Zerbst l Längst wird emsig am einstigen Frauenkloster in der Breite gewerkelt. Trotz Corona-Krise schreiten die Bauarbeiten an dem denkmalgeschützten Komplex voran. Bereits Mitte 2019 fiel mit der Dacherneuerung an der früheren Klosterkirche der Startschuss für das umfangreiche Projekt. Inzwischen wird mit dem Umbau und der Sanierung des Klausurflügels ein weiterer Teil des Projektes umgesetzt. Auftraggeber ist in beiden Fällen die Stadt Zerbst, die das markante Objekt zum zweiten Verwaltungs-standort herrichten will.

Neben dem historischen Archiv sollen das Bau- und Liegenschaftsamt, das derzeit in der Puschkinpromenade untergebracht ist, und die Schiedsstelle dort einziehen. Auch das Museumsdepot soll Platz finden. Insgesamt mehr als 2,5 Millionen Euro stehen für das Vorhaben zur Verfügung. Es handelt sich um Fördermittel aus den Programmen „Stadtumbau Ost“ und „Stark V“.

Rettungstreppe ist nötig

Weitere knapp 1,6 Millionen Euro fließen zudem aus der Schulbauförderung in den Gebäudekomplex, wofür nun ebenfalls der lang erwartete Zuwendungsbescheid vorliegt. „Positive Nachrichten sind derzeit eher selten“, freut sich Landrat Uwe Schulze (CDU) umso mehr über die schriftliche Bewilligung der Mittel durch das Landesverwaltungsamt.

Der Kreis ist der Träger der Ganztagsschule „Ciervisti“, der das Frauenkloster bereits seit 2013 als Außenstelle dient. Da am Hauptstandort in der Fuhrstraße nicht genügend Platz für die fast 500 Schüler ist, werden die neunten und zehnten Klassen an der Breite unterrichtet. Bislang wurden dafür auch vier Räume im Klausurflügel genutzt, die künftig durch die Pläne der Stadt allerdings nicht mehr zur Verfügung stehen. Stattdessen wird sich der Schulbetrieb fortan auf das erst im späten 19. Jahrhundert errichtete Kasernengebäude direkt an der Straße konzentrieren, wo deshalb weitere Unterrichtsräume entstehen sollen.

Das wiederum macht die Erschließung des zweiten Obergeschosses erforderlich, was mit Brandschutzauflagen verbunden ist. Das bedeutet, es muss ein zusätzlicher Fluchtweg geschaffen werden, der über eine Außentreppe im Innenhof realisiert werden soll. Darüber hinaus müssen Zwischentüren eingebaut werden für den Fall, dass der Flur verraucht ist und die Schüler von einem Raum zum anderen bis zum Treppenhaus gelangen müssen. Auch der Einbau einer Brandmeldeanlage und einer Sicherheitsbeleuchtung ist notwendig.

Dach wird neu eingedeckt

Außerdem ist die Erneuerung der Dacheindeckung geplant. Auch die Sanierung von Fenstern und Fassade sowie Fußboden-, Maler- und Elektroarbeiten beinhaltet das Projekt des Landkreises, dessen Gesamtausgaben mit rund 1,8 Millionen Euro beziffert werden. Abzüglich der 90-prozentigen Förderung über die „Richtlinie zur Gewährung von Zuwendungen zur Verbesserung der Schulinfrakstruktur finanzschwacher Kommunen“ bleibt ein Eigenanteil von gut 176.000 Euro.

Im Sommer sollen die Arbeiten am Kasernenflügel beginnen. Die Baugenehmigung ist inzwischen erteilt und das beauftragte Zerbster Architekturbüro mit der Erarbeitung der Ausführungsplanung befasst. Diese bildet die Grundlage für die Aufteilung der einzelnen Lose und die Erstellung der Leistungsverzeichnisse. Bereits in dieser Woche soll die Installation der Brandmeldeanlage ausgeschrieben werden.

Abschluss wahrscheinlich 2021

2021 will der Kreis mit der Sanierung fertig sein, was jedoch von einigen Faktoren abhängt – Firmen könnten beispielsweise keine verwertbaren Angebote abgeben, Bauverzug oder Lieferengpässe bei benötigten Materialien könnten eintreten. Fakt ist, dass die Maßnahme bis spätestens 31. Dezember 2022 abgerechnet sein muss. Das legt der Fördermittelbescheid fest.

Als Ausweichquartier für die weggefallenen Unterrichtsräume im Klausurflügel wurden auf dem Gelände der Ganztagsschule Klassenraumcontainer aufgestellt. Diese dienen bis zum Abschluss der Arbeiten am Kasernengebäude als vorläufiger Ersatz.