Zerbst l Die Flucht Tausender DDR-Bürger über Ungarn, die Besetzung bundesdeutscher Botschaften in Warschau, Prag und Berlin, die immer kraftvoller werdende Bürgerrechtsbewegung, Demonstrationen, schließlich der Protestmarsch in Leipzig und schließlich die Absetzung der alten SED-Garde – die Ereignisse überschlugen sich in einem Tempo, dass es den Menschen gelegentlich den Atem verschlug.

30 Jahre ist das jetzt her. Im Januar 1989 rief Erich Honecker in die Kameras, die Mauer werde „noch in 50 und 100 Jahren“ stehen. Und niemand hatte zu dieser Zeit einen Grund, dies in Zweifel zu ziehen. Doch es kam anders.

Flucht über die Grenze

Im Sommer 89 kommt es zum Massenexodus über Ungarn gen Westen. Am 27. Juni schneiden die Außenminister Ungarns, Gyula Horn, und Österreichs, Alois Mock, medienwirksam ein Loch in den Stacheldrahtzaun an der Grenze. Am 19. August nutzen fast 700 DDR-Bürger ein „Paneuropäisches Picknick“ im grenznahen St. Margareten im Burgenland und in Sopron, um über die Grenze nach Österreich zu flüchten. Nach der offiziellen Grenzöffnung zwischen Ungarn und Österreich am 11. September werden es Tausende sein, die auf diesem Weg dem realexistierenden Sozialismus den Rücken kehren.

Und die, die da geblieben sind, wollten nicht mehr schweigen. Sie überwanden ihre Angst vor der Willkür der Mächtigen im ZK, im Politbüro und vor allem vor Erich Mielkes allgegenwärtiger Staatssicherheit.

Im Herbst, nach dem letzten Republik-Geburtstag haben sich die Ereignisse förmlich überschlagen. Erich Honecker wird abgesetzt und schließlich fällt am 9. November die Mauer – der antifaschistische Schutzwall wird überrannt.

Erinnerungen an die Zeit

Wie haben Sie diese spannende Zeit in Zerbst erlebt? Haben Sie selbst mit dem Gedanken gespielt, sich in Richtung Ungarn auf den Weg zu machen oder in der deutschen Botschaft in Prag Zuflucht zu suchen? Sind Familienmitglieder oder Freunde im Sommer 1989 in den Westen geflüchtet?

Haben Sie sich in Oppositionsgruppen engagiert oder waren Sie selbst an der Gründung einer solchen beteiligt? Haben Sie an Friedensgebeten und Demonstrationen in Zerbst teilgenommen? Besitzen Sie Fotos von den Zusammenkünften in den Kirchen oder von Demos aus jenen bewegten Tagen?

Oder waren Sie selbst bei der Polizei oder der Staatssicherheit beschäftigt? Haben Sie an die sozialistische DDR geglaubt oder waren Sie hin und her gerissen zwischen Ihrer Überzeugung, der Realität, Ihrem Job und den Menschen, die in den Kirchen und auf den Straßen Veränderungen fordern?

Rufen Sie uns an und erzählen Sie uns Ihre Geschichten und Erlebnisse aus jenen Wende-Tagen 1989. Sie erreichen uns unter 03293/73 69-24 (Daniela Apel), -25 (Paul Schulz) oder -26 (Thomas Kirchner).

Sie können sich auch gern unter der E-Mail Adresse redaktion.zerbst@volksstimme.de an die Lokalredaktion wenden oder persönlich bei uns in der Redaktion vorbeischauen. Hier wäre eine vorherige Terminabsprache von Vorteil.