Eichholz l Eine Woche bis zehn Tage hat Till Hausmann geplant. Der Bildhauer aus Düsseldorf ist derzeit in Eichholz bei der Arbeit. Er fertigt Altartisch, Lesepult und Osterleuchter für die Eichholzer Kirche. Eine Kniebank und ein kleines Altarkreuz sind bereits in seinem heimischen Atelier entstanden.

Robust wirkt der große Altartisch. Die Tischplatte bilden alte Eichenbalken aus dem Eichholzer Kirchendach. Die kräftigen Tischbeine erscheinen heller, sind aus neuerem Material. Die Kombination macht es. Till Hausmann hat die Philosophie des Ortes, Altes und Neues zu verbinden, für das Projekt übernommen. Während die Standbeine aus etwa zehn Jahre abgelagerten Material sind, ist das Holz der Buchablage auf dem Altartisch ganz frisch in diesem Jahr geschlagen.

Kirchenholz schon 1000 Jahre alt

Die Kombination ist gleichzeitig die Herausforderung. Die dunklen alten Eichenbalken mussten zunächst gereinigt werden. Dann bestand die Schwierigkeit darin, glatte Seiten zu bekommen, um die Balkenstücke sauber aneinander zu fügen. Bauunternehmer André Weferling aus Walternienburg half hier mit Technik aus. Und auch Thomas Kurth aus Eichholz ist mit eingebunden, um zum Beispiel für den Osterleuchter beziehungsweise die Taufkerze eine Halterung zu schmieden. Eine besondere Behandlung des Holzes ist nach der Reinigung nicht notwendig. Schließlich hat das originale Eichholzer Kirchenholz schon 1000 Jahre überdauert. „Das Material bleibt, wie es ist, und wirkt so natürlich, wie es ist“, sagt Till Hausmann.

Der Künstler arbeitet seit vielen Jahren an Projekten für Kirchen. „Das ist immer etwas besonderes“, bekennt er. Zur Bildhauerei kommt der spirituelle Aspekt dazu. Der Gegenstand löst sich vom rein künstlerischen und bekommt eine Funktion. „Das ist spannend“, findet Hausmann. Wie auch die Arbeit mit dem alten Material. Bis zum Moment des Anfangs sei auch in Eichholz nicht überschaubar gewesen, was auf ihn zukommen würde.

Bei den Kühen arbeiten

Sein Arbeitsplatz vor Ort gibt dem Künstler noch zusätzliche Impulse. Der 66-Jährige hat Unterschlupf bei Familie Gabriel gefunden. Im Kuhstall wurde ein Platz zum Arbeiten frei geräumt, ein Dach über dem Kopf zwischen Fahrzeugen und Fleckvieh. Eine Premiere bei den Kühen zu arbeiten, an der der Düsseldorfer seine Freude hat. „Ich bin gern bei den Kühen“, erzählt er, und auch sonst hat er schon einige Leute im Ort und auf dem Hof kennengelernt. Er ist außerdem begeistert, mit welcher Selbstverständlichkeit er bei den Gabriels aufgenommen wurde.

Vor Weihnachten war Hausmann das erste Mal in Eichholz, im Frühjahr dann mit den Entwürfen für die einzelnen Objekte. Zum Teil waren kleinere Änderungen nötig. Eigentlich sollten auch noch zwei Hochzeitsstühle zur Ausstattung gehören, aber die wurden gestrichen, erzählt Hausmann.

3. Abschnitt der Sanierung

Die lithurgische Ausstattung gehört zum dritten Bauabschnitt der Sanierung der Eichholzer Kirche. Sind die Hausmann-Objekte fertig, sollen diese erst einmal im Pfarrhaus eingelagert werden. Bis sie aufgestellt werden können, sind noch einige Arbeiten in der Kirche, darunter der Fußboden, offen.

Zu dem Projekt in Eichholz kam Till Hausmann über Dr. Holger Brülls vom Landesamt für Denkmalpflege. Der brachte den Düsseldorfer ins Spiel, stellte den Kontakt zu Pfarrer Lindemann her. Brülls kannte Hausmann von anderen Projekten, die dieser zusammen mit seiner Frau ausführte. Anja Quaschinski ist Malerin und Glasgestalterin, war im Naumburger Dom bei der Ausstellung „Glanzlichter“ 2014 mit dabei. Gemeinsam hat das Künstlerpaar Kirchenprojekte umgesetzt, darunter die Evangelische Pfarrkirche im sachsen-anhaltischen Schwemsal im Harz.

Nicht ohne Kunst sein

Die Bildhauerei betreibt Till Hausmann, der an der Kunstakademie in Düsseldorf studiert hat, seit er 21 Jahre alt ist. „Es ging nie ohne Kunst“, sagt der Freiberufler, der vor 15 Jahren auf seinen Lehramtsabschluss zurückgriff und in Teilzeit an einer Gesamtschule unterrichtet. Seine künstlerische Tätigkeit beschränkt sich nicht nur auf den sakralen Bereich. Eine größere Einzelausstellung mit seinen Werken wird er im September in Düsseldorf bei der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen eröffnen.