Zerbst l Imposant steht Katharina seit gestern am Ende der Treppe zum zweiten Obergeschoss des Schlosses und erwartet die Gäste. Ein bisschen düsterer vielleicht, als es der Freundin der Aufklärung angemessen wäre. Denn in Frankreich, dem Heimatland der Aufklärung, deren berümten Vertreter Voltaire Katharina als Zarin Zuflucht gewährte, ist es das Zeitalter des Lichtes.

Natürlich steht die große Tochter der Stadt nicht leibhaftig dort, dennoch bringt die in Schwarz gehaltene, filigrane metallene Figur ein Stück Glanz in das Gebäude zurück, das im Krieg und den Jahrzehnten danach bis zur Unkenntlichkeit zerstört wurde und seit Jahren in mühevoller Kleinarbeit vom Förderverein schrittweise sein altes Gesicht zurückgekommt.

Gespendet wurde die lebensgroße Figur von der Zerbster Firma Z-Blech. Die hatte zur Gewerbefachausstellung 2016 ein Modell von Katharina vorgesetellt - und Stadt und Förderverein damit auf die Idee gebracht, eine solche Figur im Schloss aufzustellen. Konstrukteurin Simone Reimann entwarf das Bildnis und die Lehrlinge des Unternehmens haben unter ihrer Regie dem Metall die Figur entlockt. Gestern hat sie gemeinsam mit dem Geschäftsführer von Z-Blech, Joachim Gerland, und Prokuristin Kathrin Kusch die Katharina an Stadt und Förderverein quasi als Jubiläumsgeschenk übergeben. Denn der Förderverein Schloss Zerbst feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen.

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Zerbster Aushängeschild

Für Stadt und Verein ist die Katharina-Figur ein Glücksfall. Wollen sie sich doch auf die berühmte Tochter, die im Übrigen als einzige weibliche Herrscherin den Titel „die Große“ trug, konzentrieren, um Werbung für Zerbst zu machen. „Zerbst hat es nicht leicht. Dass es eine wichtige Stadt der Reformation ist, glaubt uns keiner. Wir haben es schwer gegen Wittenberg und Eisenach. Und was das Barock angeht, da haben wir Fasch. Vielen muss man erst erklären, dass das nichts mit Fasching zu tun hat. Womit wir sie aber alle kriegen, ist Katharina“, rührte gestern Dittmann die Werbetrommel für die Stadt.

Auch der Zeitpunkt für das Geschenk ist glücklich. Denn wenn das Katharina-Forum, der deutsch-russische Wirtschaftsdialog des Landes Sachsen-Anhalt, 2018 im Zerbster Schloss stattfindet, ist Katharina schon da. Und das, so hofft Dittmann, könnte das Portemonnee des einen oder anderen russischen Unternehmers öffnen und die Bereitschaft steigen lassen, die Sanierung des Schlosses finaniell zu unterstützen. „In Russland ist Katharina nahe an Heiligenverehrung. In der Epoche ihrer Regentschaft gab es enorme Umwälzungen zum Positiven“, so Dittmann.