Zerbst l Es war Ende Juni 1953 als Thea und Helmut Zander sich kennenlernten und es spielte Musik. Doch eigentlich muss man eher beginnen, denn der Zufall wollte es, dass die beiden aufeinander trafen. Helmut Zander hatte Tanzstundenunterricht begonnen mit einer ihm zugewiesenen Partnerin. Das war Anfang Juni 1953. Dann fiel der Unterricht aus, wegen der Unruhen um den 17. Juni. Und zwei Wochen später hörte er, dass es wieder Tanzstunden im Vogelherd gäbe. „Da bin ich hin mit meinem Kumpel und der Lehrer winkte uns gleich rein, es gab nämlich Männermangel. Und die beiden Mädels, die erst noch miteinander tanzten, schwangen dann das Tanzbein mit den jungen Herren. „Ich griff sie und habe sie nie wieder losgelassen“, sagt Helmut Zander und lacht.

Geliebter Tanzpartner

Hört sich erst einmal einfach an. Doch eigentlich hatte Thea einen anderen Tanzpartner. „Die zwei sind dann immer um die Wette gerannt. Wer zuerst da war, tanzte mit mir“, erzählt sie mit einem Lachen. So überzeugte Helmut Zander anfangs anscheinend nicht nur mit Rhythmusgefühl, sondern auch mit Schnelligkeit.

Bei den Treffen in den Tanzstunden sollte es nicht bleiben. Bald bildete sich eine schöne Truppe, die häufig am Wochenende was mit einander unternahmen – mittendrin Thea und Helmut. Man lernte sich mehr kennen und kam sich näher. Fünf Jahre später bezogen die beiden dann in ihre erste gemeinsame Wohnung. Zwei Zimmer waren es. Zwar gab es schon einen Plan für die Hochzeit, doch für die Wohnung musste es schnell gehen. „Wir sind ins Standesamt und der einzige freie Termin war der 8. März“, erzählt Helmut Zander. „Menschen, die uns danach trafen, sahen uns wohl unser Glück an und meinten, wenn sie nicht wüssten, dass wir im April heiraten, würden sie denken, wir hätten schon Ja gesagt“, erinnert sich Thea Zander, die Blumenverkäuferin, mit einem Lachen. Ganz in Familie mit einigen Freunden wurde dann noch einmal im April kirchlich geheiratet.

Gemeinsames Leben

Seit dem ist viel passiert. Die beiden haben einige Jahre später das Einfamilienhaus, in dem sie die zwei Zimmer hatten, ganz bekommen. Dort leben sie bis heute. 1959 und 1963 kamen dann die beiden Töchter zur Welt. Es folgten bis heute vier Enkel und vier Urenkel. Beide lieben das Reisen. Waren schon zu DDR-Zeiten immer wieder drei Wochen in Ungarn mit ihrem Camper, finanziert durch die 100 Kaninchen, die Helmut noch neben dem Job als Betriebsschlosser, erst im Maiswerk, dann in der LPG und später dann als Schlosser bei Mazda, hielt.

Warum es seit 60 Jahren mit den beiden so gut funktioniert? „Wir machen alles zusammen. Ob Garten, Küche oder Einkaufen – wenn der eine was nicht kann, greift der andere zu. Und wir sind nicht lange böse aufeinander. Wir haben uns geschworen, nie böse auseinander zu gehen. Was wäre, wenn man einen Unfall auf dem Weg zur Arbeit hat?! Und so funktioniert es seit 60 Jahren“, verrät Thea Zander ihr Geheimnis