Köthen l Das Pflanzenschutzmittel Glyphosat ist regelmäßig in den Medien. Die Diskussion über die Gefährlichkeit des weit verbreiteten Mittels in der konventionellen Landwirtschaft hat auch den Landkreis Anhalt-Bitterfeld erreicht. So diskutierten die Ausschussmitglieder kürzlich über die Chemikalie. Dabei ging es nach den Worten von Kreissprecherin Marina Jank auch darum, den Einsatz außerhalb der landwirtschaftlich genutzten Flächen zu betrachten.

Unkrautbekämpfung

Das Mittel wurde einst entwickelt, um die Nutzpflanzen beim Einsatz nicht zu schädigen, sondern nur alle anderen Pflanzen abzutöten. Die Wirksamkeit des Mittels ist so groß, dass es bald auch unter der Handelsbezeichnung „Roundup“ für jeden Bürger in Baumärkten erhältlich war. Gern wird es deshalb in der Unkrautbekämpfung auch auf Straßen und Wegen von den Bürgern eingesetzt. Das Mittel ist frei verkäuflich und wird im Handel angeboten. Doch sollte es bei der anhaltenden Diskussion um eine eventuelle Gefährlichkeit für den Menschen weiter in der Öffentlichkeit eingesetzt werden? Auch darum drehte sich die Diskussion im Umweltausschuss.

In der Kreisverwaltung seien die Ämter seit der Ausschusssitzung auch damit befasst zu erkunden, ob der Landkreis das Mittel selbst verwende. Denkbar sei das beispielsweise bei der Straßenmeisterei im Unterhalt der Kreisstraßen. Die Mitarbeiter der Straßenmeistereien haben auch hier regelmäßig mit wachsenden Unkräutern zu tun. Ob das Mittel dabei an bestimmten Stellen einen Einsatz finde, sei bislang nicht bekannt. Das werde von der Verwaltung untersucht.

Nicht verboten

Nach der aktuellen Straßenreinigungssatzung der Stadt Zerbst ist der Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln beispielsweise auf Fußwegen nicht verboten. Die Satzung macht dazu keine Aussagen. Die Bürger müssen nach den Vorschriften der Satzung mindestens alle zwei Wochen den Fußweg vor ihrer Tür reinigen und dabei auch Unkraut entfernen. Der Einsatz von unterstützenden Mitteln, um das weitere Wachstum oder die Ausbreitung von Unkraut zu verhindern, ist dabei nicht geregelt. Zerbst steht dabei nicht allein. Kaum eine Kommune hat bislang Unkrautvernichtungsmittel auf ihren Fußwegen verboten. Dabei gibt es auch zahlreiche alte Hausmittel, um das Unkraut in den feinen Fugen von Gehwegen zu beseitigen.

Im Haus- und Kleingartenbereich werden jährlich rund 40 Tonnen des Mittels bundesweit eingesetzt, hat die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt geschrieben. Die Verbraucherschützer raten davon ab, Unkrautvernichtungsmittel auf öffentlichen Wegen einzusetzen. Sie sehen dabei vor allem die Gefahr, dass die Stoffe in den kommenden Jahrzehnten das Grundwasser erreichen könnten.

Hauptanwender Landwirtschaft

Viel einfacher ist es, Unkräuter auf öffentlichen Wegen mit der Hand zu entfernen, als Chemikalien einzusetzen, meinen sie.

Hauptanwender für Glyphosat bleibt die Landwirtschaft. Auf rund 39 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche in der Bundesrepublik kommt das Mittel statistisch gesehen zu Einsatz. Weltweit nimmt der Einsatz des Mittels außerdem zu.

In den vergangenen Jahren rückte die Wirkung des Mittels immer wieder in den Fokus der Diskussion. Während in der Europäischen Union die Zulassung des Mittels verlängert wurde und der Wirkstoff als sicher gilt, betrachten Umweltorganisationen den Einsatz als bedenklich.

In der Landwirtschaft ist das Mittel hilfreich, die Erträge zu sichern. Nur noch wenige Mittel stehen den Landwirten zur Verfügung, um ihre Pflanzen zu schützen. In der Vergangenheit setzten sich vor allem die Landwirte dafür ein, das Mittel weiter zu nutzen. Denn einen Ersatz gibt es kaum.

Einige Pflanzen resistent

Allerdings zeigt die Natur, dass sie sich anpassen kann. In anderen Ländern, vor allem auf dem amerikanischen Kontinent, gibt es immer mehr Pflanzen, die sich resistent gegen das Mittel zeigen. Sie haben inzwischen gelernt, den Mechanismus des Mittels zu umgehen.

Weitgehend wirkungslos erweist sich dort das Unkrautvernichtungsmittel in der Praxis. Wirkt das Mittel in der Zukunft nicht mehr, wird vor allem die Landwirtschaft auf andere Unkrautvernichter umsteigen müssen, gehen Fachleute aus. Es sei nur eine Frage der Zeit, meinen sie zur Zukunft des wohl bekanntesten Unkrautvernichtungsmittels auf dem Planeten.