Garitz l Die ersten Fenster sind schon drin. Besondere Fenster, die künftig die Attraktivität der Garitzer Dorfkirche steigern werden. Der weltbekannte Künstler Tony Cragg hat die Fenster entworfen. Cragg rangiert unter den zehn bedeutendsten lebenden Künstlern auf Rang sieben. Darauf verwies Ullrich Hahn, der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates der Evangelischen Weinberggemeinde Garitz. „Das ist schon etwas Besonders, dass er in Garitz aktiv ist“, freut er sich.

Von einer „großen Ehre“, die Entwürfe umzusetzen, sprach auch David Arngold von den Glasmalerei Peters Studios Paderborn. Der Künstler habe den Raum sofort gelesen, zeigte sich Arngold von der Zusammenarbeit begeistert. Cragg hat den gesamten Raum in die Gestaltung der Fenster einbezogen. Schönes warmes Licht wird künftig hereinströmen. Als Bildhauer hat Cragg einen ganz besonderen Zugang zum Medium Glas. „Er legt hohen Wert auf höchste Qualität der Gläser“, so Arngold.

Magie des Lichtes in der Kirche

Die Zeiten des grünen, trüben Lichtes in der Kirche sind nun vorbei. Kräftiges Rot auf Transparent machen die neuen Fenster aus. Wissenschaftliche Formeln dienen als Gestaltungsmerkmale – durch Strukturierung und Schwarzlot Linien abgesetzt. Der Künstler gewährt den „Blick in das Geheimnis unserer Realität“. Die Sonne tut das Ihrige, die Magie des Lichtes in der Kirche zu zaubern.

Bilder

Der Einbau der Kirchenfenster – zehn Stück an der Zahl – soll Ende dieser Woche abgeschlossen sein. Es ist der erste Schritt zur Neugestaltung des Innenraumes der Kirche. Mit dem zweiten Schritt soll es dann im Januar weiter gehen, kündigte Dietmar Sauer von DS Architects in Köthen an. Während das Architekturbüro die Planung in der Hand hat, liegt die kuratorische Betreuung bei Dr. Holger Brülls vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt. Zunächst werden die Epitaphe an der Seitenwand entfernt. Die sollen dann später wieder an ihren Platz, ohne weiter der Nässe ausgesetzt zu sein. Dann geht es an die Neuordnung der Prinzipalstücke. Man hatte festgestellt, dass die Kirche hinsichtlich ihrer inneren Raumordnung verschiedener funktionaler Verbesserungen und gestalterischer Korrekturen bedarf, die über bloß instandsetzende und restauratorische Maßnahmen an der Ausstattung hinaus gehen. Der Gesamtraum soll am Ende wieder zu einem einzigartigen Erlebnis werden.

Raum nicht nur für Gottesdienste

Der Taufstein wird an seine originale Stelle gerückt. Altarblock und Retabel werden wieder zusammengeführt. Ullrich Hahn hofft, dass Tony Cragg hier unterhalb der barocken Altarplatte auch noch seine bildhauerischen Spuren hinterlassen wird. Die Bänke der Kirche wurden in Vorbereitung des Maßnahmeauftakts schon entfernt. Mit Stühlen will man hier künftig besser aufgestellt sein. Der multifunktionelle Raum soll nicht nur Gottesdiensten vorbehalten bleiben.

Putzarbeiten an den schadhaften Stellen im Innenraum sind vorgesehen, danach Elektroarbeiten, zum Schluss der neue Farbanstrich als Abschluss der Arbeiten im nächsten Jahr.

135.000 Euro kostet Maßnahme

Die Kosten für die gesamte Maßnahme liegen bei rund 135.000 Euro. Größter Geldgeber für die Maßnahme ist das Land Sachsen-Anhalt, von dem 80.000 Euro Fördermittel aus der Regionalentwicklung kommen. 25.000 Euro kommen vom Ausstellungshaus für kirchliche Kunst München, 25.000 Euro von der Evangelischen Landeskirche Anhalts. 5000 Euro musste die Weinberggemeinde Garitz selber aufbringen, was über eine erfolgreiche Spendensammlung gelang. Nicht ein Euro stamme aus normalen kirchlichen Haushaltsmitteln, versicherte Ullrich Hahn. Mit einem Budget von 11.000 Euro im Jahr hätte sich die Kirchengemeinde, die sich um vier Kirchengebäude und vier Friedhöfe kümmern muss, das nicht leisten können.

Ullrich Hahn lädt jetzt schon ein, die Garitzer Kirche, eine ursprünglich spätromanische Kirche, die 1741 im Stil des Barock umgebaut wurde, nach ihrer Neugestaltung zu besuchen: „Wir hoffen, dass sehr viele Menschen kommen werden“. Die Kirche ist rund um die Uhr das ganze Jahr über geöffnet. Jeder hat die Möglichkeit, sich alles anzuschauen und natürlich die Cragg-Fenster zu bestaunen, die ein Teil des Projektes „Lichtungen“ sind, in dessen Rahmen seit einigen Jahren ein bemerkenswertes Ensemble von zeitgenössischer Glaskunst in historischen Kirchen in Anhalt entsteht.

„Das Projekt Lichtungen umfasst inzwischen 30 Kirchengebäude und wird ständig erweitert – es ist ein großer Erfolg und von hoher Bedeutung aus kirchlicher, künstlerischer und touristischer Sicht“, so die Kirchenbaurätin Konstanze Förster-Wetzel von der Evangelischen Landeskirche Anhalts. Nicht zuletzt gehe es beim Einbau neuer Fenster, da wo die Notwendigkeit besteht, auch um Substanzerhaltung.