Zerbst l Denn die Stärkung des Immunsystems sei wichtig im Kampf gegen Corona, findet der Inhaber des Gesundheitscenters Fitnessworld Zerbst. „Wir haben einzelne Kunden, die bereits an Corona erkrankt waren und merken, wie wichtig es ist, wieder aktiv zu werden“, erzählt Mike Keller. Sie seien froh, dass sein Gesundheitscenter geöffnet ist. „Um mal zehn Minuten auf dem Laufband Herz-Kreislauf-Training machen zu können“, nennt er ein Beispiel.

Sport und Bewegung seien wichtig, um die körpereigenen Abwehrkräfte und das Immunsystem zu stärken, betont Mike Keller immer wieder. Im Kampf gegen die Virus-Pandemie betrachtet er dies als ein wirksames Mittel. Aus dem Grund kann er nicht verstehen, warum Fitnessstudios da geschlossen werden.

„Sie sind nicht das Problem, sondern Teil der Lösung“, kann Mike Keller diese Entscheidung absolut nicht nachvollziehen. Vielmehr fragt er sich, ob es den Politikern bei all den Einschränkungen und Vorgaben tatsächlich um die Gesundheit der Bürger geht. Er vermisst den Präventionsgedanken, der über das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes und dem Einhalten der Abstandsregeln hinaus geht.

Eindämmungsverordnung gewährt Ausnahmen

„Wir wollen die Menschen auf keinen Fall gefährden, ganz im Gegenteil“, sagt Mike Keller. Er erzählt vom Hygienekonzept, das seit Monaten umgesetzt werde. Das beinhaltet unter anderem, dass die Kunden automatisch ein- und auschecken, womit alle Kontaktdaten erfasst werden, und natürlich ebenfalls, dass sie getrennt voneinander trainieren.

Dass dies während des aktuellen Lockdowns überhaupt möglich ist, hängt mit den gesetzlichen Nischen zusammen.So musste Mike Keller wie jeder Betreiber sein Fitnessstudio im November schließen. Der integrierte Reha-Sport-Verein indes durfte weitermachen. Wer eine ärztliche Reha-Verordnung bestätigt von der Krankenkasse besaß, konnte weiterhin trainieren. Seit 11. Januar ist nun allerdings auch der Reha-Sport verboten

Einen Tag später trat dann in Sachsen-Anhalt die inzwischen neunte Eindämmungsverordnung in Kraft. In Paragraph 8 ist dort geregelt, dass „kontaktfreier Individualsport allein, zu zweit oder mit dem eigenen Hausstand“ erlaubt ist. Auf diese Ausnahme beruft sich Mike Keller.

„Wir möchten die kleinen rechtlichen Mittel nutzen, um unseren Kunden Gesundheitstraining anzubieten“, sagt er. In der Praxis sieht dies so aus, dass aufgrund der Größe des Studios pro Stunde maximal drei Paare zeitgleich trainieren können, wie Mike Keller schildert.

Christel und Detlef Sanftenberg gehören zu jenen, die das Angebot nur zu gern in Anspruch nehmen. „Wenn wir nichts machen, fehlt uns was“, gestehen die Beiden. „Passivität ist kontraproduktiv“, weiß Mike Keller. „Um den Körper belastungsfähig zu machen, muss ich dem Körper was anbieten“, spricht er aus langer beruflicher Erfahrung.

Mike Keller erzählt von den vielen älteren Kunden, von den über 60-, 70- und 80-Jährigen, die schnell spüren, wenn sie nicht trainieren können. „Sie beklagen Bluthochdruck, Rückenschmerzen und den Verlust der Muskelkraft und sie bekommen mehr Gelenkbeschwerden“, sagt er. Nicht zuletzt fehle der soziale Kontakt, gibt er zu bedenken.

Mike Keller kann über einige politische Beschlüsse deshalb einfach nur den Kopf schütteln. „Profi-Sport findet statt, aber unseren Kindern wird der Vereinssport verboten“, sagt er. Genauso ärgert ihn, dass Fitnessstudios immer noch der Ruf einer Muckibude anhängt. „Wir helfen Menschen gesünder, leistungsfähiger und fitter zu sein“, betont Mike Keller.

Wirtschaftlich schwierige Zeit

Unterdessen sind die meisten Geräte in seinem Studio verwaist. Die wirtschaftlichen Einbußen sind hoch, die gewährten finanziellen Hilfen nur ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn sie denn fließen. „Die November-Hilfe kam“, sagt Mike Keller. 75 Prozent vom Netto-Monatsumsatz des Vorjahres seien das gewesen, der Lohn dabei abgezogen worden, erzählt er.

Auf die beantragte Unterstützung für Dezember wartet der Inhaber der Fitnessworld bislang noch. Unterdessen laufen die Fixkosten weiter. Auch die Einnahmen durch die Individualsportler – Mitgliedsbeiträge werden derzeit nicht erhoben – decken längst nicht die Ausgaben für die Öffnung des Gesundheitscenters. Trotzdem hat sich Mike Keller ganz bewusst dazu entschlossen.