Zerbst l „Klasse! Unser Antrag wurde nahezu komplett bewilligt und dazu auch noch super schnell“, freut sich Nico Güth. Er ist Pressesprecher der Zerbster Ortsgruppe der Deutschen Lebensrettungs Gesellschaft (DLRG), deren Mitglieder seit Beginn der Corona-Pandemie als Einkaufshelfer aktiv sind. „Wir versuchen, Menschen der Risikogruppen und vielen weiteren Personen die notwendigen Besorgungen sowie andere Erledigungen abzunehmen“, sagt Vereinsvorsitzender Lars Borngräber.

„Wir haben unsere regelmäßigen Kunden, die etwa im Wochenrhythmus beliefert werden“, ergänzt Nico Güth. Hinzu kommen spontane Fälle. Als vor einigen Wochen eine Ärztin des Zerbster Krankenhauses positiv auf Covid-19 getestet worden war, ordnete das Gesundheitsamt für alle direkten Kontaktpersonen eine Quarantäne an. „Da haben wir dann auch ein Ehepaar beliefert, das selbst nicht einkaufen durfte“, schildert der Ortsgruppensprecher. Organisiert worden sei dies vom Amt. „Das fand ich total cool, dass der Landkreis uns da so auf dem Schirm zu haben scheint“, sagt er.

Das Engagement der Wasserretter überzeugte auch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, das in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Landkreistag das Soforthilfeprogramm „Ehrenamt stärken. Versorgung sichern“ aufgelegt hat. Gesamtvolumen: fünf Millionen Euro. Mit dem Geld sollen Vereine und Institutionen, die sich uneigennützig für ihre Mitbürger einbringen, bei der Bewältigung coronabedingter Belastungen finanziell unterstützt werden.

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Konzepte überzeugten

„Die Corona-Krise darf nicht zu einer Krise des Ehrenamts werden“, heißt es in der Begründung des Sonder-Förderprogramms seitens Bundesministerin Julia Klöckner (CDU). Denn besonders jetzt seien viele Menschen auf Hilfe angewiesen. Die Einhaltung der Schutz- und Hygienemaßnahmen koste wiederum Geld. Mehr als 560 Interessenbekundungen sind in ihrem Bundesministerium eingegangen – die ersten 13 Förderbescheide wurden nun verschickt, davon zwei nach Sachsen-Anhalt, einer davon eben an die DLRG.

6619 Euro Soforthilfe erhält die Ortsgruppe Zerbst, die nach Aussage von Lars Borngräber zu den ersten Vereinen gehörte, die sich um Gelder bewarb. Mit Erfolg. Die bewilligten Mittel sollen nun für die Anschaffung von Hygieneartikeln, wie Handschuhe und Masken, sowie Transportutensilien, Pavillons und Kommunikationsmitteln verwendet werden.

„Wir sind begeistert, dass das Ehrenamt endlich die Aufmerksamkeit erhält, die es verdient“, sagt Lars Borngräber. Er nutzt die Gelegenheit, um seinen Mitstreitern zu danken, die stets bereit seien, „ihre eigene Zeit hinten anzustellen, damit Menschen geholfen werden kann, die auf Hilfe angewiesen sind“. Dennoch appelliert er an alle, das Ehrenamt nicht als selbstverständlich hinzunehmen.

Auch der zweite Förderbescheid in Sachsen-Anhalt geht nach Zerbst – an die Zerbster Tafel. Sie erhält 4120 Euro. Mit dem Geld sollen unter anderem ein Fahrrad, Transportboxen und ein Handy angeschafft werden, um Bedürftige der Risikogruppen trotz Kontaktbeschränkungen weiterhin mit Lebensmitteln versorgen zu können und die Kommunikation zu erleichtern.

„Wir wollen gerne die Bedürftigen mit Lebensmitteln beliefern, die zu den Risikogruppen gehören und deshalb besonders von den Kontaktbeschränkungen betroffen sind“, erläutert Tafel-Chefin Ute van Tulden. Aber auch die Menschen sollen zukünftig von dem Service profitieren, die selbst nicht in der Lage sind, zur Grünen Straße zu kommen, um sich ihre Lebensmittel abzuholen. „Hier möchten wir gerne helfen“, betont van Tulden.

Etwa 135 Zerbster Familien beziehungsweise Alleinstehende sind derzeit auf Lebensmittel von der Tafel angewiesen. An Lebensmitteln fehle es derzeit eher nicht. Dank der neuen Kühlzellen, die erst kürzlich mit Hilfe von Fördermitteln angeschafft werden konnten, sei eine fachgerechte und nicht zuletzt auch energieeffizientere Lagerung der Lebensmittelspenden gewährleistet.

Tafeln fehlen Einnahmen

„Was noch immer problematisch ist, sind die fehlenden Einnahmen, die Tafel und Kindertafel sonst mit ihren Ständen auf den Stadtfesten generieren, die ja wegen der Corona-Pandemie ausgefallen sind oder ausfallen, wie Spargel- oder Bollenmarkt. Auch die Suppenküche, das ‚Restaurant mit Herz‘ musste ja einige Wochen geschlossen bleiben. Das schmerzt“, so van Tulden. Da helfe am Ende jeder Euro und jede Sachleistung, die gefördert wird – sei sie noch so klein.

„Die Corona-Pandemie trifft besonders auch hilfsbedürftige Menschen und Menschen, die sich in sozial schwierigen Lebensverhältnissen befinden. Gerade in ländlichen Räumen ist es für diese besonders schutzbedürftigen Gruppen schwierig, sich mit Lebensmitteln zu versorgen. Denn: Schutzausrüstungen und Vorkehrungen zur Einhaltung der Abstandregeln brauchen extra Ressourcen“, begrüßt der anhaltische Bundestagsabgeordnete der Linken Jan Korte in einer Stellungnahme das Sofortprogramm.

Korte: „Es ist gut, dass der Bund hier unterstützt, besser wäre es allerdings, eine Mindestrente einzuführen und Sozialleistungen auf den tatsächlichen Bedarf anzuheben.“