Deetz l „Wir leben noch“, sagt Ulrich Weimeister vom Jugendbauernhof in Deetz. Die staatlichen Hilfen der vergangenen Monate haben die Schullandheime über Wasser gehalten, schildert er. In der nächsten Zukunft erwartet er weitere finanzielle Unterstützungen, um die kommenden Wochen und Monate zu überbrücken. Seit Monaten ist die Einrichtung nun schon wieder leer.

„Ich würde mir wünschen, dass in den kommenden Wochen das Buchungsgeschäft wieder anziehen würde“, sagt er. Noch seien die Schulen im Lockdown und die Klassenlehrer haben andere Sorgen, als Klassenfahrten zu organisieren und zu buchen. Dabei hätten die Schullandheime das Risiko für die Klassenfahrten bereits deutlich reduziert, sagt er. So könnten die Klassen nun einfach von gebuchten Reisen zurücktreten, wenn die Corona-Pandemie dies verlange. Diesen Schutz gab es zu Beginn der Pandemie noch nicht. Hier sprangen die Länder ein und ersetzten den Klassen die Kosten.

Kinder kommen erst in den Sommerferien

Auch in den kommenden Monaten wird das Schullandheim in Deetz leer bleiben und Kinder werden kaum die Einrichtung besuchen. „Ich rechne damit, dass wir zu den Sommerferien vielleicht wieder anfangen werden“, sagt Ulrich Weimeister. Früher sei nach den bisherigen Erfahrungen im Umgang mit der Pandemie kaum wieder an ein normales Leben zu denken.

Wie sich die Belegung dann in der zweiten Jahreshälfte entwickeln wird, sei zu Jahresbeginn noch aktuell offen. Er schreibe gerade einen Brief an den Ministerpräsidenten, erzählte er. Darin wolle er auf die besondere Situation aufmerksam machen, der sich die Schullandheime ausgesetzt sehen. Nach den gegenwärtigen Prognose könne davon ausgegangen werden, dass die Schullandheime erst im kommenden Jahr wieder voll durchstarten können und wahrscheinlich auch noch im zweiten Halbjahr dieses Jahres weiter finanzielle Hilfen benötigen. Wenn das Sommer- und Herbstgeschäft nicht anlaufe und die Einrichtungen keine Rücklagen bilden können, dürften sie nur schwer über den Winter kommen, schildert er die Situation. „Wir sind bisher gut durch die Pandemie gekommen und haben entsprechende Hilfe erhalten“, sagt er. Es sei aber wichtig, dass es auch in Zukunft noch weitere Hilfen für die wenigen Schullandheime gebe, damit diese die Pandemie überstehen und auch danach den Schulen zur Verfügung stehen.

Planungen derzeit schwierig

Die Heime müssten aus den kommenden Monaten das Beste machen, schätzt er ein. Dennoch seien Planungen außerordentlich schwierig, weil sich die Situation jederzeit wieder verändern könne. Die vergangenen Monate haben gezeigt, wie schnell es anders kommen könne. In Deetz muss der Hof auch während des Lockdowns weiter betrieben werden. Denn auch dem Bauernhof leben zahlreiche Tiere, die die Kinder während des normalen Betriebes erleben können. Auch im Winter müssen die Tiere versorgt werden. Jeden Tag sei daher der Einsatz gefragt, ganz egal, ob Kinder zu Gast seien oder nicht, meint er.

Mit seinen Tieren ist der Jugendbauernhof vor allem bei den Schulklassen aus größeren Städten sehr beliebt. Viele Kinder kommen hier Haustieren, die nicht mehr ganz so üblich sind, sehr nah. Außerdem können die Kinder jeden Tag beim Stall ausmisten oder bei der Futterversorgung viel über die Haustiere lernen, die früher zu vielen Haushalten im ländlichen Raum gehörten. Seit Jahren geht aber auch im ländlichen Raum die Zahl der gehaltenen Tiere zurück, was sich beispielsweise an den sinkenden Mitgliederzahlen der Rassezuchtvereine ablesen lässt. Vor allem nach den beiden Weltkriegen erlebte die eigene Zucht im ländlichen Raum eine große Blüte. In der jüngeren Vergangenheit fand die Zucht immer weniger Freunde.

Mit größeren Haustieren im Kontakt

Viele Kinder machen auch die Jugendbauernhof in Deetz erstmals eine nahe Bekanntschaft mit größeren Haustieren. Daneben bietet die Einrichtung regelmäßig Reiterferien und damit einen sehr engen Kontakt zu Pferden an. Vor allem Mädchen spricht dies an. Nur selten sind mal Jungen in den Feriengruppen unter den Reitern. Viele Kinder lieben die wöchentlichen Reiterferien, in denen sie sich den ganzen Tag um die Tiere kümmern und mit ihnen zusammen sein können.

Auf der anderen Seite fällt es der Einrichtung aber auch in der Ferienbetreuung zunehmend schwerer, die entsprechenden Betreuer für die Wochen im Sommer zu verpflichten. Der Markt sei seit Jahren leergefegt, weiß Ulrich Weimeister. Trotzdem sei es ihm in der Vergangenheit immer wieder gelungen, noch Betreuungspersonal für die Wochen zu finden, um die Ferienspiele auf dem Hof abzudecken.