Gehrden l Die Chancen stehen jedoch schlecht, das Gehrdener Hünengrab attraktiv herzurichten, wie sich bei der Sitzung des Ortschaftsrates am Dienstagabend herausstellte. Schon seit Jahren ist die Anlage Thema. Sie soll ordentlich aussehen, zugänglich gemacht und für Touristen interessant werden. Finanzielle Mittel waren im städtischen Haushalt eingestellt. „Jetzt sind wir an dem Punkt, wo wir nicht mehr weiterkommen“, machte Kerstin Gudella, Amtsleiterin in der Zerbster Stadtverwaltung den Gehrdenern deutlich. „Wir hatten viel vor und mussten erkennen, dass gar nichts geht.“

Sachbearbeiterin Manuela Plickat ließ noch einmal die Bemühungen, dieses Projekt voranzutreiben, Revue passieren. Im April 2018 habe die erste Beratung mit der Verwaltung, dem Ortschaftsrat, der B & A Beschäftigungsgesellschaft und dem Denkmalschutz stattgefunden. Im Juli gab es dann einen Maßnahmeplan, um entsprechende Mittel für 2019 zu beantragen. Vieles sollte in Eigenregie stattfinden. Einige Arbeiten sollte der Bauhof durchführen. Die denkmalrechtliche Genehmigung sollte 2019 eingeholt werden.

Kostenschätzungen für zwei Varianten

Das Ingenieurbüro Wasser und Umwelt wurde beauftragt, alles für die Genehmigung zu erarbeiten. Fördermöglichkeiten wurden geprüft. Im März 2019 lagen Kostenschätzungen für zwei Varianten vor. Einmal in Höhe von 41.000 Euro und einmal für 48.000 Euro. Literaturrecherchen, Lageplan, geplante Maßnahmen etc. – alles wurde an den Denkmalschutz weiter gegeben. Im September des vergangenen Jahres fand dann ein Ortstermin mit der Vertreterin der Archäologie statt.

Da zeichnete sich gleich ab, dass die Pläne nicht umsetzbar sein würden, was zuletzt im Februar dieses Jahres per Mail bestätigt wurde. Ein Flächen- oder Bodenabtrag wurde abgelehnt. Wenn, dann müsste die Initiative vom Landesamt ausgehen.

Immerhin wurde doch noch das Interesse der Ortschaft ausdrücklich begrüßt, hier aktiv zu werden. Eine fortlaufende Bestandsaufnahme über zwei Jahre – die Bewuchs, Moosbildung und andere Veränderungen zeigt – könnten lokale Kräfte übernehmen. Vielleicht wäre dann das wirklich große Interesse der Ortschaft erkennbar und für das Jahr X würden vielleicht Mittel für Gehrden beim Landesamt eingeplant, meinte Manuela Plickat.

„Wir sind als Stadt völlig raus und haben keine Möglichkeiten mehr“, brachte es Kerstin Gudella auf den Punkt, regte aber an, Interesse bei einem Dachverband oder ähnlichem zu wecken, der finanzielle Möglichkeiten hat und als Projektträger auftritt.

Stadt pflegt Anlage weiter

Die Stadt werde sich bemühen, die Anlage weiterhin zu pflegen, so Gudella. Die schon eingeplanten Mittel aus dem Haushalt könnten zumindest noch für eine neue Tafel – die alte ist nicht ganz korrekt und soll deshalb in Zusammenarbeit mit dem Museum der Stadt Zerbst überarbeitet werden – und eine Sitzgruppe zur Verfügung gestellt werden. Letztere dürfe auch nicht irgendwo aufgestellt werden, sondern nur mit Genehmigung. Auch eine Fläche kann dafür nicht gepflastert werden. Man müsse also unbedingt jemanden finden, der meint, dass das Gehrdener Hünengrab von enormer Bedeutung ist, fasste es Ortsbürgermeister Michael Baumgart zusammen. „Ansonsten müssen wir sehen, dass wir wenigstens die beiden Sachen – Tafel und Sitzgruppe – hinkriegen“, sagte er, „alles andere ist Zukunftsmusik“.

Gerade zur Ratssitzung war die Anlage frisch gemäht worden. Ulf Golze fand, dass das „okay aussieht“. Mit Tafel und Sitzgruppe sei das völlig ausreichend, sagte er. Weitere Gelder könnte man auch woanders nutzen. Auch eine fortlaufende Bestandsaufnahme hielt er nicht für nötig. Das Gelände müsse nur ordentlich gepflegt werden.

Das unter Denkmalschutz stehende Hünengrab befindet sich auf der Westseite von Gehrden. Von ursprünglich 65 Steinen sind noch 58 erhalten. Diese der Trichterbecher- kultur zuzuschreibende Kult- und Begräbnisstätte ist eine der letzten erhaltenen jungsteinzeitlichen Anlagen in der Gegend. Entstanden ist das Hünengrab zwischen 3500 und 2800 v. Chr.