Mit einer Blutspende Leben retten

Im Durchschnitt werden täglich 15 000 Blutspenden in Deutschland benötigt. Mit einer Spende kann bis zu drei Schwerkranken oder Verletzten geholfen werden. Neben Unfallopfern und Patienten mit Organtransplantationen sind vor allem Krebspatienten auf Blutpräparate angewiesen. Dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) zufolge brauchen 80 Prozent der Bundesbürger einmal im Leben eine Blutspende. Doch nur zwei bis drei Prozent der Bevölkerung spenden tatsächlich Blut, nach den Zulassungskriterien könnten es indes über 30 Prozent sein.

Blut spenden kann jeder, der zwischen 18 und 73 Jahre alt ist, mindestens 50 Kilo wiegt und sich gesund fühlt. Unmittelbar vor einer Spende sollte man ausreichend trinken und essen sowie seit mindestens zwölf Stunden keinen Alkohol konsumiert haben. Zwischen zwei Blutspenden sollten mindestens acht Wochen Pause liegen. In einem Jahr dürfen Frauen viermal, Männer bis zu sechsmal Blut spenden. Nach einer Auslandsreise, einem Tattoo, einer Schwangerschaft oder einer Operation gibt es gewisse Sperrzeiten von ein paar Wochen bis zu mehreren Monaten. (dp)

Zerbst l In zwei Reihen stehen die Liegen im Speisesaal der Ganztagsschule Ciervisti. Dorthin, wo sonst Fünft- bis Zehntklässler zu Mittag essen, hat das DRK zur Blutspende eingeladen. Es ist die erste Aktion im neuen Jahr in Zerbst. Gleich zu Beginn herrscht reger Andrang. „35 Leute innerhalb einer Stunde. Das ist nicht schlecht“, sagt Andreas Koch. Der Rettungssanitäter sitzt an der Anmeldung und nimmt die Frauen und Männer jeden Alters in Empfang.

Zu ihnen gehört Marlies Wolf. Für die 62-Jährige ist es eine Selbstverständlichkeit, regelmäßig zur Blutspende zu gehen. „Eine bessere Solidarität gibt es nicht“, erklärt die Zerbsterin, während der tiefrote Saft über einen schlanken Schlauch aus ihrer Vene in einen durchsichtigen Beutel fließt. Gut 500 Milliliter Blut werden ihr abgenommen. „Man kann es zwar nicht essen, aber es hilft Menschen“, begründet Marlies Wolf ihr Engagement, mit dem sie bereits damals nach dem Pädagogikstudium angefangen hat. Selbst habe sie zum Glück noch keine Transfusion benötigt, erzählt sie lächelnd, dass sie auch unter ihren Schülern für die Blutspende werbe. „Manche sind ja schon 18 und dürfen bereits spenden “, sagt die Gymnasiallehrerin.

Umfassender Gesundheitscheck

Unterdessen warten weitere Frauen und Männer darauf, die einzelnen Stationen zu durchlaufen. Bevor die Kanüle gesetzt wird, müssen sie zur ärztlichen Untersuchung, wo Blutdruck und Puls gemessen werden. Zum Gesundheitscheck gehört ebenfalls die Bestimmung der Hämoglobin-Konzentration, um sicherzustellen, dass der Körper nach der Blutentnahme selbst noch ausreichend Reserven für den Sauerstofftransport hat. Auch die Körpertemperatur wird kontrolliert, um Infektionen auszuschließen. Erst dann geht es auf die Liege. Nach etwa sieben bis zehn Minuten ist der Spendevorgang beendet und es wird zur Stärkung zum Imbiss gebeten.

„Auch im Vorfeld sollte man ausreichend gegessen und getrunken haben“, sagt Andreas Koch. Daneben ist ein Mindestgewicht von 50 Kilogramm festgeschrieben. Ansonsten kann jeder, der gesund und mindestens 18 Jahre alt ist, Blut spenden. „Mit dem 73. Geburtstag ist dann spätestens Schluss“, bemerkt der Rettungssanitäter. Er berichtet von 28 Terminen, die das DRK im vorigen Jahr in Zerbst, Güterglück, Loburg, Leitzkau und Reuden-Süd organisiert hat. „Da hatten wir insgesamt 1319 Spender. Gegenüber 2018 ist die Zahl relativ gleich geblieben“, kommentiert er die Statistik und ergänzt: „Mehr wären natürlich wünschenswert.“ Das trifft vor allem auf die Erstspender zu, von denen es nur 68 gab. Ein optimales Verhältnis zur Gesamtspenderzahl wären zehn Prozent. Denn längst nicht alle, die sich einmal die Nadel in den Arm stechen und Blut abnehmen lassen, tun es erneut. Um so wichtiger sind Stammspender wie Marlies Wolf.

Termine im Acht-Wochen-Rhythmus

„In Zerbst bieten wir alle acht Wochen einen Termin an“, bezieht sich Andreas Koch auf den Mindestabstand, der zwischen zwei Blutspenden liegen muss. Männer könnten in diesem Rhythmus jedes Mal kommen, bei Frauen schaut das anders aus. „Sie dürfen nur viermal im Jahr Blut spenden“, erläutert der Rettungssanitäter.

Nach dreieinhalb Stunden kann Andreas Koch an diesem Mittwochnachmittag in der Ciervisti-Schule ein positives Fazit ziehen. „Wir hatten 72 Spender“, ist er mit diesem Ergebnis äußerst zufrieden, auch wenn es nur zwei Erstspender gab. „Sonst haben wir hier immer nur zwischen 50 und 60 Teilnehmer“, sagt er. Deutlich mehr – zwischen 70 und 90 – sind es stets in der Zerbster Filiale der Volksbank, dem mit Abstand beliebtesten Blutspendeort.