Zerbst l Ein Volksstimme-Leser aus Luso wandte sich vor einigen Tagen an die Redaktion mit der Bitte, bei den Internet-Anbietern nachzufragen, wie denn die Unternehmen mit dem Breitbandausbau in der Einheitsgemeinde vorankommen.

Bauarbeiter hatten ihm auf seine Frage, wann er denn mit einem Anschluss rechnen kann, erklärt, dass Luso nicht vor Mitte 2020 ans Netz gehen wird. Die Volksstimme hat bei den Anbietern nachgefragt. Doch zunächst ein Rückblick.

Startschuss Ende Mai 2017

Mit dem symbolischen ersten Spatenstich erfolgte Ende Mai 2017 der Startschuss für die Breitbanderschließung der Zerbster Gewerbegebiete. Es war der bauliche Auftakt für ein Gesamtprojekt, das die gesamte Einheitsgemeinde innerhalb von zwei Jahren mit schnellem Internet versorgen soll.

„Zerbst ist eine der ersten Städte in Sachsen-Anhalt ist, die nicht nur über die Breitbanderschließung redet, sondern sie auch baut“, betonte Landtagsmitglied Holger Hövelmann (SPD) damals.

Bislang sind allein in Lindau hohe Übertragungsraten möglich. Innerhalb von 24 Monaten sollten die Ortsteile sowie die Stadt Zerbst über eine hochmoderne digitale Infrastruktur verfügen.

Ziel unterbieten

„Diese uns maximal gegebene Zeit wollen wir unterbieten“, erklärte der Vertriebsleiter der Mitteldeutschen Kommunikations GmbH (MDDSL) beim ersten Spatenstich. Ob die eigene Zielstellung gelingt, hängt vom Fließen der Bundesfördermittel ab.

Zu einem weiteren ersten Spatenstich sind alle Beteiligten Anfang Mai diesen Jahres noch einmal angetreten: Vertreter der Stadt, der Telekom, des Bundes und des Landes.

In Zerbst sollen 43 Kilometer Glasfaserkabel verlegt werden und 123 neue Verteiler aufgestellt werden. Damit sollen dann schlussendlich mehr als 7000 Haushalte in Zerbst selbst von der Telekom künftig mit einer schnellen Internetleitung versorgt werden.

Mehr Power möglich

Und wenn schnell gesagt wird, ist auch schnell gemeint. 100 MBit/s im download (herunterladen) und 40 MBit/s im upload (hochladen). Thomas Otto von der Deutschen Telekom machte sogar Hoffnung auf noch mehr Power.

Insgesamt werden 3,6 Millionen Euro in das Internet investiert. 2,3 Millionen Euro kommen davon vom Land, der Rest vom Bund.

Für den Ausbau in Zerbst, den die Telekom übernimmt, wird das Unternehmen 4,3 Millionen Euro investieren. Die errechnete Wirtschaftlichkeitslücke für das Unternehmen von 324.000 Euro werden durch Fördermittel gedeckt.

Die verbleibenden Millionen der Förderung gehen in den Breitbandausbau der Ortsteile von Zerbst.

Doch wo stehen die drei Anbieter, die Deutsche Telekom, Wittenberg-Net GmbH und die MDDSL bei der Erschließung der Einheitsgemeinde?

Knapp 20 Kilometer verlegt

„Von Seiten der Wittenberg-Net GmbH haben wir bereits knapp 20 Kilometer Haupttrasse von unserem Ausgangspunkt Thießen (bei Coswig) nach Zerbst (an der B 184) als Rohrtrasse verlegt“, sagt Karsten Siebner, Geschäftsführer der Wittenberg-Net.

Diese Trasse sei auch zu 90 Prozent mit LWL (Lichtwellenleiter) Kabel belegt.

Rückmeldungen zu Genehmigungen fehlen

„Im Moment fehlt der Lückenschluss zum Gewerbegebiet. Diese Arbeiten sollen Ende August abgeschlossen sein“, erklärt Siebner. Danach wolle man dann das Gewerbegebiet in Betrieb nehmen. „Von dieser Trasse ausgehend werden dann auch die Ortsteile erschlossen, hier bedarf es noch einiger Rückmeldungen bezüglich der Genehmigungen von einzelnen Schrankstandorten“, betont der Wittenberg-Net-Geschäftsführer. Den Zeitplan bis Ende 2019 wolle man gern einhalten, dieser sei aber nicht allein von seinem Unternehmen abhängig.

„Luso ist mit großer Sicherheit eher am Netz als gedacht, da der neu gewählte Trassenverlauf direkt an der Ortslage vorbeiführt“, verspricht Karsten Siebner.

Ausbau läuft

„Derzeit laufen in allen Orten – Zernitz, Deetz, Buhlendorf, Straguth und Steutz –, die wir auf eigene Kosten erschließen, der Ausbau. In den Orten Dobritz, Polenzko, Bornum, Grimme und Reuden ist der Ausbau abgeschlossen“, schreibt Georg von Wagner, Pressesprecher der Telekom. Ferner baut die Telekom auch in Zerbst aus.

„Der Plantermin für den Ausbau in diesen Orten ist Ende September 2018. Das heißt: ab Oktober stehen die Anschlüsse zur Verfügung und sind buchbar“, so von Wagner. Für Zerbst selbst liegt der Realisierungstermin auf Jahresende 2018 beziehungsweise Anfang 2019.

„Wir sind gut im Zeitplan“, sagt auch MDDSL-Geschäftsführer Andreas Riedel. Man habe die Ausführungs- und Genehmigungsplanung abgeschlossen und außerdem die Erlaubnis der Stadt Zerbst erhalten, um den Tiefbau im vierten Quartal beginnen zu können und je nach Wetter nach dem Winter abzuschließen.

Das Bauvorhaben werde um die ARGE Breitband Zerbst (Bietergemeinschaft der MDDSL mit Sitz in Magdeburg und der Wittenberg.Net mit Sitz in der Lutherstadt Wittenberg) koordiniert.

Verteilerschränke, dann Tiefbau

„Bevor der Tiefbau beginnt, müssen noch die Verteilerschränke gesetzt werden. Dies erfolgt ebenfalls im dritten oder vierten Quartal 2018“, erläutert Geschäftsführer Andreas Riedel.

Auf die Frage, ab wann die schnelle Datenautobahn in den einzelnen Ortschaften der Einheitsgemeinde, in denen MDDSL ausbaut, befahrbar sei, antwortet Andreas Riedel: „Da kann ich momentan nur an das Vertragsdatum erinnern, schneller werden wir vielleicht, aber das hängt von so sehr vielen Faktoren ab, spätestens jedoch Ende 2019.“