Buhlendorf l Weithin sichtbar hebt sich der Buhlendorfer Speicher über dem kleinen Ort ab. Technisches Denkmal und Kulturstätte ist das Objekt. Lange war es relativ ruhig im Haus. Öffentliche Veranstaltungen fanden seit einigen Jahren schon nicht mehr statt. Das hatte seinen Grund. Die Brandschutzauflagen waren nicht erfüllt.

Seit 2013 gab es schon Probleme und ein langes Hin und Her. Inzwischen konnte das Brandschutzkonzept umgesetzt werden. Ende August des vergangenen Jahres war der zuständige Brandschutzprüfer noch einmal im Haus. Im Folgenden konnte der neue Bauantrag zur Änderung und Umsetzung des fortgeschriebenen Brandschutzkonzeptes gestellt werden. Dieser erhielt schließlich seine Genehmigung, so dass die Maßnahme noch im vergangenen Jahr umgesetzt werden konnte.

Neue Melder und Sirenen im Speicher

Die Brandmeldezentrale wurde durch eine brandschutzsichere Umhausung aus Trockenbau mit entsprechender Brandschutztür abgeschottet. Die vorhandene Brandmeldeanlage wurde als Hausalarmierung mit neuen Meldern und Sirenen ausgestattet. Vorangegangene Forderungen sahen die Aufschaltung mit der Leitzentrale vor. Im Nachgang hatte ein Brandschutzgutachter die Möglichkeit der Hausalarmierung bereits eingeräumt, was aber im Landkreis untergegangen war. Erst in der jetzigen Änderung des Brandschutzkonzeptes war die Hausalarmierung berücksichtigt.

Bilder

Im Zuge der jüngsten Maßnahme wurde auch die RWA – Rauch- und Wärmeabzugsanlage – rückgebaut. Die RWA dient dem vorbeugenden Brandschutz und soll im Brandfall den Brandrauch schnellstmöglich aus dem Gebäude nach außen abführen. Diese war eine automatische in der Turmspitze, die zuletzt nicht mehr funktionierte. Anstelle wurden jetzt zwei permanent offene Fensterflügel im Turm eingebaut. Nachteil: Hier dringt auch der Regen ein, wenn er seitlich auftrifft.

17.000 Euro in Brandschutz investiert

Insgesamt wurden in die Brandschutzmaßnahme 17.205 Euro investiert. Kosten, die der ortsansässige Kultur- und Heimatverein Buhlendorf, der sich um den Erhalt des ehemaligen Getreidespeichers und Buhlendorfer Wahrzeichens bemüht, nie hätte stemmen können. In Planungskosten hatte der Verein gleich zu Anfang schon 1000 Euro rein gebuttert. Nun ergab sich eine Fördermöglichkeit über den Landkreis.

Gemäß der Richtlinie über die Gewährleistung von Zuwendungen zur Förderung von kulturellen Einrichtungen oder deren kulturelle Projektvorhaben im ländlichen Raum wurden die Brandschutzmaßnahmen am alten Getreidespeicher Buhlendorf berücksichtigt. Eine 100-prozentige Förderung der Maßnahme war 2019 möglich. 15 000 Euro kamen vom Landkreis. Die restlichen Mittel, die sich einfach durch teurer gewordene Leistungen ergaben, wie Karin Möbius von der Zerbster Bauverwaltung erläuterte, bezuschusste die Stadt.

Corona zieht Strich durch die Rechnung

Mit der Umsetzung der Maßnahme wurden endlich die Voraussetzungen geschaffen, um das Gebäude wieder öffentlich zu nutzen. In diesem Jahr hätten also wieder größere Events wie die beliebten Kabarettabende oder Weinverkostungen stattfinden können. Hätten. Im März wurde noch Frauentag gefeiert und dann kam Corona. Nun muss man sehen, wie und wann alles wieder in Gange kommt. Es gibt genug Anfragen, so Hiltrud Krug, die Schatzmeisterin im Heimatverein ist. Auch wenn es keine öffentlichen Veranstaltungen in den letzten Jahren gegeben hat, war der Verein um Hans-Joachim Wuttig nicht untätig. Der Vereinsvorsitzende zeigte den Gästen aus der Kreisverwaltung, die sich vor Ort anschauen wollten, wie die Maßnahme mit den Fördermitteln umgesetzt wurde, auch die großen Tafeln, die unlängst erst an der einen Seite des Speichers angebracht wurden. Sie sollen Besucher, Radfahrer kommen immer häufiger durch das Dorf, ein bisschen zur Lage und Geschichte des Ortes aufklären.

Birgit Gaube, die im Landkreis für die Kulturförderung zuständig ist, bewunderte auch die noch original vorhandene Technik im Speicher. Der Musterbau für Getreidewirtschaft um 1900 ist ein technisches Meisterwerk. Errichtet wurde das Bauwerk 1912 bis 1914. 2014 wurde in Buhlendorf Hundertjähriges gefeiert.

Weltweit erster mit Elevatortechnik

Auf mehreren Böden übereinander konnte Getreide gelagert werden. Der Buhlendorfer Speicher war einer der ersten weltweit, der mit Elevatortechnik ausgestattet waren. Eine Drehrohrverteilung im Turmaufsatz sorgte dafür, das Getreide in jeden einzelnen Punkt des Speichers zu verteilen. 1200 Zentner Getreide konnten eingelagert werden, erläuterte Wuttig.

Als technisches Denkmal wurde der Speicher 1993 unter Schutz gestellt. 1997 bis 2000 konnte der Speicher mit Hilfe von Leadermitteln saniert werden. Im September vor 20 Jahren war die Wiedereröffnung.