Güterglück/Lindau/Zerbst | Seit Sonntagvormittag regieren die Jecken das Land. Bis Aschermittwoch gehört ihnen die Herrschaft – den Rot-Weißen, Grün-Gelben und Gold-Grünen.

In Zerbst öffnet neue Geburtenstation

Mit dem Kinderprinzenpaar Charlotte I. und Hugo I. an der Spitze machte sich der Carnevalclub Zerbst (CCZ) am Sonntagvormittag auf den Weg zum Rathaus. Bevor die fröhlich gestimmten Jecken lautstark die Regentschaft forderten, legte der Umzugstross traditionsgemäß am Gildehaus einen Stopp ein. Vereinspräsident Dietmar Mücke nutzte den Zwischenstopp für ein Dankeschön an die Senatoren, die den CCZ auf vielfältigste Weise unterstützen, bevor diese aus den Händen der Nachwuchstollitäten den diesjährigen Karnevalsorden erhielten.

Es ist die 41. Session, die die Rot-Weißen gestern äußerst vergnügt im Beisein vieler Bürger eröffneten. „Millionen in Zerbst verbaut, dann geschlossen, das nennt man Heliossen“ spielt das aktuelle Motto auf die Schließung der Geburtenstation im Krankenhaus an. „Original-Zerbster werden wir bald nicht mehr sehen, der Zustand ist kaum zu ertragen und schlägt schwer auf den Magen“, reimte Oberjeck Dietmar Mücke, als der Tross auf der Schloßfreiheit angekommen war.

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Prüfung für den Elferrat

Die Lösung für das ärgerliche Dilemma lieferte Bürgermeister Andreas Dittmann, der für seinen gespannt erwarteten Auftritt grüne OP-Bekleidung übergeworfen hatte. „Der Sitzungssaal ist nun geschlossen, denn wir haben unverdrossen, den Kreissaal darin einquartiert“, verkündete er. Die Hebamme wurde altersbedingt mit dem Rollstuhl in die „Notgeburtenstation“ gebracht, wo wenig später das erste Kind das Licht der Welt erblickte.

Unterdessen musste der Elferrat noch eine passende Prüfung bestehen, ehe der Rathauschef den blank polierten Schlüssel und die mit einem zur Fußball-WM geprägten russischen Rubel aufgefüllte Stadtkasse herausrücken sollte. Zur Begeisterung des Publikums legten die Herren lachend Windeln an, nahmen die Schnuller in den Mund und tanzten ausgelassen im Kreis. Dann übernahmen die Jecken die Regentschaft, für die sie nun noch Eines suchen: ein Prinzenpaar.

Lindauer starten mit 1-Euro-Party

Am Sonnabendabend durften in Lindau schonmal Kostüme getragen werden. Der Lindauer Carneval Club (LCC) hatte zur traditionellen 1-Euro-Party ins Bürgerhaus geladen. Ein Angebot, das sich zum Auftakt der 53. Session an die Jugend und alle Junggebliebenen richtete.

Abfeiern mit DJ Rick war bei den Grün-Gelben angesagt. Die Karnevalisten schauten sich unter den Gästen um, um die tollsten Kostüme zu prämieren. Für das schönste Kostüm wurde Torsten Fricke aus Lindau als Mr. Energizer ausgezeichnet. Für den zweiten Preis riefen Jette Anders und Tabea Fechner die Cowboys und Indianer auf die Bühne – eine sechsköpfige Gruppe junger Damen, die immer wieder gerne in Lindau feiert. Den dritten Preis bekam Annett Hirschfeld als Spinne Thekla. Aus Bleicherode war sie zu Besuch bei Familie Anders in Lindau. Sie mag Straßenkarneval und solche Veranstaltungen, wo man nicht so lange Programme hat. Beim heimischen BCC gebe es kein Helau, da rufe man „Jo Jau“, erzählte sie.

Suche nach einem Prinzenpaar

Eigentlich wollte man in Lindau am Sonntag eine Schlüsselübergabe vorm Bürgerhaus zelebrieren. Das musste jedoch kurzfristig abgesagt werden. Es hat wohl organisatorische Missverständnisse gegeben. Die karnevalistischen Veranstaltungen starten im nächsten Jahr dann am 9. Februar mit dem Jugendkarneval. Bis dahin haben die Gruppen noch Zeit, am Programm zu feilen. Und es wird sich hoffentlich auch ein Prinzenpaar finden.

Die Güterglücker Narren kommen derweil ganz ohne Prinzenpaar aus. Sie traten am Sonntag um 11.11 Uhr vor das Gemeindehaus. Dort forderten sie mit Unterstützung des Publikums „Moritz, rück den Schlüssel raus!“ von ihrem Ortsbürgermeister Moritz Schwerin.

Güterglücker Garde zeigt neuen Tanz

Der stellte diesmal Bedingungen: Entweder die Karnevalisten setzen binnen zehn Minuten ein 1000-Teile-Puzzle zusammen oder er darf jedem Erwachsenen einen Schnaps spendieren und Bonbons für die Kinder. Nun, die Entscheidung war einfach: Karnevalspräsident Falko Zeidl übernahm den Schlüssel. Auf die Kasse verzichtete er – „die ist sowieso leer“.

Spaß und Freude will der Güterglücker Karnevalsverein „Gold-Grün“ in seiner 37. Session verbreiten und unter dem Motto „Jubel, Trubel, Heiterkeit“ die Leute für ein paar Stunden aus ihrem Alltag reißen. Altbewährtes wird es geben und Neuheiten. In dem Sinne stellte die Garde am Sonntag schon mal ihren neuen Tanz vor. Danach regnete es Kamelle und mit Glühwein und Gegrilltem ging man zum gemütlichen Teil über.