Zerbst. Mit dem traditionellen Müllergruß „Glück zu!“ heißen Anne und Sven Handrich – stilecht in weiß gekleidet – die Besucher in ihrer historischen Wassermühle willkommen. Dem Zerbster Ehepaar gehört nämlich die Frauenmühle am Weinberg. Einen Teil des denkmalgeschützten Gebäudes bewohnen sie, der andere Teil beinhaltet ein Museum rund ums Müllerhandwerk. Auf vier Etagen finden sich technische Erklärungen zum Mahlvorgang, Wissenswertes über den Müllerberuf, ein Überblick über die verschiedenen Getreide- und Mehlsorten, zahlreiche historische Exponate aus dem Mülleralltag, Informationen zur Stadt Zerbst und vieles mehr.

All das haben die Handrichs selbst auf die Beine gestellt. Man merkt schnell, dass ihr Herzblut in dieser Mühle steckt.

Nordfassade mit Wasserrad

Anlässlich des Denkmaltages zeigen und erklären sie stolz, was sie im Laufe von 20 Jahren alles an dem geschichtsträchtigen Gebäude erneuert und restauriert haben. Der jüngste Bauabschnitt, der abgeschlossen wurde, ist die Nordfassade der Mühle. „Wir haben die Wand neu verputzt und gestrichen und die Fenster erneuert“, zählt Sven Handrich ein paar der Maßnahmen auf. Zudem wurde ein verblüffend echt aussehendes Wasserrad angemalt.

Zu den unzähligen Arbeiten die die Handrichs bereits an der Mühle durchgeführt haben, kommt noch ihr Engagement für das Museum hinzu. Sie führen nämlich nicht nur am Denkmalttag durch die Frauenmühle, sondern ermöglichen es auch Schulklassen sich das erstmals 1299 erwähnten Gebäude anzusehen.

Angebot für Schüler

Zu lernen gibt es viel, ist Lehrerin Anne Handrich überzeugt: „Die Schüler können etwas über die Geschichte der Stadt lernen, über das Müllerhandwerk und natürlich auch über den technischen Vorgang des Mehlmahlens.“ Darüber hinaus lassen sich auch Schulfächer wie Musik oder Biologie in die Mühlenführung einbinden. So beschäftigen sich zum Beispiel diverse Volkslieder mit dem Beruf des Müllers und in der Abteilung „Nahrungs- und Genussmittel“ können die Kinder allerhand über die verschiedenen Getreidesorten lernen.

Dass sie die Mühle 1997 – zwei Monate nach der ersten Besichtigung – direkt gekauft haben, bereut keiner der beiden. „Wir haben auch explizit nach einem älteren Gebäude gesucht“, verrät Anne Handrich. Ihr Mann ergänzt: „Ja, das stimmt. Und kleiner hatte es die Stadt nicht“, sagt er lachend. Und all die Arbeit, die sich das Ehepaar mit der Mühle macht, hat auch ihren Vorteil: Solch exklusives Wohnhaus haben wohl nur die wenigsten und gleichzeitig leisten sie ihren Beitrag zum Erhalt historischer Gebäude der Stadt.