Lindau l  Die Jubilarin hat nicht nur schöne Erinnerungen – besonders an die Zeit des Zweiten Weltkrieges, als sie beinahe verhaftet wurde. Der Zweite Weltkrieg hat Ilse Bredin, geborene Lerche, etwas gegeben, aber auch fast ihre Freiheit genommen: Ihren Mann Leopold erhielt sie aus dem Krieg zurück, doch dieser verlorene Krieg brachte sie beinahe ins Gefängnis.

Kurz vór der Verhaftung

1947 kehrte ihr künftiger Mann, Leopold Bredin, aus russischer Gefangenschaft zurück nach Deutschland. 1944 wurde Ilse Bredin als Flakhelferin eingezogen und in Bochum stationiert. Als die Amerikaner kamen, um Deutschland von den Nationalsozialisten zu befreien, äußerte Ilse Bredin, der Krieg sei vorbei – daraufhin sollte sie vor das deutsche Kriegsgericht gestellt werden. Doch die amerikanischen Soldaten kamen immer näher, alle Flakhelferinnen mussten fliehen und wurden schließlich nach Hause geschickt.

Mittlerweile ist Ilse Bredin die älteste Einwohnerin in Lindau. Woher sie das weiß? „In der Provinz kennt man sich und weiß, wer die Ältesten sind“, erklärt Gudrun Rosenauer, Ilse Bredins Tochter. Sie wohnt seit 1972 mit ihrer Familie im Haus ihrer Mutter in Lindau. Dieses hatte Ilse Bredin bereits 1960 gekauft und um- sowie ausgebaut.

Bilder

Seit Ilse Bredin die achte Klasse beendete, war sie angestellt: erst als Hausmädchen auf einem Landgut in Voigtstedt, später half sie ihrem Mann Leopold, der Schäfer war, bei der Schafzucht. Einen Beruf konnte sie nie erlernen, dafür reichte das Geld nicht aus. Als einzige Tochter, mit zwei jüngeren Brüdern, waren die Eltern der Ansicht, sie werde schließlich heiraten und sei damit versorgt. Sie sollten mit dem Heiraten Recht behalten.

Ilse lernte 1947 Leopold Bredin in Karith, einem heutigen Ortsteil der Stadt Gommern, kennen. 1949 heiratete das Paar. Noch im gleichen Jahr wurde ihre erste Tochter, Gisela, geboren. Tochter Gudrun folgte 1952.

Mittlerweile ist Ilse Bredin vierfache Oma und siebenfache Uroma. Ihre Urenkel besuchen sie regelmäßig in Lindau. „Sie ist ein totaler Familienmensch“, sagt Tochter Gudrun über ihre Mutter. „Die Urenkel sind sehr lieb zu ihr: Sie streicheln ihre Hand und erzählen ihr, was sie beschäftigt und was sie draußen sehen.“

Draußen, da hielt sich Ilse Bredin als junge Frau gerne im Garten auf. „Wenn meine Mutter mich in den Garten gerufen hat, war das der Horror, weil ich stundenlang beim Unkrautzupfen helfen musste“, gesteht Gudrun Rosenauer. Früher hasste die 65-Jährige die Gartenarbeit, heute bereite sie ihr Spaß, sagt sie.

Und noch immer fragt Ilse Bredin täglich, was der Garten mache. Ihre Tochter erzählt ihr dann, welche Blumen gerade blühen oder welches Gemüse wächst. Wäre es nach Ilse gegangen, hätte sie gerne eine Lehre zur Gärtnerin oder Floristin gemacht. Doch als ältestes Kind der Familie, noch dazu als Mädchen, habe sie stets im Haushalt helfen müssen, erklärt Gudrun Rosenauer.

Familienfeier geplant

Früher stickte Ilse Bredin wahre Kunstwerke – vor allem Landschaften, die wie gemalt aussahen. Ihre Töchter halten die Werke in Ehren, sie hängen noch immer im Flur und der Wohnstube – auch wenn Ilse Bredin sie nicht mehr ansehen kann. Aber feiern, das hat sie vor: am 19. April mit Freunden und Bekannten aus der Nachbarschaft. Am Wochenende soll ein gemeinsames Mittagessen in Zerbst mit der ganzen Familie folgen – und anschließend ein Bad im Minipool in Omas Garten für die Urenkel.