Auf drei Rädern unterwegs

Jeder hat sein Steckenpferd: Hans-Günther und Ines Beelitz sind unter die Triker gegangen

Zerbst (pwi)

Drei Räder sind besser als zwei. Das haben Hans-Günther Beelitz und seine Frau Ines für sich entschieden, als sie im Frühjahr 2019 ein Trike erwarben. Trike, das kommt von Tricycle - ein motorisiertes Dreirad oder dreirädriges Motorrad. Ein 1,6 Liter Käfer-Boxer-Motor, 54 PS unter der Haube – ein Traum in rot, mit dem sie unterwegs sind. Bei schönem Wetter, im Urlaub, an Wochenenden, wenn es die Zeit erlaubt. Gemütlich dahin cruisen und dabei die Natur genießen.

Am Beginn des motorisierten Hobbys stand ein Motorrad. Eine Goldwing hatte es Hans-Günther Beelitz angetan. „So eine Maschine hat mich schon immer fasziniert“, sagt er. 2017 auf einer Messe habe er dann nach stundenlangem Überlegen zugeschlagen. Den Sommer 2018 lang dauerte die Liaison. „Meiner Frau war es hinten drauf immer etwas unwohl“, erzählt er. Auch selber habe er zu tun gehabt, die fast 400 Kilo-Maschine zu halten.

Die Goldwing ging an den Besitzer zurück, der sie weiter verkaufte. Ganz zufällig wollte zu der Zeit ein Kumpel aus Roßlau sein Trike verkaufen. „Das hatten meine Frau und ich uns 2010 gekauft", so Lutz Olbrich. Er und Hans-Günther Beelitz kannten sich aus früheren Karnevalszeiten, wo es regen Kontakt zwischen dem Roßlauer und dem Zerbster Club gab, und beide waren in Verbindung geblieben. Das gute Stück in Rot sollte durch ein neueres, stärkeres Modell ersetzt werden. So kam eines zum anderen. Der Zerbster signalisierte Interesse und das rote Trike wechselte seinen Besitzer.

Hintern muss auf der Straße bleiben

Hans-Günther Beelitz erinnert sich an seine erste Fahrt am 1. April 2019: „Ich musste erstmal alleine probieren, um das Gefühl zu kriegen.“ Nach Steutz-Steckby ging die Übungsfahrt. Ein Trike muss man immer mittig fahren, also das Rad vorne bleibt in der Mitte der Fahrspur. Der Hintern soll schließlich auf der Straße bleiben. Schneiden oder in die Kurve legen funktionieren nicht.

Mit den drei Rädern waren die Zerbster von da an sehr zufrieden. Hinten sitzt man sehr bequem, hat den Überblick und kann sich sicher fühlen. Lutz Olbrich und seine Frau Heike stiegen nach dem roten Trike auf eine Zwei-Liter-Maschine und 140 PS um - in schwarz. Und auch

Ein bisschen mehr Komfort darf es sein

Hans-Günther Beelitz und seine Frau verabschiedeten sich im vergangenen Jahr von dem roten Trike und kauften sich ein leistungsstärkeres Fahrzeug - in weiß.

Ein bisschen mehr Power braucht man, damit auch ein Wohnwagen in den Urlaub oder übers Wochenende mit kann. „Das erste Jahr hatten wir das Zelt dabei“, so Beelitz. Aber ein bisschen mehr Komfort darf es ruhig sein. Ein Queck wurde angeschafft. Da kann man das meiste selbst machen, um ihn auf Vordermann zu bringen. Was man hinterher zieht, muss schließlich ein bisschen zur Maschine vorne passen. „Es soll schon alles schmuck aussehen“, so Lutz Olbrich. 

Auf das schmucke Aussehen wird Wert gelegt

Die Trikes werden auf Hochglanz poliert, das Leder gepflegt – alles glänzt in der Sonne. Einen ähnlichen Aufwand betreibt Lutz Olbrich auch bei seinem Queck. Selbst aufgebaut und hergerichtet war der äußerlich perfekt auf das rote Trike abgestimmt im extravaganten Design.

