Lindau l Mit der beginnenden Rübenernte endet die Ernte für die Landwirtschaft. Die Lindauer Landwirte der Agrico haben in dieser Woche mit der Ernte der süßen Wurzeln begonnen, bestätigte Vorstandsmitglied Peter Gottschalk. Auf rund 700 Hektar baut das Unternehmen die süßen Rüben an. Allzu groß sind die Zuckerrüben 2018 nicht, bestätigt er. Wie bei allen anderen Feldfrüchten habe auch die Zuckerrübe unter dem Wassermangel gelitten, erzählt er. Die wenigen Niederschläge in den vergangenen Wochen haben die Rüben ganz schön unter Stress gesetzt. Tagsüber sengende Hitze und wenig Wasser haben die robusten Pflanzen wenig wachsen lassen.

Keine großen Rüben

Große Zuckerrüben seien deshalb in diesem Herbst nicht zu erwarten. Allerdings sei der Zuckergehalt bei den Rüben in diesem Jahr höher als gewohnt, sagt er. Bei den ersten Stichproben hätten die Pflanzen einen Gehalt an Zucker von 20 Prozent und teilweise sogar mehr gehabt. „Das sind gut drei Prozent mehr als üblich.“ Die Zuckerfabriken beginnen demnächst ihre Produktion, weiß Peter Gottschalk.

Die Zuckerrübenernte wird sich in den Unternehmen bis in den Dezember hinziehen. Denn die Erntemaschine schaffe nur gut einen Hektar pro Stunde, sagt er. Wie sich die Preise für die Zuckerrüben entwickeln, müsse zudem abgewartet werden. In Sachsen-Anhalt hatten die Landwirte nach Einschätzung der Landesregierung besonders unter der Dürre zu leiden. Im Schnitt betrug die Ernte mehr als 30 Prozent weniger als in durchschnittlichen Jahren. Das sei auch bei den Lindauern so gewesen. Vor allem im Mais seien die Erntemengen deutlich geringer gewesen. Wichtig ist dies für die Lindauer, da sie mit einem Milchviehbetrieb verbunden sind. Auf ihren Flächen bauen die Lindauer dafür den Mais an, damit die Kühe das Jahr über etwas zu fressen haben. Die Ernte auf den eigenen Flächen habe diesmal dafür nicht ausgereicht, bestätigt Peter Gottschalk. Der Betrieb habe aber die Ernte eines anderen Unternehmens zukaufen können. „Damit kommen wir über das Jahr.“

Wetter spielt eine Rolle

Nicht nur die Milchviehbetriebe haben Sorgen wegen der geringen Maisernte. Die geringe Ernte trifft ebenso die Biogaserzeuger, die aus dem Mais in großen Reaktoren Methan produzieren. Teils als Gas oder als Strom über die Verbrennung in Generatoren wird die dabei erzeugte Energie genutzt.

Der diesjährige Sommer könnte auch die Diskussion um die größere Verbreitung von künstlicher Beregnung beleben, schätzt der Lindauer Landwirt ein. Das Unternehmen setzt auf die künstliche Bewässerung bereits beim Spargelanbau. Das sei notwendig, um die entsprechenden Qualitäten und Mengen zu erzeugen. Im konventionellen Landbau registrieren die Lindauer aber ebenso eine Zunahme der Regner auf den Feldern. Beim Anbau von Kartoffeln seien die Regner unerlässlich in der Region, weiß Peter Gottschalk. Allerdings sei rund um Lindau nicht so einfach, die entsprechenden Genehmigungen zu erhalten. Lindau liegt im Einzugsbereich der Trinkwassergewinnung. In der Kleinstadt steht ein wichtiges Trinkwasserwerk. Die anhaltende Dürre führte in diesem Sommer dazu, dass die Landwirte das Wasser nicht mehr aus der Nuthe nehmen durften. Die Wasserrechte würden vorübergehend ausgesetzt. Das könne auch in Zukunft immer wieder geschehen, räumt er ein.

Wochenlange Trockenheit

Die wochenlange Trockenheit habe zudem dazu geführt, dass der Grundwasserspiegel deutlich abgesunken sei. „Wir brauchen jetzt im Oktober und November reichlich Niederschläge, um die Grundwasserspeicher im Boden wieder aufzufüllen“, wünscht er sich. Bislang liegen die Regenmengen deutlich unter den Durchschnittswerten. Auch im September blieben die Niederschläge unter den Erwartungen zurück.

Das wirke sich bereits auf die Pflanzen aus, die die Landwirte für das kommende Jahr auf den Feldern haben. Aktuell, beschreibt er, seien die jungen Rapspflanzen zahlreichen Schädlingen gleichzeitig ausgesetzt. Wie sich die Kultur entwickle, bleibe abzuwarten.

Beihilfen gefordert

Damit die landwirtschaftlichen Unternehmen die Ernteverluste überstehen können, sollen sie staatliche Hilfen erhalten. Mit einer schnellen Zahlung von Beihilfen rechnet der Lindauer aber nicht. Aktuelle seien die Bürokraten dabei, das notwendige Regelwerk für die Hilfen zu entwickeln. Das werde entsprechend dauern. Vor Dezember rechne er nicht mit den notwendigen Vorschriften für die Zahlung von Beihilfen.

Trotzdem laufen in den Unternehmen die Kosten weiter. Die Felder müssen für die folgenden Kulturen bestellt werden, die Mitarbeiter müssen bezahlt werden. Vor diesem Hintergrund warten zahlreiche Betriebe auf die angekündigten Beihilfen, um über die Runden zu kommen. Ob die Lindauer auch zu den Empfängern zählen werden, ließ Peter Gottschalk offen. Das hänge vor allem von den Bedingungen für die Hilfen ab, sagte er. Ohne Regelungen sei dies schwer zu sagen.