Zählaktion

Einige Vögel machen sich rar

Den Wintervögeln gilt nun die Aufmerksamkeit. Bundesweit finden Zählungen statt. Auch die Steutzer Hortkinder beteiligten sich wieder daran.

Von Petra Wiese

Steutz l „Hast du eine Meise?“ – unter diesem Motto zählt ganz Deutschland derzeit wieder die Wintervögel. Letztes Wochenende fiel der Startschuss für die „Stunde der Wintervögel“ und jeder, der Lust und Zeit hatte, kann eine Stunde im heimischen Garten die Vögel zählen und die Zahlen per App, Internet oder auf dem Postwege melden.

Die Kita- und Hortkinder der Steutzer Kita „Sandmännchen“ nahmen zum dritten Mal an der Zählaktion teil. Wenn Hortbetreuerin Marie Henke ihren Schützlingen ankündigt: „Hey, wir zählen diese Woche wieder Vögel!“, wissen die Kinder sofort Bescheid, worum es geht und fiebern dem besonderen Ereignis entgegen. Eine Aktion, die mal nicht wegen Corona abgesagt oder verschoben werden muss, freuten sich die Kids.

Die kleinen Naturschützer kennen auch den Grund für die Zählaktion: „Wir müssen schauen, wie viele Vögel aus noch kälteren Ländern zu uns gekommen sind und welche durch Krankheiten verschwunden sind“, weiß Greta aus der ersten Klasse ganz genau. Was die Steutzer Vogelbeobachter sofort erkennen: „Also um Krähen müssen wir uns keine Sorgen machen, davon sind hier wirklich genug!“, sagt Sophia und lädt damit zum Schmunzeln ein.

Aber Kleiber und Rotkehlchen vermisste die Truppe auf der Tour durch Steutz, doch da gab es später noch Entwarnung. Ulrike Haarstrick berichtet von Tannenmeisen, Kleiber, Rotkehlchen, Kernbeißer, Buntspecht und anderen Arten in ihrem Garten. Das stimmte den Vogeltrupp positiv.

„Normalerweise zählt man an einem Ort und verharrt dort eine Stunde. Aber wir haben uns dieses Mal dafür entschieden, an unterschiedlichen Orten in Steutz nach dem Vogelbestand zu schauen“, erklärte Marie Henke. Spatzen waren an jedem der besuchten Orte reichlich vorhanden, an einem Wohnhaus zählten die Kinder 14 Sperlinge. Sieht man wenig später noch einmal zwei Sperlinge, bleibt es trotzdem bei 14, um das Ergebnis nicht künstlich in die Höhe zu treiben.

An anderer Stelle faszinierte ein Vorgarten, der bereits im Sommer auffiel. „Dieser Vorgarten blüht von März bis Oktober, und wir können fast das ganze Jahr verschiedene Insekten beobachten. Jetzt im Winter gibt es ein Vogelhaus und lädt die Meisen zum Futtermal ein“, lobte Marie Henke den naturfreundlichen Garten mitten in Steutz. Acht Blaumeisen und vier Kohlmeisen wurden dort gezählt.

Bei den derzeitigen Temperaturen ist die Vogelfütterung genau richtig, aber im März sollte das Vogelfutter auch wieder verschwunden sein. Die Jungvögel können dieses nicht verdauen und verenden noch im Nest. Die Altvögel nehmen natürlich lieber das Fast Food aus dem Vogelhaus für die Aufzucht und jagen keine Insekten mehr, die die Brut aber dringend benötigt. Somit bewirkt das gut gemeinte Vogelfutter genau das Gegenteil.

Zum Ende der Zählaktion traf die Gruppe an der Schule ein und wurde hämmernd von einem Specht begrüßt. Dieser wurde auch gleich noch in der Auflistung vermerkt.

Die bundesweite Zählaktion fand zum elften Mal statt und wird vom Naturschutzbund und dem Landesbund für Vogelschutz organisiert. Dieses Jahr nahmen bereits 40.000 Personen mehr teil als im Vorjahr. Vielleicht haben die Menschen, viele müssen zu Hause bleiben, diesmal einfach mehr Zeit zum Zählen.

Die Zählaktion lieferte auch schon erste Ergebnisse. Was die Steutzer Kinder feststellen, war bundesweit vorherrschend: Einige Vögel machten sich rar. Besonders Kernbeißer, Kleiber und Gimpel wurden nicht oft gezählt. Der Winterbestand ist unter anderem auf den Zuzug von den Artgenossen aus dem Norden abhängig und durch den europaweit milden Winter zählte man hier eher weniger.

Bereits erkennen lassen die bisherigen Meldungen, dass das Blaumeistensterben aus dem Frühjahr 2020 den Bestand hart traf. Pro Beobachtung wurden 16 Prozent weniger Blaumeisen gemeldet. Einen Zusammenhang zur Suttonella-Erkrankung ist jedoch noch nicht bestätigt.

Bundesweit steht der Haussperling auf der Rangliste auf Platz Nummer 1 mit 916.823 Artgenossen, gefolgt von der Kohlmeise auf Platz 2. Der Elenzeisig wurde dieses Jahr mit einem Zuwachs von 72 Prozent notiert und die Wacholderdrossel wies einen Zuwachs von 59 Prozent zum Vorjahr auf. Auch das Wintergoldhähnchen wurde dieses Jahr öfter gezählt, denn dieses weist derzeit einen Zuwachs von 86 Prozent auf. Jedoch gibt es auch Arten, die abnehmen: Eichelhäher, Fasan, Ringelgans.

Wer jetzt noch Lust bekommen hat, Vögel zu zählen, kann noch nachträglich teilnehmen und seine Ergebnisse bis zum 18. Januar melden. Einfach die App „Vogelwelt“ vom Nabu herunterladen. Die erfassten Daten tragen dazu bei, die heimischen Vögel besser zu schützen. Die „Stunde der Wintervögel“ ist die größte wissenschaftliche Mitmachaktion Deutschlands.

Mehr zu erfahren gibt es dazu auch im Internet unter www.nabu.de. Da finden sich auch umfassende Informationen zu den Vogelarten, Steckbriefe und Fotos, Rätsel für Kinder und mehr.