Geburtstag

Bewegtes Leben führt zum Glauben

100 Gratulanten fanden sich in der Zerbster Bartholomäikirche ein, um Heinz Lischke zum 90. zu gratulieren.

Von Daniela Apel

Zerbst l Glücklich und gerührt nimmt Heinz Lischke die vielen Glückwünsche entgegen. Die Schar der Gratulanten reißt nicht ab, die sich an der Bartholomäikirche einfinden. Viele Wegbegleiter, Freunde und Familie haben sich eingefunden, um mit dem rüstigen Jubilar seinen 90. Geburtstag zu begehen.

Jeder einzelne hat seine eigene Beziehung zu Heinz Lischke. So wie Kreisoberpfarrer Jürgen Tobies, der ihn 1999 kennenlernte und gestern die Andacht vor der Geburtstagsgemeinde hält. Er würdigt das „segensreiche Wirken“ des gebürtigen Breslauers, der als Vikar in Zerbst seine zukünftige Heimat fand. 1955 bekam er die Pfarrstelle in Niederlepte übertragen, bevor er ab 1987 Pfarrer in Wertlau war. 1992 wurde er zwar in den Ruhestand verabschiedet, fand als Mitbegründer der Gemeinschaft der Evangelischen Schlesier in Anhalt jedoch sofort eine neue Aufgabe, um die er sich bis 2012 als Vorsitzender kümmerte und die nun ihr 25-jähriges Bestehen begeht.

„Sie haben Spuren in der Stadt hinterlassen“, formuliert es der Zerbster Bürgermeister Andreas Dittmann. „Ich habe es gern gemacht“, entgegnet Heinz Lischke. Ihn selbst erfüllt anlässlich seines Ehrentages eine besondere Dankbarkeit gegenüber allen, die sein Leben prägten und ihn ein stückweit begleiteten – gegenüber seiner Frau, seiner beiden Kindern und auch seiner Großmutter in Breslau, die ihm, als er vier Jahre alt war, das Vaterunser lehrte.

Zerbrochen sei sein Kirchenglaube während der zwölfjährigen Herrschaft der Nationalsozialisten. Als überzeugter Hitlerjunge meldete er sich mit 17 als Kriegsfreiwilliger, geriet nahe der oberösterreichischen Stadt Gallneukirchen in russische Gefangenschaft und fand seinen Glauben wieder.

Heinz Lischke dankt den „lieben Kameraden“, die dafür sorgten, dass er damals nicht „verreckte“. „Sonst stände ich heute nicht hier“, denkt der Jubilar an die schweren Jahre zurück, die ihm „zum Segen geworden sind“. Unter dem Pseudonym Henryk Silesius hat er über jene Zeit ein Buch geschrieben.

Der ehemalige Bürgermeister von Gallneukirchen, Prof. Walter Bölck, gehört ebenfalls zu den Gratulanten. Er erzählt, dass die Straße, auf der Heinz Lischke als junger Soldat in die Kriegsgefangenschaft marschierte, 2009 nach ihm benannt wurde – als Würdigung seiner Verdienste in der Friedensarbeit.

Als „beglückendes Erlebnis“ bezeichnet es Heinz Lischke, Vertreter seiner Heimatstadt Breslau in Zerbst begrüßen zu können. „Ich hab‘ ein Stück Zuhause mit Dir“, wendet er sich an Pater Marian Bernard Arndt vom Franziskanerorden. Jener übermittelt ihm den herzlichen Gruß der deutschen katholischen wie evangelischen Gemeinde aus dem heutigen polnischen Wroclaw, bevor alle Anwesenden mit einem Glas Sekt auf den Jubilar anstoßen.