Die Farben stimmten auch im gemütlichen und durchgestylten Innenraum. „Jeder hat so seinen Spleen“, lacht Olbrich. Nun werden sein Queck und das neue schwarze Trike Schritt für Schritt aneinander angepasst. Übrigens legen der 56-Jährige und seine Frau ebenso Wert darauf, dass die eigene Kleidung übereinstimmt.

Sind die Trikes unterwegs ziehen sie die Aufmerksamkeit auf sich. Die Leute drehen sich um, staunen und fragen auch mal interessiert nach auf dem Parkplatz. Die Triker verabreden sich meist spontan zu Ausflügen – mal fünf, manchmal bis zu zehn Maschinen. Von Leipzig bis Leuna kommen sie zusammen, man trifft sich irgendwo und steuert dann gemeinsam ein Ziel an. Da hat sich eine Truppe gefunden, wo die Chemie stimmt. Außerdem gibt es die großen Trikertreffen – da sind dann eine Vielzahl von Trikes am Start.

Trike fahren ist ein Lebensgefühl. Es geht nicht ums Schnellfahren, es geht ums Genießen. „Wer noch nicht gefahren ist, kann sich das nicht vorstellen“, sagen die beiden Freunde. Mit dem Auto fährt man von A nach B. Mit dem Trike hat man viel mehr von der Fahrt, man kriegt mehr mit, sieht viel mehr. Mit Sprechfunk im Helm, können die Beelitzes während der Fahrt auch miteinander erzählen. 

Im T-Shirt unterwegs

„Das Schöne ist, man kann auch in kurzer Hose und T-Shirt unterwegs sein“, sagt Hans-Günther Beelitz. Bikerkluft, die bei Stürzen schützt, ist nicht nötig. Natürlich muss es entsprechend warm sein, um kurz zu fahren. Und überhaupt ist das Trikefahren eigentlich ein Schön-Wetter-Hobby. „Da fährt man auch mal zum Eisessen nach Dresden“, so Olbrich.

Zu schade, dass man wegen Corona nirgendwo richtig hinfahren kann, da alles zu ist. „Sonst gucken wir immer, wo das Wetter am schönsten ist“, sagt Olbrich. Die neue Saison hat nun nicht gerade mit dem besten Wetter begonnen. Dem ersten April fieberten der Roßlauer und der Zerbster trotzdem erwartungsvoll entgegen. „Das Trike will raus aus der Garage“, so Beelitz. Eine Runde durch den Fläming haben er und seine Frau am vergangenen Sonntag drehen können. Große Pläne, Termine für Trikertreffen gibt es für dieses Jahr aufgrund der Pandemie jedoch noch nicht.

Frau ist verrückter danach als der Mann

Bei den Olbrichs steht das Trikefahren ganz oben an. Nicht ganz so oft sind Hans-Günter Beelitz und seine Frau unterwegs. Der 65-jährige Zerbster, der 46 Jahre in der Wema, heute EMAG, gearbeitet hat und jetzt im Ruhestand noch einen Mini-Job macht, ist schließlich außerdem beim Badminton im TV Gut Heil sehr aktiv.

Auch den Garten will das Zerbster Paar nicht ganz vernachlässigen. Aber: „Meine Frau ist jetzt schon verrückter nach Trikefahren als ich“, sagt er. Ohne, dass die Frauen mitziehen, würde das alles nicht funktionieren, sind sich die Männer einig. Die beiden Frauen sind zwar schon mal selber Trike gefahren – ein Pkw-Führerschein reicht – aber sie bevorzugen es, chauffiert zu werden.

„Es macht einfach irre Spaß“, sind sich Hans-Günther Beelitz und Lutz Olbrich, der im normalen Leben bei einem Küchenhersteller tätig ist, einig. Der Roßlauer hat als Hobbyfotograf auch immer Stativ und Kamera dabei. Es gibt so vieles im eigenen Land, was man noch nicht gesehen hat, meint er. So sind die Triker unter dem Motto „warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah“ auf Achse – mit etwa 90 km/h Reisegeschwindigkeit, mit Automatikschaltung, Sitzheizung und Klappenauspuff und „Proud be Triker“ auf dem Rücken.