Zerbst l In Dänemark sind die quirligen Junglachse herangewachsen, die in die Lindauer, Grimmer und Boner Nuthe entlassen werden. An ausgewählten Stellen werden die sechs bis zehn Zentimeter großen Fische teils vom Boot aus in die einzelnen Flussläufe ausgesetzt.

Ein halbes Jahr alt

„Sie sind ein gutes halbes Jahr alt“, erklärt Steffen Zahn. Von Beginn an ist er für das Projekt zur Wiederansiedlung von Wanderfischen zuständig, bei dem das Institut für Binnenfischerei Potsdam-Sacrow als federführende Einrichtung mit dem Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt und dem Landesanglerverband von Sachsen-Anhalt kooperiert.

Tatkräftige Unterstützung gibt es stets von den Zerbster Angelfreunden, die auch dieses Mal wieder in hohe Wathosen gekleidet mit beim Aussetzen der jungen Lachse helfen.

Flossenschnitt als Marker

Es handelt sich um die neunte Aktion seit 2009, alle Anwesenden sind längst miteinander eingespielt. Zügig werden die mit dem Laster gereisten silbrig glänzenden Fische auf die einzelnen Transportboxen verteilt, mit denen die einzelnen Teams kurz darauf in die verschiedenen Himmelsrichtungen ausrücken.

An der Ankuhnschen Mühle entlassen Nicolas Budt und Robert Wolf vom Potsdamer Institut unter den Augen einer Fernsehkamera mehrere hundert Lachse in ihre neue Kinderstube. Die Tiere sind mit einem Flossenschnitt markiert. Im kühlen Wasser der Nuthe wachsen sie nun heran, bis im Mai die ersten Tiere abwandern werden.

Bis nach Island

Über die Elbe gelangen die Fische in die Nordsee, um weiter Richtung Atlantik zu schwimmen. „Manche ziehen bis nach Island oder Grönland“, weiß Steffen Zahn. Zum Laichen kehren die Lachse schließlich nach ihrem Aufenthalt auf hoher See in ihr Ursprungsgewässer zurück. In diesem Fall die Nuthe.

„2011 hatten wir die ersten Rückkehrer“, erzählt Steffen Zahn. Allerdings ist die Quote bislang noch zu gering, weshalb die Besatz-Aktionen vorerst weitergehen werden. Wie lange, das kann der Institutsmitarbeiter nicht abschätzen. „Wir brauchen eine Rückkehrerquote von etwa drei Prozent, damit sich der Bestand eigenständig erhält. Momentan liegen wir bei knapp einem Prozent“, erläutert Steffen Zahn.

Zufrieden mit Projekt

Dennoch sind er und seine Mitstreiter zufrieden mit dem bisherigen Erfolg des Projektes. So erfolgte am Vortag des Besatzes ein Probefischen, um herauszufinden, welcher Fischbestand aktuell in der Nuthe vorhanden ist. Bei der Aktion wurden gut 300 junge Lachse zwischen sieben und 18 Zentimetern Länge eingefangen.

Erste Laichnester

„Die meisten Kies- und Laichplätze fanden sich unterhalb von Zerbst im Bereich der Wiesenmühle“, berichtet Ingo Borkmann vom Institut für Binnenfischerei. 80 bis 90 Prozent der Fische seien unmarkiert gewesen. „Das ist ein hoher Anteil. Das ist wunderbar. Das zeigt, dass die Reproduktion klappt“, freut er sich.

„Diese Lachse werden richtig auf die Nuthe geprägt, da sie direkt hier geschlüpft sind“, bemerkt Steffen Zahn. Darüber hinaus konnten die ersten beiden Laichgruben im Stadtgebiet von Zerbst nachgewiesen werden.