Brandserie

Dem Feuerteufel auf der Spur

Seit Mitte Dezember 2020 hat es sieben Mal in Zerbst gebrannt. Feuerwehr und Polizei gehen mittlerweile von Brandstiftung aus.

Von Thomas Kirchner

Zerbst l So zerstörerisch die Flammen auch sind – nach wie vor übt Feuer eine starke Faszination auf die Menschen aus, der man sich kaum entziehen kann. Der Reiz liegt allerdings nicht nur in den positiven Eigenschaften der Flammen, sondern auch in der Gefahr, die von Feuer ausgeht.

Es scheint, als hätte auch in Zerbst jemand ein Faible für Feuer oder einfach nur Lust am Zerstören. Zu sieben mutmaßlichen Brandstiftungen musste die Zerbster Feuerwehr zwischen dem 14. Dezember und dem 11. Januar ausrücken.

„Derzeit werden die Ermittlungen zu den Brandursachen im Stadtgebiet von Zerbst komplex und in alle Richtungen geführt“, schreibt Michael Däumich, Polizeisprecher im zuständigen Polizeirevier Anhalt-Bitterfeld in Köthen.

Wie die Volksstimme im August 2020 berichtet hat, registrierte die Polizei in den vergangenen sechs Jahren noch nie so viele Brandstiftungen und Sachbeschädigungen durch Feuer in Sachsen-Anhalt wie 2019. Laut Landeskriminalamt (LKA) stieg die Zahl innerhalb eines Jahres von 1572 auf 1762.

„Es gibt auch 2020 einen weiter steigenden Trend“, sagte LKA-Sprecher Michael Klocke damals. Brandstiftung sei eine Männerdomäne. Nur knapp acht Prozent der ermittelten Verdächtigen waren laut LKA weiblich. Die Hälfte der Brandstifter war jünger als 21 Jahre. Meist seien Frust auf Freunde, Familie oder die Suche nach Anerkennung das Motiv.

Rückblick: Am 14. Dezember brennt gegen 22.30 Uhr ein Holzschuppen gegenüber der Lindgren-Grundschule im Amtsmühlenweg. Hier können die Einsatzkräfte nicht mehr viel retten. Am 24. Dezember gegen 4.25 Uhr brennen am Dornburger Platz ein Müllcontainer und Müllunterstand.

Am 3. Januar, ein Sonntag, werden die Frauen und Männer der Zerbster Feuerwehr gegen 3.15 Uhr morgens auf den Kaufland-Parkplatz gerufen. Unbekannte Täter hatten unter einem Döner-Imbiss lagernde Materialien angezündet. Hier können Polizeibeamte, die als erste vor Ort sind, Schlimmeres verhindern.

In der Nacht zum 8. Januar, ein Freitag, wird die Zerbster Feuerwehr gegen 0.20 Uhr zu einem Gebäudebrand gerufen. Als die insgesamt 18 Einsatzkräfte am Brandort eintreffen, steht eine Gartenlaube aus Holz an der Biaser Straße, gegenüber dem Bahnhof am Bahnsteig 2, bereits komplett in Flammen – nicht das erste Mal. An gleicher Stelle brannten in den Nacht- und frühen Morgenstunden des 16. November 2019 und des 23. März 2020 schon einmal zwei Gartenlauben völlig nieder.

Es ist 9.05 Uhr, als die Zerbster Feuerwehr am 9. Januar, ein Sonnabend, zu einem Brand in die Lindauer Straße gerufen wird. Dichter Rauch dringt aus mehreren Fenstern und offenen Ritzen der leer stehenden Ankuhnschen Mühle. Als die Einsatzkräfte Tür und Tor geöffnet haben, finden sie einen Haufen Müll, der in Flammen steht.

Nur 48 Stunden später, am 11. Januar, ein Montag, wird die Feuerwehr um 6.10 Uhr erneut zur Ankuhnschen Mühle gerufen. Unbekannte hatten in dem leer stehenden Gebäude erneut Feuer gelegt. Dieses Mal brennt es gleich an mehreren Stellen.

Ein Zugang wurde gewaltsam aufgebrochen und an mindestens zwei Stellen im Erdgeschoss Feuer gelegt. Die Flammen breiteten sich über drei Etagen bis zum Dach aus. Nur zwei Stunden später brennt ein Holzstapel auf einem Grundstück in der Tochheimer Straße in Höhe „Gesundbrunnen“.

„Die Untersuchungen der einzelnen Brandorte und deren Auswertung dauern momentan natürlich noch an. Es gilt, die zunächst gewonnenen Erkenntnisse zu prüfen, auszuwerten und mögliche Zusammenhänge zu den einzelnen Brandorten zu erkennen“, beschreibt Michael Däumich die laufenden Ermittlungen.

Personen, die die Brände bemerkt und gemeldet hatten, würden beziehungsweise seien ermittelt und zu ihren Wahrnehmungen befragt worden. „Aus ermittlungstaktischen Gründen können daher zunächst keine weiteren Auskünfte erteilt werden“, betont der Polizeisprecher und weist noch einmal auf den Zeugenaufruf hin.

Die Kriminalpolizei ist auf der Suche nach Personen, die vielleicht etwas beobachtet haben und sachdienliche Hinweise zu den einzelnen Bränden geben können. Wer Angaben zu verdächtigen Personen oder Fahrzeugen machen kann, wird gebeten, sich im Zerbster Revierkommissariat zu melden. Dieses ist telefonisch unter 03923/ 71 60 zu erreichen. Es kann auch die E-Mail-Adresse efst.prev-abi@polizei.sachsen-anhalt.de genutzt werden.

Der Zerbster Ortswehrleiter Steffen Schneider mahnt indes zur Wachsamkeit. „Ich bitte alle Bürger, die Augen offen zu halten und auf verdächtige Personen und Wahrnehmungen zu achten“, so sein Appell. Momentan seien durch die Pandemie ohnehin nicht so viele Menschen unterwegs, besonders in den Abend- und Nachtstunden, „da dürften verdächtige Personen mehr auffallen als sonst“, sagt Schneider.