Zerbst l Den 10. Juli 2019 wird Anne Kauert nicht vergessen. Es ist mitten in der Nacht, gegen 1.30 Uhr, dass sie einen Anruf von der Polizei erhält. Da brennt der Dachstuhl ihres Eiscafés in der Fritz-Brandt-Straße bereits lichterloh. 20 Kameraden der Zerbster Feuerwehr versuchen zu retten, was noch zu retten ist.

Als Anne Kauert eintrifft und den Wasserstrahl sieht, mit dem die Einsatzkräfte den Brand bekämpfen, realisiert sie erst, was da gerade geschieht. „Da wird dir bewusst, dass deine Existenz brennt“, blickt die 32-Jährige zurück.

Glück im Unglück

Erst im März 2018 hatte die gelernte Floristin das Eiscafé übernommen und sich eine neue berufliche Existenz aufgebaut. Nun mitten in der Hauptsaison muss sie hilflos zusehen, wie ihr Café ein Opfer der Flammen wird. „Dabei hatten wir Glück im Unglück“, sagt sie heute. Denn das Untergeschoss des Fachwerkbaus vor der Stadtmauer bleibt völlig unbeschadet. Im Dachgiebel, wo das Feuer ausgebrochen ist, sieht es anders aus. Der Schaden dort ist enorm.

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Um die Ursache zu klären, rücken Kriminalpolizei und Brandermittler an. Brandstiftung wird zunächst nicht ausgeschlossen, denn die Hintertür des Cafés ist aufgebrochen worden. Inzwischen geht die Polizei nicht mehr von einem Fremdverschulden aus. Nach Aussage von Daniel Eckert, dem Pressesprecher des Polizeireviers Anhalt-Bitterfeld, ist ein technischer Defekt Auslöser gewesen. Eine Eistruhe soll demnach das verheerende Feuer verursacht haben.

Nicht vom Schicksal unterkriegen lassen

Während die Reparaturarbeiten starten, ist Anne Kauert froh, wenigsten im Zerbster Erlebnisbad als neue Betreiberin des dortigen Kiosks eine Einnahmequelle zu haben. Trotzdem: „Wenn das Hauptstandbein nicht funktioniert, kratzt das an der Substanz“, gesteht die 32-Jährige.

Mitte August sind die Dachdeckerarbeiten am Eiscafé abgeschlossen und Anne Kauert kann zunächst zumindest den Straßenverkauf aufnehmen. „Und den Leuten zeigen, dass dich das Schicksal nicht unterkriegt“, ergänzt die junge Frau. Zuversicht liegt in ihrer Stimme, während sie entspannt lächelt.

Positive Resonanz von den Kunden

Grund dazu hat sie. Denn seit dem 3. November ist das Café nun wieder komplett geöffnet. Und gleich am ersten Tag sind rasch alle Sitzplätze belegt. „Es war eine sehr positive Resonanz, viele Kunden haben gratuliert“, freut sich Anne Kauert über Zuspruch und moralische Unterstützung. Sie ist glücklich, dass endlich sämtliche Arbeiten am Haus abgeschlossen sind. „Nun kehrt der Alltag wieder ein“, sagt sie und stürzt sich gut gelaunt in die gewohnte Routine.

Das Kuchenbacken gehört dazu. „Den mache ich selber“, verrät die 32-Jährige. Auch die Waffeln, die während der Wintersaison angeboten werden, sind genauso hausgemacht wie die Salate, die es zum Brunch gibt. Das Eis hingegen wird geliefert. Um eigenes herzustellen, fehlt Anne Kauert in dem kleinen Gebäude am Eingang zum Schlossgarten einfach der Platz.

Brand hinterlässt Spuren

Sie blickt nun wieder entspannter in die Zukunft, auch wenn der Brand seine Spuren hinterlassen hat. „Eine innere Unruhe ist immer da, dass wieder etwas passiert“, verrät die junge Frau. Dass womöglich erneut ein Einbruch geschieht oder gar noch Schlimmeres. Aber das will Anne Kauert nicht hoffen.