Heimatgeschichte

Johann Friedrich Fasch, Komponist und Kapellmeister am Zerbster Hof, feiert 333. Geburtstag

Zerbst

Herzlichen Glückwunsch, Herr Fasch! In diesem Jahr wäre der Zerbster Hofkapellmeister 333 Jahre alt geworden. Eine wunderbare Gelegenheit, einen der berühmtesten Söhne der Stadt zu feiern! Aber von Anfang an: Johann Friedrich Fasch wurde am 15. April 1688 in Thüringen geboren. Vor seiner Anstellung in Zerbst wirkte er als Violinist und Verwaltungsbeamter. Er besuchte unter anderem auch verschiedene deutsche Höfe und lernte hier vielfältige Richtungen der Musik kennen.

Magdeburgs Telemann und der weiter entfernte Vivaldi faszinierten ihn jedoch am meisten, sein überliefertes Inventar an Noten, die er für den Zerbster Hof angeschafft hatte, sprechen auch von Verbindungen unter anderem nach Darmstadt und Dresden. Heute könnte man Fasch als Netzwerker beschreiben, der am Puls der Zeit bleiben wollte.

Neben Georg Friedrich Händel komponierte auch Fasch Feuerwerks-Musik

Wer komponiert in welchem Stil? Wer macht etwas Neues? Für die Fasch-Forschung ist sein Networking heute ein Segen. Da seine Zerbster Dokumente während des Angriffes am 16. April 1945 fast vollständig verbrannten, sind die Kopien von Faschs Werken in seinem Netzwerk eine Möglichkeit, Faschs Genialität in der Gegenwart zu Gehör zu bringen.

Händel ist berühmt für seine Feuerwerksmusik. Haben Sie schon einmal die Variante von Fasch gehört? Sie ist zu Teilen bei Youtube zu finden und lässt die Orangerie im Schlossgarten, die Ort des Feuerwerkes war, musikalisch wiederauferstehen.  Johann Sebastian Bach ist heute in aller Munde. Bei der Besetzung des Thomas-Kantorats in Leipzig war er jedoch nicht erste Wahl: Man wollte Fasch, der jedoch wie Telemann vorher dankend ablehnte. Es ist schwierig, heute Fasch als kleinen Superstar am Barockmusik-Himmel zu platzieren. Dies hat viel mit der Rezeptionsgeschichte zu tun.

Mitglieder der Fasch-Gesellschaft tragen Informationen über den Barock-Komponisten zusammen

Bach und Händel wurden relativ früh während der Beschäftigung mit der „Alten Musik“ wiederentdeckt und gespielt. Der Zugang zu Fasch war schwierig, da wenig Notenmaterial überliefert und außerdem überall verstreut lag. Erst in den 1980er Jahren bildete sich in Zerbst eine Keimzelle, die die Forschung zu diesem mitteldeutschen Barockkomponisten voranbringen sollte.

Was wissen wir heute von Fasch? Neben Geburts-, Heirats-, Kinder- und Sterbedaten sind es erstaunlich viele persönliche Informationen, die mit Fleiß von Forschern zusammengetragen wurden. Sein relativ stattliches Gehalt schützte ihn nicht davor, viele Schulden zu machen. Auf der anderen Seite vermutet man ihn in der religiösen Strömung der Pietisten, deren Mitglieder mit großer Frömmigkeit und Bibeltreue eher nicht in Saus und Braus gelebt hatten.

Fasch Sohn Carl Friedrich Christian war ebenfalls berühmter Komponist

Der Schwager von J. S. Bach, Johann Caspar Wilcke, war Trompeter unter Fasch in der Zerbster Hofkapelle. Die Internationale Fasch-Gesellschaft konnte vor Kurzem die seltene Biographie von Carl Friedrich Christian Fasch (Druck: 1801) erwerben. Darin erwähnt der Sohn Faschs übrigens in keinem Wort seine ältere Schwester, die sich um ihren Vater aufopferungsvoll während seines Lebensabends kümmerte und auch den Schuldenberg nach dem Tode abtragen musste.

Sein Sohn wurde ein bedeutender Komponist und Chorleiter in Berlin, die Spuren seiner Tochter verlieren sich nach Faschs Tod. Dass dieser als Hofkapellmeister unter anderem auf der Neuen Brücke – heute markiert ein Gedenkstein den Ort – wohnte, ist durch Akten im Zerbster Kirchenarchiv nachzuvollziehen. Im Alter von 70 Jahren erlitt er einen oder mehrere Schlaganfälle und starb in Zerbst.

Trotz Abwerbungsversuche in Zerbst geblieben

Kein anderes Mitglied der Hofgesellschaft wurde in seiner Wirkenszeit in der Nacht vom Hofprediger aufgesucht, um die Beichte abzulegen und das Abendmahl zu empfangen. Hieran erkennt man den Wert des wahrscheinlich nicht einfachen Künstlers, der den Zerbster Hof trotz Abwerbungsversuchen bevorzugte: Fasch schuf sich mit seinem Können und seinem Arbeitseinsatz ein Umfeld, das ihn respektierte und achtete.

Sein Grab fand er 1758, in aller Stille, also ohne Feierlichkeiten, auf dem Frauentorfriedhof. Der ungefähre Standort des Grabes kann heute durch Nachforschungen angegeben werden, ein Gedenkstein findet sich dort leider (noch) nicht. Seit 1991 haben sich die Internationale Fasch-Gesellschaft und die Stadt Zerbst/Anhalt verpflichtet, das musikalische Erbe der beiden großen Faschs zu pflegen und die Erinnerung an diese herausragenden Musiker aufrechtzuerhalten.

Fasch-Gesellschaft und Grundschüler gratulieren im Zerbster Kunstfenster

Heute sollten die 16. Internationalen Fasch-Festtage beginnen. Die Corona-Pandemie machte einen Strich durch diese Rechnung. Das Zerbster Kunstfenster zeigt dennoch einen bunten Strauß an Geburtstagsgrüßen: Aus der Sicht der Erwachsenen, ganz förmlich mit gedecktem Tisch und Geschenken, ganz bunt aus Sicht von Kindern der Hortgruppen der Grundschule „An der Stadtmauer“, mit gebastelten und gemalten Sachen.

Unser Hofkapellmeister hätte vielleicht beides gut gefunden. Nochmal: Herzlichen Glückwunsch zum 333. Geburtstag, Herr Fasch!