Strinum l Der Strinumer Taufstein ist etwas Besonderes. „Wertvoll auf jeden Fall schon wegen seines Alters“, sagt Dr. Beatrix Haake. Sie glaubt sogar, dass es sich um den ältesten Taufstein Mittelelbiens handelt. Darauf war sie schon einmal bei ihren umfangreichen Recherchen zur Orts- und Kirchengeschichte von Strinum gestoßen. So alt wie die Kirche oder gar älter könnte er sein. Die romanische Feldsteinkirche in Strinum entstand wohl um 1200. Auch die Muster am Taufstein sind eindeutig romanisch.

Ebendieser Taufstein hat in langen Jahren nun sein Dasein draußen auf dem Freigelände der Kirche gefristet. Seit dem 18. Jahrhundert könnte er dort gestanden haben, war Wind und Wetter ausgesetzt.

Becken hielt Regenwasser

Der Sockel steckte ein Großteil in der Erde. Das Becken hielt das Regenwasser. Er war auch schon mal mit Blumen bepflanzt worden, hatte Beatrix Haake von Dorfbewohnern erfahren.

Schon 2014 hat es Gespräche mit der Ortsbürgermeisterin und mit dem Zerbster Bürgermeister gegeben, den Taufstein sicher zu stellen. Doch das hatte sich dann verlaufen. Irgendwie kam man nie zum Zuge. Bis jetzt. „Wir wollten endlich Nägel mit Köpfen machen“, erklärten die Kirchenpächter Beatrix und Peter Haake. Der Taufstein sollte ins Trockene.

Improvisationstalent ist gefragt

Die Kameraden der Zernitzer Feuerwehr rückten an. „Mit acht Mann war der Taufstein nicht zu bewegen“, so Peter Haake. Mit einem kleinen Radlader war es dann möglich, das schwere Objekt vorsichtig zu transportieren. In die Kirche zu gelangen wurde improvisiert, um die Eingangsstufen zu überwinden. Ein kleines Podest aus Paletten wurde gebaut. In der Kirche ging es per Hubwagen und mit viel Muskelkraft weiter.

Jetzt steht der Taufstein dort, wo Platz entstanden war, nachdem der Ofen abgebaut worden war. Eine Stelle, wo das Objekt gut sichtbar ist. Jetzt muss der Taufstein erst einmal richtig trocken werden. Dann können vorsichtig noch Verschmutzungen entfernt werden.

Stattliche Größe

Der alte Taufstein ist ein Objekt von stattlicher Größe, denn in den ersten Jahrhunderten der Kirche wurde meist durch Untertauchen getauft. Mit der Erneuerung der Kirche kam auch ein neuer Taufstein. Der alte war überflüssig, wurde nach draußen verfrachtet. Das neuere Modell ist viel kleiner und schlicht im Vergleich zu seinem Vorgängermodell. Ein großes Wasserbecken war nicht mehr notwendig, denn die Täuflinge wurden nur noch besprenkelt.

Der mittelalterliche Taufstein fristete bislang ein eher unbeachtetes Dasein. „Bei Führungen haben wir darauf hingewiesen“, so Beatrix Haake. Nun kommen Kirchenbesucher nicht mehr daran vorbei.

Kulturkirche auch 2019 Veranstaltungsort

Der Dank geht an die Kameraden der Zernitzer Feuerwehr. „Zum Glück gibt es die Ortsfeuerwehr bei uns noch“, sind die Haakes froh. Die Kameraden seien sehr aktiv und immer zur Stelle, auch zusätzlich zu den Einsätzen, die sich in letzter Zeit durch die Stürme häuften.

Die Kunst & Kultur Kirche Strinum ist seit vielen Jahren Veranstaltungsort. Dort finden Konzerte und Ausstellungen statt. Ein Qigong-Kurs erlebte im vergangenen Jahr seine erste Auflage. Einen weiteren wird es in diesem Jahr in der Kirche geben. Mit Leben soll das Gotteshaus auch 2019 wieder erfüllt werden. „Ist Leben im Haus, lebt das Haus“, sagt Beatrix Haake.