Lindau l Der Geburtstag von Schulleiterin Margitta Sens, war für den Lindauer Ortsbürgermeister Helmut Seidler und seinen Stellvertreter Volker Schub Grund genug, mal wieder einen Abstecher an die Grundschule An der Burg zu machen. Ihren 65. feierte die Deetzerin. „Ich bedauere aufrichtig, dass sie nicht 25 geworden sind“, sagte Helmut Seidler – „wegen ihrer kämpferischen Grundhaltung.“ Dabei dachte der Ortsbürgermeister an all die Dinge in Sachen Schule, die man bisher noch nicht in den Griff bekommen habe.

„Etliches haben wir aber schon auf die Reihe gekriegt“, lobte er das Engagement von Margitta Sens. „Ich bin sehr glücklich, den Ortsbürgermeister an meiner Seite zu haben“, sagte sie ihrerseits. Aber auch über die Unterstützung von Volker Schub ist sie froh.

Kampf ums digitale Klassenzimmer

Ein Beispiel, was gemeinsam gelungen ist, ist die Turnhalle. Dass das leidige Problem des Fußbodens nach 2019 verschoben wurde, bedauert der Ortsbürgermeister. Auch den Kampf um das digitale Klassenzimmer führten Seidler und Sens gemeinsam, wie sie auch das Ansinnen verfolgen, dass staatliche Schulen genauso ausgestattet werden, wie die in freier Trägerschaft. Jetzt bräuchte Seidler die engagierte Schulleiterin für die GroKo. Im Koalitionsvertrag geht es unter anderem um Ganztagsschulen im Grundschulbereich. Das ist ganz im Sinne des Ortsbürgermeisters. Eine Vorschule gehört in die Grundschule integriert. Sens und Seidler sind sich einig, dass das besonders für die Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern wichtig wäre.

Zur Umsetzung solcher Anliegen würde das Lindauer Schulensemble mit dem ehemaligen Sekundarschulgebäude eigentlich ideale Bedingungen bieten. Wenn nur Stadt und Landkreis mitspielen würden... „Es wäre schön gewesen, dass mit ihnen weiter zu verfolgen“, sagte Helmut Seidler.

Zum Schuljahresende scheidet Margitta Sens aus dem Schuldienst aus. Die Schulleiterstelle in Lindau ist ausgeschrieben. Margitta Sens hofft, den Staffelstab an einen motivierten Nachfolger/in übergeben zu können.

Herz für den Chor

Ihren Dienst als Lehrerin trat sie 1973 für zwei Jahre in Nedlitz an. Dann unterrichtete sie 25 Jahre in Deetz. Als die Schule geschlossen wurde, ging sie nach Zerbst und war sieben Jahre an der Grundschule im Ankuhn. Mit dem Schuljahr 2009/10 übernahm sie die Lindauer Grundschule An der Burg als Leiterin. „Ich bin sehr glücklich hier“, sagte sie. Ein besonderes Augenmerk hat sie immer auf das Singen gelegt. „Ich hatte immer einen Chor“, sagte sie und freut sich, dass es zur Zeit 19 Mädchen und Jungen sind, die bei den „Burgkids“ mitmachen. „Die Auftritte sind eine echte Bereicherung“, findet auch der Ortsbürgermeister.

Ein großes Herz hat Margitta Sens für die Kollegen. Sie freut sich über das tolle Team. Aber die Personaldecke ist dünn. „Es muss was passieren“, so Margitta Sens. Ausfälle können kaum kompensiert werden. Die Kollegen sind mit Vertretungsstunden überlastet. Durch die Integration von Kindern mit emotional-sozialen Entwicklungsstörungen müsste eigentlich jeden Tag ein Förderlehrer an der Schule sein.

Auch braucht jede Schule eine pädagogische Mitarbeitern, findet Margitta Sens. Sie kritisiert, dass Aufsichtsstunden in der sechsten Stunde nicht als Stunden angerechnet werden. Der Lindauer Grundschule fehlt außerdem ein Hausmeister – so muss die Schulleiterin selbst in den Keller steigen, um den Ölstand für die Heizung zu überprüfen etc. Auf Kosten der Kinder wird gespart, das darf nicht sein.

In ihrem Ruhestand möchte Margitta Sens ihre Zeit nur noch mit den Menschen verbringen, die ihr wichtig sind, kündigte sie an. „Zeit ist für mich das wichtigste“, erklärte sie. Ihre verbleibende Amtszeit wird sie nutzen, um die Schule zum Wohle der Kinder weiter voran zu bringen.