Strinum l Die Nuthe soll für Fische durchgängiger werden. Das zeigte der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) gestern bei einem Vor-Ort-Termin bei Strinum. Die Nuthe verlor dort einige Staustufen, zeigten die Mitarbeiter dem Umweltstaatssekretär Klaus Rehda (Grüne) bei einem Besuch vor Ort.

Die Nuthe zieht sich gleich mit mehreren Armen durch das Zerbster Umland. Das kleine Gewässer führt dabei das Wasser vom Fläming in die Elbe. Früher konnten die Fische die Nuthe durchgängig durchschwimmen, bis der Mensch den Fluss und das Wasser für sich entdeckte und nutzbar machte. Immer wieder wurde die Nuthe angestaut, um die Wiesen und Felder zu bewässern oder um Mühlen anzutreiben. In der Praxis sind die Staustufen, auch wenn sie klein sind, für die Fische unüberwindlich.

Fische kehren zur Nuthe zurück

Bei Strinum hat sich dies im vergangenen Jahr geändert, zeigten die Mitarbeiter des LHW vor Ort an der Buschmühle. Hier erhielt die Nuthe ein neues Laichbett. In der Vergangenheit wurden bereits Lachse in der Nuthe ausgesetzt. Zielstrebig kehrten die Fische, die eigentlich in den Weltmeeren leben, in ihre Kinderstube in der Nuthe zurück, um sich dort ihre Eier abzulegen. Zwar ist die Population noch überschaubar, sagten die Fachleute gestern. Dennoch machen die Beobachtungen Mut und ermunterten zu weiteren Arbeiten an der Nuthe.

Nur wenige Kilometer vor Strinum soll in der Zukunft ein weiteres Hindernis abgebaut werden, kündigte Karl-Heinz Jährling an. Vor Strinum soll die Nuthe in Zukunft ein anderes Bett erhalten und wieder natürlich über die Wiesen fließen. Durchgängig für Fische erreichbar soll das kleine Gewässer dann mindestens bis nach Lindau werden, kündigte er an. Das LHW wolle demnächst die Mittel für die Umsetzung des Projektes beantragen, sagte er weiter. Mit mehr als einer halben Million Euro Kosten rechne er dabei.

340.000 Euro Kosten

Das Bauvorhaben an der Buschmühle hatte das Land rund 340.000 Euro insgesamt gekostet, sagte er. Für den Umbau der Gewässer und den Abbau von Barrieren stellt auch die Europäische Union Geld zur Verfügung. Je nachdem wie schnell die Mittel verfügbar seien und bewilligt werden, wolle das LHW seine Planungen in die Tat umsetzen. Das Vorhaben an der Buschmühle brauchte einen langen Atem. Bereits vor zehn Jahren gab es die ersten Absichtserklärungen zur naturnahen Gestaltung der Nuthe, erinnert sich der Landwirt Peter Gottschalk. Er unterstützte das Vorhaben und begleitete es.

In den zurückliegenden Jahren haben auch Fachleute für die Fischpopulation beobachtet, wie die Wassertiere auf den Umbau der Nuthe reagiert haben. Schon nach der ersten Entfernung von Barrieren seien die Fische viel weiter in der Nuthe auf der Suche nach Laichplätzen geschwommen. In den vergangenen Jahren habe die Zahl der Tiere deutlich zugenommen. Dennoch werde an der Nuthe noch künstlich ein Besatz mit Lachsen durchgeführt, um mittel- bis langfristig einen festen und größeren Bestand aufzubauen.

Auch Forellen in Nuthe

Über die Elbe schwimmen die Lachse nach ihrer Kindheit in der Nuthe bis in die Nordsee und von dort in den Atlantik. Jahre später kehren sie dann wieder zurück. Neben den Lachsen nutzen auch Forellen die Nuthe und sind dort anzutreffen. Immer wieder wurde die Nuthe in den vergangenen Jahren befischt, um die Artenvielfalt zu dokumentieren.

Allerdings macht den Fischen die Trockenheit auch hierzulande zu schaffen. Die Nuthe führt aktuell nicht sehr viel Wasser. Ist der Wasserstand niedrig, schwimmen die Fische nicht aus der Elbe in die Nuthe. Erst bei steigenden Wasserständen kommen auch die Fische, zeigen die Beobachtungen der vergangenen Jahre. Für den weiteren Umbau zu naturnahen Gewässern sprach sich der Staatssekretär Klaus Rehda aus. Die Trockenheit mache vielen auch bewusst, wie wichtig die kleinen Gewässer für die Natur sind. In der Zukunft werde die Wasserwirtschaft sicherlich noch eine bedeutendere Rolle einnehmen, meinte er. Vor allem wenn es dauerhaft in der Region trockener werden sollte, rücken auch die kleinen Gewässer mehr in den Fokus vieler Menschen. Ein funktionierendes Gewässersystem sei dann in der Zukunft wichtig.