Umsetzung nach derzeitiger Einschätzung voraussichtlich erst nach 2030 zu erwarten“, erklärt Ball.

Das sehen der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und die Allianz pro Schiene offenbar anders. Laut der neuen VDV-Reak- tivierungsliste für Bahnstrecken hält der Verband den Aufwand zur Reaktivierung der Strecke für gering, die Priorität aber für hoch. Mit der Wiederinbetriebnahme würden bestehende Verkehrswege in Ballungsräumen und Ballungsrandzonen durch Verlagerung von Verkehr auf die Schiene entlastet.

Umleitungsstrecke bei Havarie

Außerdem könne die Trasse eine Umleitungsstrecke für wichtige Güterverkehrskorridore bei Havarie und Baustellen sein, argumentiert der Verband in seiner aktuellen Streckenreaktivierungsliste.

Laut der neuen VDV-Reaktivierungsliste schlagen die beiden Verbände 238 Strecken in ganz Deutschland mit insgesamt 4016 Kilometern Länge zur Wiederinbetriebnahme vor, darunter eben auch die Strecke Schönebeck-Barby-Güterglück ab dem Abzweig Seehof bis Güterglück.

291 Städte und Gemeinden am Netz

„Damit könnten insgesamt 291 Städte und Gemeinden mit mehr als 3 Millionen Menschen wieder ans deutsche Schienennetz angebunden werden und die Attraktivität des klimafreundlichen Verkehrsträgers Bahn somit weiter steigern“, so Jörgen Boße, Vorsitzender des VDV-Ausschusses für Eisenbahninfrastruktur auf der Internetseite des VDV.

Ein weiterer Grund für Neubau und Reaktivierung dieser Teils neuen und Teils alten Strecke, ist die noch vorhandene und ungenutzte Elbbrücke in Barby, denn die Bahnquerungen über die Elbe in Magdeburg sind hoffnungslos überlastet. Sie werden im kommenden Jahr umfangreich saniert.

Bereits Anfang 2019 haben sich Lokalpolitiker, unter anderem Schönebecks Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU), Thomas Michling, stellvertretender Landrat des Salzlandkreises, Zerbsts Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD), Dessaus Stadtsprecher Carsten Sauer oder auch Barbys stellvertretende Bürgermeisterin Karin Knopf weitestgehend positiv zu einer eventuellen Reaktivierung der Bahnlinie geäußert.