Deetz l Eigentlich herrscht zu dieser Jahreszeit im Jugendbauernhof in Deetz reger Betrieb. Schulklassen bevölkern das Landschulheim und erkunden die Gegend. Doch seit dem Ausbruch der Corona-Krise und dem Verbot an den Schulen, Klassenfahrten zu unternehmen, ist es ruhig geworden in Deetz. Kein Kinderlachen dringt aus dem Haus.

Die Einrichtung ist leer, sagt Ulrich Weimeister. Der Chef des Hauses kann die Folgen der sich verbreitenden Pandemie noch nicht absehen, sagt er. Nur eines sei klar, wenn den vorwiegend in privater Hand befindlichen Schullandheimen die öffentliche Hand nicht zur Seite springe, werde es die Einrichtungen nach dem Ende der Seuche nicht mehr geben, sagt er.

Finanzielle Hilfe vom Land gebraucht

In dieser Woche hat er sich bereits in einem Brief an den Landesvater sowie an den Kultusminister gewandt, beschreibt er. „Wir brauchen finanzielle Hilfen, sonst überleben wir das nicht“, sagt er. Das sei seine Botschaft gewesen.

Er habe bereits überlegt, die Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken. Die Möglichkeiten hierzu wurden zuletzt ausgeweitet, um die Unternehmen zu schützen. „Eigentlich habe ich zu dieser Jahreszeit immer die Verträge mit den Pauschalkräften abgeschlossen“, sagt er. In diesem Jahr sei aber alles anders. Noch habe er die Verträge nicht unterzeichnet. Denn es sei unklar, wann die Klassen zurückkommen. Kommen sie vor den Sommerferien überhaupt zurück?

Klassenfahrten verboten

In Sachsen-Anhalt gilt seit Anfang März eine strikte Regelung für die Schulen. In einer Pressemitteilung des Bildungsministerium am 10. März heißt es: „Im Zuge der vom Land unternommenen Präventivmaßnahmen, die die Ausbreitung des Corona-Virus verhindern sollen, werden ab heute Klassenfahrten, schulische Studienfahrten und Schüleraustausche bis zum 31. Mai 2020 ausgesetzt. Die Schulleitungen wurden aufgefordert, mit Ausnahme eintägiger Fahrten innerhalb Sachsen-Anhalts, alle Reisen abzusagen.“

Täglich trudeln nun die Absagen ein, schildert Ulrich Weimeister den Alltag in seinem Schullandheim. „Wir hatten die Bücher voll“, seufzt er. Das Prinzip des Schullandheims funktioniere nur, wenn die Betten gut ausgelastet seien. Denn die Preise für die Unterbringung und das Programm sind überschaubar. Doch wenn nun die kleinen Gäste ausbleiben, werde es finanziell schnell eng werden, schätzt er ein.

Land unterstützt Schullandheime

„Ich habe bereits mit dem Kultusministerium Kontakt aufgenommen. Antworten auf meine Fragen nach Hilfen gibt es von dort noch nicht“, sagt er weiter. So unterstütze das Land inzwischen die Schullandheime mit einem festen Betrag jährlich. Die Summe reiche aber bei weitem nicht aus, um einen monatelangen Stillstand zu überbrücken, wie er sich aktuell ankündigt.

Außerdem sei völlig unklar, ob das Verbot für die Schulen, Klassenfahrten zu organisieren, nicht noch weiter verlängert werde. Vieles hänge davon ab, wie sich das Virus in den kommenden Tagen in der Bundesrepublik ausbreite und welche Gegenmaßnahmen getroffen werden, meint er.

Schulen übernehmen Stornierungskosten

Zwar sollen die Schulen die Stornierungskosten im Falle von abgesagten Klassenfahrten übernehmen und vom Land ersetzt bekommen. Doch ob das ausreicht, den Betrieb über die Zeit der Krise zu retten, sei äußerst ungewiss, schätzt der erfahrene Betreiber des Jugendbauernhofes ein.

Vor allem ärgert er sich darüber, dass die Waldheime die Probleme nicht kennen. Denn das Land ist über die Forstwirtschaft ebenso bei der Organisation von Klassenfahrten engagiert. Die Forst betreibt in ihren Waldheimen ein mit den Schullandheimen vergleichbares Programm, nur mit der Ausrichtung auf den Wald. Schulklassen erfahren hier viel über die Wälder und können sich in den staatlich betriebenen Waldheimen erholen.

Gleiche Behandlung für alle

Wenn jetzt die Schulklassen auch dort ausbleiben, müssten sich die Mitarbeiter vor Ort kaum Sorgen machen, sagt Ulrich Weimeister. Denn die Einrichtungen werden staatlich finanziert. Der Staat springe hier automatisch ein, wenn die Klassen nicht mehr kommen. Das sei der große Unterschied zu den privat organisierten Schullandheimen, die von der Ausrichtung ähnlich organisiert seien und ebenfalls viele Bildungsangebote machen.

Seit Jahren setzt sich der Deetzer dafür ein, dass die Einrichtungen vom Land gleich behandelt werden. Das fange natürlich bei der Finanzierung an, unterstreicht er. In den vergangenen Jahrzehnten habe er immer wieder in die Einrichtung investiert, um sie Stück für Stück aufzubauen, erinnert er. Sollten nun monatelang die Schüler ausbleiben, stehe die ganze Strategie vor dem Kollaps. So gehe es auch den anderen Schullandheimen im Land, erzählt er.

Warten auf Antwort von Landesregierung

„Ich hoffe, dass wir alle bald eine Antwort von der Landesregierung bekommen und man uns sagt, wie es nun für uns weitergeht“, sagt er. „Wenn wir keine Hilfen bekommen, wird es die Schullandheime nach der Corona-Krise nicht mehr geben“, versichert er. Einen monatelangen Ausfall könne kein Betrieb überbrücken. Die Einrichtungen seien auf die Einnahmen angewiesen. Zunächst einmal heiße es abwarten und hoffen. Ulrich Weimeister ist klar, dass er in diesen Tagen nicht der erste ist, der sich an die Landesregierung wendet. Viele Unternehmen werden in den kommenden Tagen und Wochen sicherlich noch von den Einschränkungen getroffen, glaubt er. Besonnenes Handeln sei jetzt besonders wichtig.