Zerbst/Walternienburg l Ende Juni stellte Christine Freckmann vom Hallenser Ingenieurbüro StadtLandGrün dem Stadtrat das erarbeitete ISEK vor. Es handelt sich um eine Fortschreibung des Zerbster Stadtentwicklungskonzeptes von 2008, das nun auch die 2010 eingemeindeten Ortschaften beinhaltet. Als Leitfaden und Entscheidungsgrundlage für zukünftige Maßnahmen sowie wichtige Basis zur Einwerbung von Fördermitteln charakterisierte die Diplom-Geografin das über 200 Seiten starke Papier, das noch um mehrere Anlagen ergänzt wird.

Nachdem sie es dem obersten Gremium der Einheitsgemeinde vorgestellt hatte, befassten sich die einzelnen Ortschaftsräte mit dem Konzept. „Wir haben alle Wünsche und Hinweise mitgenommen und eingearbeitet“, informierte Heike Krüger, Leiterin des Bau- und Liegenschaftsamtes. „Es sind gute Anregungen aus den Ortschaftsräten gekommen“, dankte sie den Bürgervertretern für die zielorientierte Diskussion, bevor Christine Freckmann im Bau- und Stadtentwicklungsausschuss nun die Ergebnisse ausführte.

Zielgerichtete Diskussionen

Einzelne Anmerkungen seien bereits in allgemeiner Form im Konzept enthalten, nannte sie die Parkettarbeiten im Lindauer Bürgerhaus als ein Beispiel. Dies sei unter „Erhaltung des Bürgerhauses“ mit aufgegriffen, erläuterte Christine Heckmann, dass diese Verallgemeinerung mehr Möglichkeiten zulasse. Manches wiederum konnte nicht berücksichtigt werden, da dies gesetzlich nicht möglich sei wie beispielsweise die Höherstufung eines landwirtschaftlichen Weges zu einer Gemeindestraße. Für anderes sei die Stadt nicht zuständig, spielte sie auf die dezentrale Trinkwasserversorgung beziehungsweise Abwasserentsorgung an. Allerdings hätten sie dies bei den vorhandenen Schwächen mit aufgelistet. Thomas Wenzel (FFZ), Ortsbürgermeister der Ortschaft Moritz, in der nicht wenige Grundstücke noch immer auf eine Anbindung ans zentrale Abwasserkanalsystem hoffen, hätte sich gewünscht, dass dies durchaus als formuliertes Zukunftsziel im Konzept auftaucht.

Neu als gesamtstädtische Maßnahme wurden die Kriegsgräber und -denkmale mit im ISEK aufgenommen, wie Christine Freckmann erläuterte. Detailliert ging sie auf die Anregungen aus den Ortschaften ein, die nach den jeweiligen Beratungen noch in das Konzept integriert worden sind.

Dazu zählt die Trinkwasser- und Stromversorgung für die frühere Bungalowsiedlung am Weinberg in Garitz. Hier erkundigte sich Alfred Schildt (Linke), was es damit genau auf sich habe. Wie Heike Krüger darlegte, handelt es sich mittlerweile um eine reine Wohnbaufläche, deren einzelne Grundstücke bislang jedoch nicht separat erschlossen sind. Die Suche nach einer Lösung mit den Strom- und Wasserversorgern laufe.

Vielfältige Wünsche in den Ortschaf

Den Gödnitzern fehlte im ISEK die Nachnutzung beziehungsweise Vermarktung der früheren Jungrinderanlage. Dies findet sich nun genauso im Konzept wieder wie der Wunsch nach einer Radwegeverbindung vom Gödnitzer See hin zum Elberadweg sowie die Umwandlung der Trafo-Türme in Eulentürme.

Unterdessen könnten sich die Gehrdener vorstellen, Handwasserpumpen an den drei alten Brunnen im Dorf zu errichten. Aber auch eine denkmalpflegerische Konzeption für das Großsteingrab liegt ihnen am Herzen. Zudem möchten sie die ortsbildprägenden Baumalleen erhalten – dies ist ein Anliegen, das sie mit den Dobritzern teilen, die darüber hinaus die Anregung zur Umnutzung und Vermarktung des Dobritzer Schlosses mit ins ISEK bekommen konnten.

Dieses beinhaltet fortan ferner die Hoffnung der Lepser auf einen Radweg entlang der Kreisstraße von Leps nach Eichholz. Eine Wasserentnahmestelle im Ortsteil Kermen wurde aufgrund des dort vorhandenen Hydranten indes verworfen. Daneben griffen die Stadtplaner unter anderem die Errichtung eines Wohnmobilstellplatzes in der Steutzer Flachswerksiedlung auf, um ein weiteres Beispiel zu nennen.

Eingang in das Konzept fand die Vision der Nedlitzer, die Brunnenstübchen des alten Wasserwerkes zu erhalten und die restlichen Objekte zurückzubauen. Vielleicht ließe sich dafür ein technisch interessierter Bürger begeistern, bemerkte Christine Freckmann. Wiederholt betonte sie, dass die Auflistung der Maßnahmen nicht bedeute, dass diese durch die Stadt realisiert werden. „Manchmal steht auch ein Verein oder ein Investor als Verantwortlicher dahinter“, erklärte sie. „Bei der Definition von Teilzielen ist nicht abzuleiten, dass wir sie selbst zeitnah umsetzen“, dämmte Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) ebenfalls die Erwartungshaltung an das Konzept.

Mit diesem wird sich heute als nächstes der Kulturausschuss auseinandersetzen, ehe am 17. Oktober der Hauptausschuss folgt.