Zerbst l Das Coronavirus stellt momentan unser aller Leben auf den Kopf. Sowohl privat als auch beruflich muss umorganisiert werden. Die Menschen sollen so wenig wie möglich das Haus verlassen, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren. Einen Spaziergang, den Einkauf erledigen und zurück aufs heimische Sofa. Doch was machen ältere Menschen und chronisch Kranke, die zur Risikogruppe gehören und eigentlich gar keine sozialen Kontakte pflegen sollen, oder die, die aus Sorge vor einer möglichen Infizierung nur ungern die heimischen vier Wände verlassen?

Da kommt eine Gruppe junger Zerbster ins Spiel, die sich die „Einkaufshelfer“ oder auch die „Einkaufshelden“ nennen. „Wir sind jung und gesund, deshalb wollen wir für uns alle einen Beitrag dazu leisten, dass jeder so sicher wie möglich durch diese Zeit kommt“, sagt Justin Wurbs.

Einkaufsdienst ist kostenlos

Der junge Zerbster ist Vorsitzender der Jungen Union (JU) in der Nuthestadt, die Jugendorganisation der CDU. Er sagt: „In Zerbst mit anzupacken und mit unseren Möglichkeiten zu helfen ist genau der Grund, warum wir im vergangenen Jahr unseren Ortsverband gegründet haben.“

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Der kostenlose Einkaufsdienst solle Senioren ab dem Alter von 60 Jahren und Personen jeden Alters mit Vorerkrankungen dienen, die keine anderen Personen in ihrem Umfeld haben, die ihnen ihre Einkäufe und Erledigungen abnehmen können. Seit einigen Tagen steht dieses Angebot nun zur Verfügung.

Deutsche Lebensrettungsgesellschaft dabei

Auch die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) ist mit im Boot. Seit fast 30 Jahren engagieren sich deren Mitglieder ehrenamtlich in verschiedensten Bereichen, beispielsweise in der Schwimm- und Erste-Hilfe-Ausbildung sowie im Katastrophenschutz und Wasserrettungsdienst.

„Der DLRG als Rettungs- und Hilfsorganisation ist es wichtig, für die Menschen der Region da zu sein. Gerade in dieser schweren Zeit möchten wir unserer sozialen Verantwortung gerecht werden und die Bevölkerung der Einheitsgemeinde im Rahmen der Möglichkeiten unterstützen“, erklärt Lars Borngräber, 1. Vorsitzender der Zerbster DLRG und Mitinitiator der Aktion.

Infektionszahlen steigen weiter

„Die Corona-Krise hat nun bekanntermaßen auch unsere Stadt erreicht. Leider müssen wir auch annehmen, dass die Infektionszahlen in den nächsten Tagen und Wochen noch weiter ansteigen werden. Deshalb muss unsere Einheitsgemeinde in diesen außergewöhnlichen Zeiten eng zusammenstehen“, macht Justin deutlich. Das Coronavirus gefährde die Gesundheit aller, jedoch seien besonders ältere Mitbürger und Personen mit Vorerkrankungen einem hohen, mitunter lebensbedrohlichen Risiko ausgesetzt.

„Diese sollten es daher möglichst vermeiden, ihre Wohnungen zu verlassen, doch natürlich müssen auch sie sich versorgen. Dies wollen wir jetzt übernehmen“, erklärt Justin Wurbs. „Die Einkaufshelden“ sei eine bundesweite Aktion der Jungen Union Deutschlands mit bereits immerhin über 10 000 Freiwilligen.

Großeltern haben viel getan

„Ich habe Justins Aufruf auf Instagram gesehen und fand die Aktion super. Ich war mir sofort sicher helfen zu wollen, auch weil mir meine eigenen Großeltern sehr wichtig sind“, begründet Romy Schumann ihre Bereitschaft zu helfen und ergänzt: „Meine Oma hat eine schwere Vorerkrankung, weshalb ich im Familiären ohnehin schon helfe. Auch in meinem Hauseingang habe ich einen Zettel aufgehängt, um Nachbarn helfen zu können.“

Johann Reifarth sagt: „Wir alle haben unseren Großeltern und den Generationen vor uns viel zu verdanken. Deshalb freue ich mich, in dieser Situation Menschen unterstützen zu können. Gerade jetzt müssen wir generationsübergreifend zusammenhalten.“ Ähnlich sieht das auch Lucas Ulrich. „Ich möchte durch meine Mitarbeit an diesem Projekt etwas an unsere Gemeinde zurückgeben und allen Hilfsbedürftigen so gut es geht unter die Arme greifen“, betont Lucas.

Mehrere öffentliche Aushänge

Und so funktioniert es: Die Einkaufswünsche werden über die angegebenen Kontaktdaten entgegen genommen. Außerdem gibt es mehrere öffentliche Aushänge in verschiedenen Supermärkten, beispielsweise im E-Center Zerbst oder im NP-Markt in Lindau. „Wir planen, die Einkaufswünsche täglich bis 16 Uhr zu sammeln, anschließend die Einkäufe zu erledigen und dann zum gewünschten Zielort zu bringen“, erläutert Justin Wurbs.

Da sich beide Organisationen gegen Lebensmittelverschwendung und für ein solidarisches Miteinander einsetzen, können die „Einkaufshelden” ausschließlich Einkäufe des täglichen Bedarfs mit einer leichten Bevorratung tätigen. Die engagierten jungen Leute appellieren an die Hilfsbedürftigen, aber auch an alle anderen Menschen: „Kaufen Sie alle nur das ein, was Sie auch wirklich brauchen, damit auch noch die letzten Kunden die gewünschten und benötigten Artikel in ihre Einkaufswagen legen können und nicht vor leeren Regalen stehen.“

Eines ist den jungen Helfern noch wichtig: „Die Hilfsbedürftigen brauchen keine Scheu oder Scham haben uns anzurufen. Im Gegenteil, sie sollen sich an uns wenden, wenn sie Hilfe brauchen, deswegen haben wir die Aktion ja ins Leben gerufen“, sind sich die Fünf einig. Die Einkaufshelden sind wie folgt zu erreichen:

DLRG: Telefon und WhatsApp 0151/283 65 630, Internet: www.zerbst.dlrg.de/einkaufshilfe, E-Mail: DLRGhilft@zerbst.dlrg.de sowie über Facebook und Instagram unter DLRG Zerbst

JU: Telefon und WhatsApp 0152/545 14 856, Internet: www.die-einkaufshelden.de sowie bei Facebook unter Junge Union Zerbst